Spekulationen über Aus von Stuttgart 21

Stuttgart - Knapp eine Woche nach dem grün-roten Wahlerfolg in Baden-Württemberg wird über steigende Kosten und mögliche Ausstiegsszenarien beim Milliardenprojekt “Stuttgart 21“ spekuliert.

Der Chefplaner des Bauvorhabens, Hany Azer, soll in einem Brief an die Bahn vor geplanten, aber nicht realisierbaren Einsparungen gewarnt haben. Der Konzern wies Spekulationen über Kostensteigerungen als haltlos zurück. Bei der Bilanzpressekonferenz der Bahn am Donnerstag in Berlin hatte Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer die Existenz des Schreibens bestätigt.

In dem Brief soll Azer kurz vor der Landtagswahl die Bahn darauf hingewiesen haben, dass geplante Einsparungen in Höhe von 900 Millionen Euro wohl nicht in vollem Umfang realisierbar seien. Die Bahn wies dies als eine Spekulation zurück. Es seien “aus dem Zusammenhang gerissene Zahlen zusammengerechnet und falsch interpretiert“ worden, teilte der Konzern mit. Die Ende 2010 bei der Schlichtung errechneten Projektkosten hätten nach wie vor Bestand. Auch die geplanten Einsparpotenziale seien zum Teil bereits realisiert worden.

Stuttgart 21: Argumente Pro und Contra

Stuttgart 21: Argumente Pro und Contra

Die bisherige Planung von “Stuttgart 21“ sieht Kosten von 4,1 Milliarden Euro vor. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte angekündigt, die “Sollbruchstelle“ für die Bahn und alle Partner sei eine Kostensteigerung auf 4,5 Milliarden Euro. Zwtl: Roth: Bahn soll freiwillig auf Projekt verzichten Die Existenz von Azers Brief dementierte die Bahn nicht. Vielmehr hieß es vonseiten des Konzerns: “Es ist Beleg einer erfolgreichen Projektpolitik, alle erdenklichen Risiken in Betracht zu ziehen und zu bewerten, um anschließend gegenzusteuern.“ Angeblich sollen Kefer und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) bereits über Ausstiegsszenarien für das Milliardenprojekt gesprochen haben.

Laut “Stuttgarter Zeitung“ (Freitagausgabe) wurde die Frage diskutiert, ob die Stadt auf Zinsen in Höhe von 285 Millionen Euro verzichten würde. Diese stünden ihr laut Finanzierungsvertrag bei einem Abbruch des Projektes zu. Ein Sprecher der Stadt wollte sich zum dem Gespräch nicht äußern. Bei der Stadt gehe man davon aus, dass die Projektpartner ihre Verträge erfüllten. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte die Bahn auf, freiwillig auf das umstrittene Bauprojekt zu verzichten.

“Am besten wäre es, wenn die Bahn von sich aus auf 'Stuttgart 21' verzichten würde, weil sie einsieht, dass sich das Projekt nicht lohnt“, sagte Roth dem “Hamburger Abendblatt“ (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Unterdessen berichteten die “Stuttgarter Nachrichten“ (Freitagausgabe), dass sich der Sprecher des Bauprojekts, Udo Andriof, Ende April von seinem Posten zurückziehen werde. “Ich habe meinen Teil der Unterstützung für diese Projekte geleistet“, sagte Andriof dem Blatt.

dapd

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