Erneuter Vorfall in Amerika

Schüsse in den Rücken: Mordanklage gegen US-Polizisten

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Demonstranten nach den Todesschüssen von Ferguson im vergangenen November. Nun hat es erneut tödliche Schüsse auf einen Schwarzen gegeben. Foto: Michael Nelson

Charleston - Ein weißer Polizist aus South Carolina soll einen schwarzen Mann bei einer Polizeikontrolle erschossen haben, angeblich in Todesangst. Ein Passantenvideo zeichnet ein anderes Bild des Vorfalls.

Ein neuer Fall von tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze hat in den USA Empörung ausgelöst. In einem Handyvideo ist zu sehen, wie ein weißer Polizist in North Charleston in South Carolina einen flüchtenden Mann von hinten erschießt. Gegen den 33-Jährigen wird nun seit Dienstag (Ortszeit) offiziell wegen Mordverdachts ermittelt.

Nach den Todesschüssen auf den anscheinend unbewaffneten vierfachen Familienvater am Samstag hatte sich der Polizist auf Notwehr berufen. Er habe um sein Leben gefürchtet, weil der Mann ihm nach einer Verkehrskontrolle seine Elektroschock-Waffe entrissen habe. In dem Video scheint es aber so, als habe er seinen Elektroschocker erst nach den Schüssen neben den 50-Jährigen gelegt.

Laut „New York Times“ schoss der Polizist achtmal. Der Flüchtende wurde fünfmal getroffen, davon viermal im Rücken, wie die Lokalzeitung „Post and Courier“ unter Berufung auf den Anwalt der Familie berichtete.

Die Bundespolizei FBI hat Ermittlungen eingeleitet und arbeitet mit den örtlichen Behörden zusammen. Bürger der rund 100 000 Einwohner zählenden Stadt riefen für Mittwoch zu einem Protestmarsch vor dem Rathaus auf. Die Hälfte der Bevölkerung ist laut „New York Times“ schwarz.

Zuletzt hatten in den USA mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze Entsetzen und Proteste ausgelöst. In Ferguson (Missouri) war es zu tagelangen Unruhen gekommen, nachdem im vergangenen August ein Beamter den unbewaffneten schwarzen Teenager Michel Brown erschossen hatte. Nach ähnlichen Vorfällen in New York kam es auch dort zu Protesten gegen Polizeigewalt.

Der Bürgermeister von North Charleston sagte, der Polizist habe eine falsche Entscheidung getroffen. „Wenn man falsch liegt, liegt man falsch“, sagte Keith Summey auf einer Pressekonferenz. Die Gouverneurin des Bundesstaats, Nikki Haley, erklärte, die Schüsse seien nicht hinnehmbar.

Ein Experte in Sachen Polizeigewalt nannte die Szene auf dem Video ungeheuerlich. „Der Mensch flüchtet. Er hat keine Waffe. Und er hat sich nicht umgedreht“, sagte Samuel Walker, emeritierter Professor der Universität Nebraska der Zeitung „Post and Courier“. Für die Schüsse des Polizisten auf den Flüchtenden geben es keine Rechtfertigung.

Laut „Post and Courier“ war der 50-jährige Schwarze rund zehnmal inhaftiert, zumeist wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen für seine Kinder. Sein Bruder sagte dem Blatt, er sei vermutlich geflüchtet, weil er nicht wieder wegen versäumter Zahlungen festgenommen werden wollte.

dpa

Video

Bericht New York Times

The Post and Courier

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