US-Wahl 2020

Wende in letzter Umfrage: Plötzlich führt Trump so deutlich wie schon 2016 in wichtigem „Swing-State“

Noch liegt Joe Biden in den meisten Umfragen zur US-Wahl vorne. Doch auch die Wende für Donald Trump ist noch möglich - Hinweise dazu gibt ein wichtiger Swing State.

  • Die US-Demokraten können laut Umfragen auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat hoffen.
  • Die Senatoren der Partei von Amtsinhaber Donald Trump* hingegen wackeln in vielen Bundesstaaten.
  • In einem Bundesstaat sind das Rennen und der Wahlkampf* besonders aufsehenerregend.

Update vom 3. November, 15.26 Uhr: Überraschung in Iowa* - einem der größten so genannten „Swing States“: Plötzlich liegt der amtierende US-Präsident Donald Trump vor seinem Herausforderer Joe Biden.

Noch im Oktober lagen die beiden Konkurrenten gleichauf, schreibt die wichtigste Lokalzeitung aus der Hauptstadt Des Moines, das Des Moines Register. Doch jetzt gibt es eine - von der Zeitung mit dem Meinungsforschungsinstitut The Selzer durchgeführte - Umfrage, die alle Erwartungen der Demokraten auf den Kopf stellen dürfte. Mit 48% aller Stimmen liegt Donald Trump sieben Prozentpunkte vor Joe Biden, der demnach nur auf 41 Prozent der Stimmen kommen würde.

Doch die Umfrage steht mit ihrem klaren Ergebnis für Trump ziemlich alleine da. Andere Umfragen sehen Trump nur mit 0,7 Prozentpunkten vorne. Wieder andere sehen die beiden Kandidaten gleichauf. Sollte die Umfrage von The Moines aber stimmen, dann könnte sie tatsächlich eine Wende bringen - und das Wahlergebnis könnte deutlich knapper ausfallen als bisher angenommen. Wie schon im Jahr 2016 könnte die Wende zu Gunsten von Donald Trump ausfallen.

Iowa ist zwar voraussichtlich nicht der „Swing State“, in dem die Wahl entschieden wird. Allerdings könnte das Ergebnis hier ähnlich ausfallen, wie in den anderen wichtigen Staaten im mittleren Westen - etwa Michigan oder Wisconsin. Außerdem sollte man die Umfrage nicht zwingend als Ausreißer abtun: Auch 2016 ergab die Umfrage der Zeitung einen Vorsprung für Trump, den andere nicht sahen. Auch damals führte Trump der Umfrage nach plötzlich deutlich mit sieben Prozent. Am Ende erzielte er sogar einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten.

Umfragen zur US-Wahl 2020: Biden liegt in genügend Swing States vorne, sodass es zum Sieg reichen dürfte

Update vom 3. November, 11.22 Uhr: Während Stimmabgaben und Auszählungen der US-Präsidentschaftswahl bereits laufen, sehen auch die aktuellsten Umfragen den Kandidaten Joe Biden in der Mehrzahl der 48 Bundesstaaten vor Amtsinhaber Donald Trump (siehe Ursprungsmeldung vom 2. November).

„Die letzten Umfragen vor der Wahl, publiziert am Montag, ergeben in genug Swing States* einen Vorsprung für Joe Biden, der ihm zum Sieg verhelfen könnte“, analysiert das Politikmagazin Politico. Die Autoren stützen sich dabei auf die Statistikwebseite FiveThirtyEight, auf der wiederum mehrere der zahlreichen, auch lokalen, Umfragen verglichen werden. Das Portal hat inzwischen seine finale Prognose abgegeben. „Biden ist begünstigt, die Wahl zu gewinnen“, heißt es dort:

Der US-Wirtschaftssender CNBC resümierte am Montag seine eigene Erhebung unter der Schlagzeile: „Biden liegt in sechs Swing States vor Trump“. In Arizona, Florida, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin zählt er demnach zwischen drei und acht Prozentpunkten mehr - im Mittel: 50 Prozent der Befragten waren für Biden, 46 Prozent für Trump.

Die laufend aktualisierten Zwischenergebnisse der US-Wahl 2020 erfahren Sie hier. Außerdem infomieren wir Sie auf merkur.de* über erste Hochrechnungen und Prognosen sowie den Stand der Auszählung. Wenn der schlussendliche Sieger der Präsidentschaftswahl feststeht, erfahren Sie davon hier.

Umfragen sehen bei der US-Wahl 2020 Joe Biden vor Donald Trump.

Letzte Umfragen: Kampf in einem Bundesstaat besonders spektakulär - für Trump wird es jetzt ganz eng

Ursprungsmeldung vom 2. November: Washington - Was sagen die Umfragen, lautet dieser Tage die bange Frage vieler Menschen vor der US-Präsidentschaftswahl 2020*. Erhebungen gibt es viele, daher hier eine Auswahl von drei größeren: Den Umfragen der New York Times zufolge ist Herausforderer Joe Biden aktuell vielerorts beliebter als Amtsinhaber Donald Trump: Einen Tag vor der Abstimmung sogar in vier „besonders wichtigen“ Swing States*.

