Sarkozy muss Wahl-Debakel befürchten

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Nicolas Sarkozy droht ein Wahldebakel.

Paris - Nicolas Sarkozy erwarten wenig erfreuliche Zeiten. Dem bürgerlich-rechten Lager des französischen Präsidenten droht bei den Regionalwahlen ein Debakel.

Die linken Parteien haben dazu aufgerufen, den Staatschef nach der Hälfte seiner ersten Amtszeit abzustrafen. Die jüngsten Umfragen lassen für Sarkozy und seine Leute das Schlimmste befürchten. Das Regierungslager kommt derzeit landesweit gerade einmal auf 28,5 Prozent der Stimmen. Die linken Listen liegen zusammen bei mehr als 50 Prozent.

Augen zu und durch: Dem französischen Präsidenten wird in den kommenden Wochen nicht viel anderes übrig bleiben. Die großangelegte Debatte über die nationale Identität der Franzosen hat kaum jemanden überzeugt. Viele Bürger machen Sarkozy dafür verantwortlich, dass die Arbeitslosenrate auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren geklettert ist. Monat für Monat kündigen Großunternehmen neue Stellenstreichungen an. Meldungen über wütende Proteste und Streiks von Arbeitnehmern bestimmen nahezu täglich die Schlagzeilen.

Als das Statistikamt in der vergangenen Woche das Erreichen der Zehn-Prozent-Marke bei der Arbeitslosigkeit ankündigte, hielt Sarkozy eine große Rede zur Lage der Industrie. Darin kündigte er einen neuen Beauftragten für den Mittelstand an. “Die Arbeitslosigkeit steigt, Sarkozy schafft einen neuen Job“, spottete die Wirtschaftszeitung “La Tribune“ am Tag darauf. “Große Reden wiegen keine drei Jahre nicht gehaltener Versprechungen auf“, wettert Sozialisten-Chefin Martine Aubry kurz vor dem ersten Wahldurchgang am Sonntag.

Die Schwesterpartei der deutschen SPD sieht sich nach langen Monaten der Selbstzerfleischung im Aufwind. Zwar gab es auch vor den Regionalwahlen wieder interne Schlammschlachten, diese konnten allerdings unter Kontrolle gebracht werden. Als in der Mittelmeer- Region Languedoc-Roussillon ein durch rassistische Ausfälle bekannt gewordener PS-Listenchef erneut für Ärger sorgte, ließ Aubry kurzerhand eine neue Liste aufstellen. Wer sie nicht unterstützen wollte, wurde aus der Partei geworfen.

"Speedy Sarko" steht mit dem Rücken zur Wand

Der einst als “Speedy Sarko“ gefeierte Präsident steht unterdessen mit dem Rücken zur Wand und übt sich in Schadensbegrenzung - bevor die Abstimmung in den 26 Regionen überhaupt begonnen hat. “Es ist eine regionale Wahl, die regionale Folgen haben wird“, spielte er in einem am Freitag erschienenem Interview die Bedeutung des Urnengangs herunter. Große Kurskorrekturen sind trotz des wahrscheinlichen Triumphes der Linken nicht geplant. Eine Regierungsumbildung werde es frühestens nach der für den Sommer geplanten Rentenreform geben, beruhigt der Präsident vor der in zwei Durchgängen abgehaltenen Wahl.

Nutznießer der schwierigen Zeit für Sarkozy könnte Premierminister François Fillon sein. Trotz der Unzufriedenheit der Franzosen mit der Regierungsmaschinerie hat der 56-Jährige seit einiger Zeit ein Popularitätshoch und gilt als der beliebteste Politiker des Landes. Das Nachrichtenmagazin “Le Point“ machte ihn in seiner Titelgeschichte Anfang März bereits zum “Le président Fillon“. Der Premierminister dürfte sich geehrt gefühlt haben, auch wenn er beteuerte: “Das ist Science-Fiction“. Sarkozy hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob er 2012 ein zweites Mal für das Präsidentenamt kandidieren will. Das will er erst Ende 2011 entscheiden.

dpa

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