Rentenproteste in Frankreich: Tankstellen ohne Benzin

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Eine Motorradfahrerin hält am Fretiag im französischen Nizza an einer geschlossenen Tankstelle.

Paris - Aufgebrachte Jugendliche auf der Straße, geschlossene Tankstellen, drohender Treibstoffmangel am Pariser Flughafen: Das ist die Tagesbilanz der Proteste gegen die Renetnreform in Frankreich.

Am vierten Streiktag in Folge gegen die geplante Rentenreform in Frankreich haben die Gewerkschaften am Freitag den Druck auf die Regierung noch einmal kräftig erhöht. Nachdem ein Schüler durch ein Gummigeschoss der Polizei am Auge verletzt worden war, rief Innenminister Brice Hortefeux die Sicherheitskräfte zur Mäßigung auf. Etwa 150 Jugendliche wurden vorübergehend festgenommen.

Dramatisch sieht es am Pariser Flughafen Charles de Gaulle aus. Demonstranten blockierten die Treibstoffversorgung. Die Vorräte sollen nur noch wenige Tage reichen. Mehrere Hundert Tankstellen mussten mangels Nachschub schließen. Vor anderen bildeten sich Schlangen, weil Autofahrer zur Sicherheit noch einmal volltanken wollten. An mehreren Orten griff die Polizei ein, um Blockaden von Benzindepots aufzulösen. Mittlerweile sind alle zwölf Raffinerien des Landes von den Streiks betroffen. Auch im Zugverkehr kam es erneut zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen.

Knickt die Regierung wie 1994 und 2006 wieder ein?

Französische Medien vergleichen die Situation häufig mit früheren Protestbewegungen. Sowohl 1994 als auch 2006 haben massive Jugendproteste in Frankreich die Regierung letztlich zum Einknicken gebracht. Allerdings ging es in beiden Fällen um Gesetze, die die Jobaussichten von Jugendlichen direkt betrafen. Die Proteste gegen die Rentenreform - die letztlich die Schuldenlast der jungen Generation verringern soll - scheinen nicht zuletzt von einem allgemeinen Unmut über den Regierungsstil von Präsident Nicolas Sarkozy getragen.

Die Zeit drängt, denn der Senat soll bereits am Mittwoch über die Rentenreform abstimmen. Nach dem Willen der Regierung soll die Reform bis Ende des Monats komplett verschiedet sein. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse gilt dies als Formsache. Kernpunkt ist die Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre. Für Samstag ist ein weiterer Aktionstag mit Demonstrationen geplant, am Dienstag soll es zusätzlich erneut große Streiks geben.

dpa

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