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Ukraine-Krieg: Russische Sängerin und Superstar übt scharfe Kreml-Kritik

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Von: Helena Gries

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Alla Pugatschowa
Die russische Popsängerin Alla Pugatschowa sagt jetzt öffentlich, was sie denkt. © Tass Grigory Sysoyev/ITAR-TASS/dpa

Die bekannte russische Popsängerin Alla Pugatschowa hat Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf kritisiert - eine „kräftige Ohrfeige“ für den Kreml.

Moskau – Erst kürzlich haben sich mehrere russische Blogger auf Telegram zu Wort gemeldet und Kritik an der Kriegsführung in der Ukraine geübt. Unklar ist jedoch, ob dies Teil der russischen Strategie ist.

Nun äußert auch eine bekannte Sängerin Kritik. Alla Pugatschowa gilt als Superstar in Russland. Seit den 70er Jahren hat sie die Rock- und Popmusik in ihrer Heimat geprägt. Jetzt hat die Sängerin, deren Erfolg den Untergang der Sowjetunion überdauert hat, scharfe Kritik am Ukraine-Konflikt geübt.

Da das Justizministerium ihren Ehemann Maxim Galkin als „Auslandsagent“ auf eine Schwarze Liste gesetzt habe, bitte sie darum, ebenfalls zu den Auslandsagenten gezählt zu werden, schrieb die 73-Jährige am Sonntag (18. September) auf ihrem Instagram-Account. „Denn ich bin solidarisch mit meinem Mann, einem ehrlichen, anständigen und aufrichtigen Menschen, einem wirklichen und unkäuflichen Patrioten Russlands, der seiner Heimat Wohlstand wünscht, ein friedliches Leben, Redefreiheit und ein Ende des Sterbens unserer Jungs für illusorische Ziele, die unser Land zum Paria machen und das Leben unserer Bürger erschweren.“

Ukraine-Krieg: Harte Kriegskritik von russischer Pop-Sängerin

Pugatschowa war mit ihrer ständigen TV-Präsenz eine der schillerndsten Showgrößen Russlands. Ihre Ehe mit dem 27 Jahre jüngeren Moderator und Komiker Maxim Galkin war ein Dauerthema für die Boulevardmedien. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs reiste das Paar aus Russland nach Israel aus. Im Gegensatz zu Galkin, der in Israel Kritik an der russischen Führung übte, hat sich Pugatschowa allerdings mit politischen Äußerungen bislang zurückgehalten, heißt es in Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Umso größer ist das Echo, das nun auf ihre harte Kriegskritik folgen könnte. Der Politologe Abbas Galljamow, einst Redenschreiber von Präsident Wladimir Putin, sprach von einer „kräftigen Ohrfeige“ für den Kreml in Moskau. „Wenn es im Land noch bedeutende Menschen gibt, über die Konsens herrscht, dann ist das natürlich Pugatschowa“, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. Sie habe Politik stets außen vor gelassen. „Ihre plötzliche Politisierung kann in der Gesellschaft das für die Obrigkeit so gefährliche Gefühl: Jetzt reichts! erzeugen“, meinte er. (hg/dpa)

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