Ukraine: Timoschenko-Anhänger blockieren Parlament

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Die Anhänger von Julia Timoschenko blockieren das Parlament in der Ukraine.

Kiew/Berlin - Sie protestieren gegen die Misshandlung der Oppositionsführerin Julia Timoschenko: Am Freitagmorgen haben ihre Anhänger das Parlament in der Ukraine blockiert. Timoschenko ist seit acht Tagen im Hungerstreik.

Kiew (dpa) - Aus Protest gegen die mutmaßliche Misshandlung der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko haben Abgeordnete ihrer Partei am Freitag das Parlament blockiert. „Julia Timoschenko ist den achten Tag im Hungerstreik“ - war nach Medienberichten in Kiew auf einem Plakat im Sitzungssaal zu lesen. Die Politiker forderten eine Untersuchung der Vorwürfe, wonach die erkrankte Ex-Regierungschefin am vergangenen Freitag unter Anwendung von Gewalt in ein Krankenhaus verlegt und dabei misshandelt worden sei.

Die regierende Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch wies die Anschuldigungen als politische Stimmungsmache zurück. „Der Mythos von einer Verprügelung Timoschenkos wurde mit dem Ziel geschaffen, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von den unstrittigen Fakten ihrer kriminellen Tätigkeit abzulenken“, hieß es in einer Mitteilung der Partei.

Unterdessen rechnet der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), mit weiteren Boykottaktionen  zur EM in der Ukraine. „Das wird jeder dann selber überlegen, ob er als Politiker, Spitzenpolitiker, Staatschef eine Einladung annimmt, sich auf die Haupttribüne setzt und so tut, als wäre nichts“, sagte Polenz am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. „Ich glaube schon, dass unter diesen Umständen viele sagen werden, dass sie zu Hause bleiben“, sagte er. Eventuell würde es genügen, wenn die Politiker lediglich die in Polen angesetzten Spiele besuchten. Die Fußball-EM wird von Polen und der Ukraine gemeinsam veranstaltet.

Polenz forderte die Ukraine erneut auf, der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ärztliche Behandlung zukommen zu lassen. „Wir brauchen jetzt dringend ein Signal von der Ukraine.“ Ein Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Timoschenko, den die Grünen gefordert hatten, müsse seiner Meinung nach aber nicht sein.

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, lehnte einen Boykott der EM ab. „Es ist weder sinnvoll noch wäre es erfolgreich, jetzt eine Boykott-Diskussion zu starten“, sagte Vesper am Freitag im „Deutschlandradio Kultur“. „Es ist besser hinzuschauen, die Dinge zu thematisieren und ihnen dadurch eine größere Aufmerksamkeit zu beschaffen, als sie sonst bekämen.“ Dass die Welt sich jetzt mit der Ukraine beschäftige, sei ein Verdienst der EM und das sei zu begrüßen. Man dürfe den Sport aber nicht als „beliebiges Werkzeug“ der Politik betrachten.

dpa

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