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Putins Spione massiv dezimiert – MI6-Chef erklärt düstere Prognose für Russland

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Von: Fabian Müller

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MI6-Chef Richard Moore
MI6-Chef Richard Moore. © Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Im Krieg in der Ukraine könnten den russischen Streitkräften schwere Wochen bevorstehen. Russland werde pausieren müssen, die Ukraine werde zurückschlagen, so MI6-Chef Moore.

Aspen - Laut dem Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 verliert Russland derzeit zusehends an Durchschlagskraft im Ukraine-Krieg. Außerdem könnten russische Spione nicht mehr im üblichen Maße in Europa an Informationen kommen, nachdem mehr als 400 russische Geheimdienstmitarbeiter aus Europa ausgewiesen und mehrere verdeckte Spione, die sich als Zivilisten ausgaben, festgenommen worden seien.

Auf dem Aspen Security Forum führte MI6-Leiter Richard Moore aus, er gehe davon aus, „dass das die russischen Möglichkeiten, in Europa zu spionieren, um die Hälfte reduziert hat.“ Russland könnte auch deshalb in der Ukraine „bald die Puste ausgehen“.

Krieg in der Ukraine: MI6-Chef sieht Russland vor „zunehmenden Schwierigkeiten“

Laut Moore werden „die Russen in den kommenden Wochen zunehmend Schwierigkeiten“ haben, an Soldaten und anderweitiges Personal zu kommen. „Sie werden in irgendeiner Weise pausieren müssen, und das wird den Ukrainern die Möglichkeit geben, zurückzuschlagen.“

Die Moral der Ukrainer sei immer noch hoch, sagte Moore. Ein Grund dafür sei auch, dass das Land „immer mehr gute Waffen“ aus dem Ausland erhalte. Russland hingegen habe sein ursprüngliches Ziel, die Hauptstadt Kiew einzunehmen und die dortige Regierung zu stürzen, deutlich verfehlt. Für die Offensive in der Ostukraine werde nun vor allem „Kanonenfutter“ verwendet. Moore meinte damit wohl die teils schlecht ausgebildeten russischen Soldaten.

Der MI6-Chef wiederholte auch, was CIA-Direktor Bill Burns Mitte der Woche über den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin gesagt hatte: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Putin ernsthaft erkrankt ist“, sagte er. Burns bekräftigte auf dem Forum, die USA seien der Ansicht, dass Putin „völlig gesund“ sei, trotz der Gerüchte und Spekulationen, dass er krank sein könnte.

Krieg in der Ukraine: Welche Lehren zieht China aus dem Konflikt?

Auch über das Thema China und dessen Konflikt mit Taiwan sprach Moore auf dem Forum. Laut dem MI6-Leiter ist es jetzt noch zu früh, zu beurteilen, ob China einen Einmarsch plane. Jedoch gehe er davon aus, dass der chinesische Präsident Xi Jinping den Ukraine-Konflikt und die Reaktionen der USA und des Westens darauf „wie ein Falke“ beobachte.

Moore geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der chinesische Präsident „die Entschlossenheit und Macht der USA unterschätzt“. Das könne Xi dazu verleiten, „sich zu verkalkulieren - besonders in Bezug auf Taiwan“. Ein Krieg zwischen China und Taiwan ist in seinen Augen aber nicht unvermeidlich. Dem Konflikt und vor allem China widme sich der MI6 mit „mehr Aufmerksamkeit als jedem anderen Thema“, so Moore.

Video: MI6-Chef Moore: Russland ist in der Ukraine „grandios gescheitert“

Es sei außerdem mittlerweile klar, dass die Chinesen „den Russen in der Ukraine helfen, indem sie ihr Öl kaufen“. Und obwohl die Chinesen in Bezug auf die militärische Unterstützung Russlands „recht zurückhaltend“ seien, „bin ich mir sicher, dass sie diese Hilfe leisten würden, wenn sie damit durchkommen könnten“, sagte Moore. „Was die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern betrifft, so ist Moskau eher der Juniorpartner und die Chinesen haben das Sagen“, fügte er hinzu. (fmü)

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