So wollen Parteien Wähler gewinnen

Die schrägen Wahlgeschenke der Parteien

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Viele Parteien versuchen mit lustigen und zum Teil skurrilen Wahlgeschenken Wähler zu locken.

Berlin - Ob SPD-Fliegenklatsche oder CDU-Flip-Flops - die Wahlgeschenke in diesem Jahr sind kreativ, lustig und manchmal auch ziemlich schräg. Doch können sie die Wähler wirklich beeinflussen?

Ein glühender Sozialdemokrat muss im Alltag nie auf seine Partei verzichten. Sein Frühstückstoast trägt den SPD-Schriftzug, unterwegs verscheucht er Fußgänger mit der SPD-Fahrradklingel, den Pausen-Kaffee hält er in der SPD-Thermoskanne warm. Das Feierabendbier genießt er am SPD-Stehtisch im Fliegenpilz-Design, bis er sich mit der SPD-Badeente in die Wanne zurückzieht. Und jetzt neu: Ein Flaschenöffner mit einer kleinen Modell-Fahrradkette und Peer Steinbrücks Spruch „Hätte, hätte, Fahrradkette“.

Auch die CDU setzt auf, nun ja: CDU. Unter „Sympathieartikel“ finden sich im Online-Shop ein Teddybär, ein schwarz-rot-goldener Papier-Klapphut und Flip Flops, die Schritt für Schritt den CDU-Schriftzug in den Sandstrand prägen. Nicht unbedingt etwas für die eher schnell fröstelnde Klientel der Senioren-Union: Die bietet daher einfach Fleecejacken und juvenile Baseball-Kappen in schwarz - die Frauen-Union setzt dagegen auf lila.

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Schön das alles, bleibt nur die Frage: Wozu? Wird einer zum SPD-Wähler, weil er eine Fliegenklatsche der Partei besitzt? Wählt ein Unentschlossener die Christdemokraten, weil ein Wahlkämpfer ihm ein CDU-Grillgewürzsalz in die Hand drückt? „Das wird definitiv nicht passieren“, sagt Marketingexperte Sascha Raithel von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu sei die persönliche Wahlentscheidung viel zu wichtig.

Mit Kondomen und Ausstechförmchen Sympathiepunkte sammeln

Positive Gefühle könnten kleine Aufmerksamkeiten allerdings schon auslösen. Besonders, wenn sie lustig sind - wie einst, als die Grünen Kondome mit der Aufschrift „Guido verhüten“ verteilten. Darüber konnte ein FDP-Anhänger zwar eher nicht lachen, andere aber schon. „Man bestärkt bestehende Präferenzen für Parteien mit solchen Geschenken“, erklärt Raithel. Die Grünen etwa locken mit einem Ausstechförmchen in Sonnenblumenform und mit einem Stempel mit dem Aufdruck „Innen“ - um etwa aus Professoren auch Professorinnen zu machen. Sie bewerben das als „geschlechtergerechte Sprache zum Selbermachen“.

Doch das Wahlvolk verlangt offenbar auch nach Inhalten. „Die stärkste Nachfrage gibt es bislang nach der Broschüre über Angela Merkel“, teilt die CDU-Bundesgeschäftsstelle mit. Mehr als eine Million seien schon verteilt. Natürlich könnte das auch am Preis liegen: 20 Euro kosten hundert Broschüren. Das CDU-Grillgewürzsalz schlägt im 100er-Pack immerhin schon mit 40,29 Euro zu Buche, fast genau so viel kosten die Saat-Tütchen für Rotes Basilikum der SPD.

Stolze 449 Euro werden für das CSU-Fahrrad mit weiß-blauen Karos fällig. Natürlich wird es nicht in Fußgängerzonen verteilt. „Das ist was für Parteimitglieder und Amtsinhaber, die sich hundertprozentig mit der Partei identifizieren“, sagt Marketingexperte Raithel. Auch ein Toaster, der Parteischriftzüge ins Brot brennt, sei eher eine kleine Belohnung für wirklich überzeugte Anhänger. „Viele würden zum Beispiel einen Kugelschreiber der Partei, die sie wählen, nicht nutzen - weil sie nicht wollen, dass andere sie damit sehen.“ Vermutlich kleidet auch nicht jeder, der sein Kreuz für die Linke setzt, seinen Nachwuchs in einen Strampler mit dem Slogan „Mit LINKS gemacht“.

dpa

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