Auch der britische Guardian verfolgt die Entwicklung in acht ausgewählten Swing States und vermeldete am 1. November: Biden liegt in sechs von ihnen in den Umfragen vor Trump. In eine ähnliche Richtung weist die Erhebung des US-Senders CBS, die sich auf sechs ausgewählte Swing States konzentriert. Demnach lag Biden am 2. November in vier von ihnen vorn (Arizona, Florida, Georgia und Northcarolina) und in Iowa und Ohio gleichauf mit Trump.

Zu den Swing States, die weder eindeutig republikanisch noch demokratisch geprägt sind, zählt auch Pennsylvania, das ganze 20 Wahlmänner* stellt - mit am meisten in den ganzen USA. Im US-Wahlsystem sind für einen Kandidaten die Anzahl der auf sich vereinten Wahlmänner wichtiger als die Wählerstimmen. Die US-Statistik-und-Datenjournalismus-Webseite FiveThirtyEight bezeichnet Pennsylvania aktuell als den „wohl wichtigsten Swing State“. Pennsylvania könnte bei der Präsidentschaftswahl den Ausschlag geben.

US-Präsident Donald Trump* hatte zuletzt Befürchtungen befeuert, er könnte sich zum Sieger ausrufen, bevor die Wahl tatsächlich entschieden ist. Der Sinn eines solchen Manövers wäre wohl, die Legitimität der Wahl zu untergraben, damit ein womöglich später verkündeter Wahlsieg Bidens leichter angreifbar wäre.

Umfragen legen übrigens auch nahe, dass die in den Wahllokalen abgegebenen Stimmen wohl eher zugunsten Trumps ausfallen dürften, die Briefwahlstimmen eher für Biden. Nach dieser Logik wäre klar: je länger gezählt wird, desto gefährlicher könnte es für Trump werden.

US-Wahl-Prognose: Demokraten dürften US-Bundesstaat Alabama an Republikaner verlieren

Am 3. November wird neben dem Präsidenten auch über das Repräsentantenhaus* sowie etwa ein Drittel der Senats-Sitze abgestimmt - und den Erhebungen zufolge haben die Demokraten* gute Chancen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu behalten und nach sechs Jahren die Kontrolle über den Senat zurückzugewinnen.

Die Republikaner* zeigen sich dennoch zuversichtlich, das Repräsentantenhaus zurückzuholen, während sie ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Senat* sehen. Aktuell halten sie hier eine Mehrheit von 53 der 100 Sitze.

Von den 35 Sitzen im Senat, über die am 3. November abgestimmt wird (siehe oben), werden aktuell zwölf von Demokraten und 23 von Republikanern gehalten. Für die Demokraten ist absehbar, dass sie einen Sitz in Alabama* verlieren: Der Demokrat Doug Jones liegt hier in Umfragen hinter dem ehemaligen Football-Trainer Tommy Tuberville zurück, der für die Republikaner antritt.

US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf-Endspurt im Bundesstaat North Carolina.

Umfragen zur US-Wahl: Arizona, Colorado und Maine für Republikaner auf der Kippe

Zugleich liegen aber republikanische Senatoren an vielen Orten in den Umfragen hinter den Kandidaten der Demokraten zurück. So liegt in Arizona* Martha McSally hinter dem Astronauten Mark Kelly, in Colorado* Cory Gardner hinter dem demokratischen Herausforderer John Hickenlooper, und in Maine* Susan Collins hinter Herausforderin Sara Gideon.

Aber auch für andere republikanische Senatoren, deren Sitze zuvor eher sicher schienen, wurde es zuletzt deutlich enger. So könnten in Georgia* sowohl Kelly Loeffler als auch David Perdue ausscheiden. In Iowa* liegt die Senatorin Joni Ernst in Umfragen hinten, in North Carolina* ist es Thom Tillis gegen den demokratischen Herausforderer Cal Cunningham.

US-Wahl-Prognose: Wahlkampf in South Carolina besonders aufsehenerregend

Eines der spannendsten Senatsrennen ist in South Carolina*: Hier greift der Schwarze Demokrat Jaime Harrison mit einem beispiellosen Zufluss an Spendengeldern den alteingesessenen Lindsey Graham an. „Der Job ist nicht getan, bis wir eines nicht geschafft haben: #SchicktLindseynachHause“, twitterte Harrison am Sonntag.

Umfragen zur US-Wahl: Bleiben der Demokraten im Repräsentantenhaus über wichtiger Marke?

Im Repräsentantenhaus halten die Demokraten aktuell 232 der 435 Sitze. Erhebungen zufolge könnten sie über der entscheidenden Marke von 218 Stimmen bleiben. Außerdem werden am 3. November auch Gouverneure in elf Bundesstaaten gewählt, sowie mehrere örtliche Parlamente. Einzelne Bundesstaaten nutzen die Präsidentschaftswahlen auch gleich für Volksabstimmungen. (frs mit Material von dpa und AFP) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski / AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare