Paris-Attentat

Verdächtige Brüder standen auf US-Terrorliste

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Chérif Kouachi (32)und sein Bruder Said (34) werden für den Anschlag auf die Zeitung verantwortlich gemacht.

Paris - Die beiden flüchtigen mutmaßlichen Attentäter von Paris haben seit Jahren auf einer Terrorliste der USA gestanden. Einer von ihnen ließ sich von der Al-Kaida ausbilden lassen.

Der 32-jährige Chérif Kouachi und sein 34-jähriger Bruder Said werden für den vermutlich islamistischen Anschlag auf die Zeitung verantwortlich gemacht. Ein US-Vertreter sagte AFP am Donnerstag, die Kouachi-Brüder hätten "seit Jahren" auf den Überwachungslisten des Landes gestanden. Sie seien dort als Terrorverdächtige geführt worden und ihre Namen hätten auch auf der Flugverbotsliste gestanden, sagte der Vertreter, der anonym bleiben wollte. Damit war es den Brüdern verboten, in die USA zu fliegen.

Schießtraining bei Al-Kaida im Jemen 

Ein weiterer US-Vertreter sagte zudem unter Berufung auf französisches Geheimdienstmaterial, dass der ältere Bruder, Said, 2011 in den Jemen gereist sein soll, wo er von dortigen Al-Kaida-Verbündeten unter anderem Schießtraining erhalten haben soll. Der Vertreter bestätigte damit einen Bericht der "New York Times", wonach sich Kouachi "ein paar Monate" dort aufhielt.

US-Geheimdienste untersuchten derzeit, ob der Al-Kaida-Ableger den Anschlag von Paris ausdrücklich angeordnet habe. Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass die beiden Attentäter einen solchen Auftrag bekommen hätten oder einer Al-Kaida-Zelle in Frankreich angehörten.

Allerdings habe ein von der AQAP herausgegebenes Propaganda-Magazin im Jemen kürzlich zu Anschlägen auf Menschen im Westen aufgerufen, die den muslimischen Glauben verunglimpften. Auch der Chef des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ sei ausdrücklich genannt worden.

Zuvor galt eher der jüngere Bruder Chérif als behördenbekannt. Er war 2008 wegen Unterstützung von Al-Kaida im Irak verurteilt worden. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb auf Bewährung ausgesetzt.

Großfahndung dauert an

Die Großfahndung nach den Männern, die bei einem Anschlag auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" zwölf Menschen getötet haben sollen, dauerte am Freitag an. Sie wurden am Donnerstag in Nordfrankreich vermutet, wo Spezialeinheiten mit Unterstützung von Hubschraubern auch in der Nacht zum Freitag systematisch ein abgegrenztes Gebiet durchkämmten. Das Aufgebot wurde in der Nacht aber abgeschwächt, wie die Polizei mitteilte.

Schweigeminute im UN-Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat legte zum Gedenken an die Opfer am Donnerstag eine Schweigeminute ein. Der UN-Botschafter von Chile, Cristián Barros Melet, sagte, der Sicherheitsrat sei angesichts des "unerträglichen Angriffs" in Paris in "tiefer Trauer". Dann erhoben sich die Vertreter der 15 Mitglieder des UN-Gremiums und es wurde still im Sitzungssaal.

Obama: Vive la France!

US-Präsident Barack Obama trug sich in der französischen Botschaft in Washington in ein Kondolenzbuch ein. Er zeigte sich solidarisch mit Frankreich und betonte die Verbundenheit beider Nationen.

„Im Namen aller Amerikaner drücke ich den Menschen in Frankreich nach dem Terroranschlag in Paris unser aufrichtiges Beileid und tiefe Verbundenheit aus. Als jahrhundertealte Verbündete stehen wir zusammen mit unseren französischen Brüdern, um sicherzustellen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird und unsere Art zu leben geschützt wird. Wir gehen gemeinsam voran in dem Wissen, dass Terror nicht mit Freiheit und Idealen, für die wir einstehen, zueinanderpasst. Ideale, die die Welt zum Strahlen bringen. Vive la France! -- Barack Obama“

Britischer Geheimdienst warnt vor Anschlägen im Westen

Unterdessen warnte der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 vor Terroranschlägen mit vielen Opfern in westlichen Ländern. Eine Kerngruppe militanter Islamisten in Syrien, die Al-Kaida nahestehe, plane derzeit umfangreiche "Angriffe gegen den Westen", sagte Andrew Parker. Gemeinsam mit seinen Partnern tue Großbritannien alles, um dies zu verhindern. "Wir wissen jedoch, dass wir nicht darauf hoffen können, alles zu stoppen." Parker warnte vor allem vor Kämpfern, die aus Syrien zurückkehren und eine "verdrehte Ideologie mitbringen".

afp/dpa

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