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Säbelrasseln in der Ostsee: Russland schickt geheimes Atom-U-Boot durch dänische Meerenge

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Von: Fabian Müller

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Ein russisches U-Boot im Mai 2021.
Ein russisches U-Boot im Mai 2021 (Symbolbild). © Oleg Kuleshov/TASS/Imago

Russland verlegt das Atom-U-Boot „Severodvinsk“ und passiert dabei dänisches Hoheitsgewässer. Eine normale Fahrt oder doch Provokation?

Kiel - Das Säbelrasseln zwischen den USA und Russland geht weiter. Während in der finnischen Hauptstadt Helsinki der US-Zerstörer „Arleigh Burke“ zum Freundschaftsbesuch weilt, schickt Russland ein Atom-U-Boot durch die dänische Meerenge in die Ostsee. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bereits am Dienstagabend soll das 130 Meter lange und rund 10.000 Tonnen verdrängende U-Boot „Severodvinsk“ durch den Fehmarnbelt geglitten sein, eskortiert wurde es dabei durch das russische Landungsschiff „Ivan Gren“.

Die „Severodvinsk“ ist eines von 24 Atom-Booten der russischen Nordflotte, die nahe Murmansk am Kola-Fjord beheimatet ist. Das U-Boot gehört zur „Yasen“-Klasse, der geheimsten und modernsten Klasse russischer U-Boote. Gebaut wurde das Boot in Severodvinsk am Weißen Meer, daher auch der Name.

Russisches Atom-U-Boot in dänischen Gewässern: Geheimste Waffe von Putin

Das Atom-U-Boot verfügt über 32 Startschächte für Marschflugkörper. Ende 2021 machte es Schlagzeilen, da die „Severodvinsk“ die ersten Marschflugkörper des Typs „Zirkon“ abfeuerte - der Hyperschall-Flugkörper gilt als Russlands geheimste Waffe. Fotografiert wurde „Zirkon“ und die „Severodvinsk“ bisher kaum. In wenigen Tagen soll Russlands Präsident Wladimir Putin allerdings mit dem U-Boot in St. Petersburg gezeigt werden.

Deshalb sei die Verlegung eines solchen U-Bootes rein zu Paradezwecken ein klares Signal auch an die Nato, meint Johannes Peters, Abteilungsleiter Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel zum Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es handelt sich um die Einheit der russischen Marine, die der Nato gerade die größten Kopfschmerzen bereitet. Die Bewaffnung besteht aus weitreichenden Flugkörpern, die mit einem Schlag fast alle Nachschubhäfen der Nato in Nordeuropa angreifen kann“, so Peters weiter.

Russland verlegt Atom-U-Boot: Fahrt wird durch Nato beschattet

Die Fahrt der „Severodvinsk“ wurde derweil durch die Nato beschattet. Einheiten aus Norwegen, Dänemark und Portugal hatten das U-Boot verfolgt. Russland selbst ließ die mit nur zehn Knoten fahrende „Severodvinsk“ durch das Landungsschiff „Ivan Gren“ eskortieren, das mit seinen großen Motoren möglichst viel Lärm verursachen soll. So sollen die Unterwasser-Horchanlagen der Nato gestört werden.

Die Deutsche Marine und die Bundespolizei machten keine Angaben zu dem Fall. Das dänische Militär hingegen hatte die Verlegung der „Severodvinsk“ via Twitter kommentiert: „Die Reise ist angemeldet und wird von der dänischen Marine verfolgt“, lautete das Statement. Russische Einheiten müssen eine Durchfahrt durch dänische Gewässer ankündigen und Vorgaben einhalten.

Kurze Zeit später gibt es weitere Infos über die russischen Atom-U-Boote in der Ostsee, die nördlich von Deutschland gesichtet wurden. Zudem dokumentiert ein Spezialschiff die Begegnung mit der „Vepr“.

Video: Übung im Weißen Meer: Russland testet erfolgreich Hyperschallrakete „Zirkon“

Im Juni verletzten russische Einheiten bei Bornholm die dänischen Hoheitsgewässer ohne Ankündigung, was zu Protesten des Landes führten. Seitdem sind die dänischen Seestreitkräfte bei jeder Annäherung russischer Marine-Einheiten sofort aktiv. Inmitten des Ukraine-Krieges verfolgen europäische Länder alle Handlungen des Kreml mit großer Aufmerksamkeit. (fmü)

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