Regierung setzt auf neue Anti-Sucht-Strategie

Berlin - Tabak und Alkohol bringen jedes Jahr hunderttausenden Menschen in Deutschland den Tod. Stärker in den Fokus geraten zudem Online- und Spielsucht. Nun hat die Regierung eine neue Strategie verabschiedet.

Alkohol, Zigaretten und andere Drogen halten weiter Millionen Menschen in Deutschland im Griff - die Bundesregierung will nun Aufklärung und Beratung im Kampf gegen Sucht verstärken. Dafür gab das Bundeskabinett am Mittwoch nach langer Vorbereitung einer Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik grünes Licht, die einen Aktionsplan von 2003 ersetzt.

“Es ist unser Ziel, dass Suchterkrankungen möglichst gar nicht erst entstehen“, sagte die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) in Berlin. “Daher ist es wichtig, besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene frühzeitig mit präventiven Maßnahmen zu erreichen, vor allem in der Schule und in der Ausbildungsstätte.“

Dyckmans sagte, auch Mischkonsum, Onlinesucht und neue Substanzen sollten angegangen werden. Auch Erwachsene sollten mit Vorbeugung erreicht werden, etwa in Betrieben und im Krankenhaus. Prävention soll sich genauer auf Risikogruppen ausrichten.

Die Drogenexpertin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, sagte: “Statt einen undifferenzierten Verbote- und Bevormundungsrundumschlag zu zelebrieren, setzt die Drogenbeauftragte ihre Schwerpunkte auf umfangreiche Prävention und Aufklärung.“

Konkret soll Eltern geholfen werden, mit dem Alkoholkonsum Jugendlicher umzugehen. Erst Ende Oktober war die Förderung eines Modellprojekts zur Beratung solcher Eltern durch das Bundesgesundheitsministerium ausgelaufen.

Aufklärungsprojekte der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (“Alkohol - Kenn dein Limit“) sollen ausgebaut werden. Projekte zur Alkoholprävention in Betrieben sollen verstärkt werden. In Gesundheitsberufen soll es mehr Aus- und Fortbildungsangebote zum Nichtrauchen geben. Die ärztliche Behandlung zur Tabakentwöhnung schwerkranker Raucher soll verbessert werden.

Das Problem des Medikamentenmissbrauchs soll aufgearbeitet werden. Gegen Glücksspielsucht setzt die Regierung auf mehr Spieler- und Jugendschutz sowie Vorbeugung. Zu suchthaftem Dauersurfen im Internet sollen Daten erhoben und die Medienkompetenz bei Jugendlichen gestärkt werden. Gegen illegale Drogen sollen Partygänger gezielt angesprochen werden.

Dem bisher letzten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vom Mai 2011 zufolge rauchen insgesamt 16 Millionen Menschen. 110 000 Menschen sterben pro Jahr daran. Insgesamt gefährden sich 9,5 Millionen Menschen durch übermäßiges Trinken. Mindestens 73 000 sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Jugendliche greifen zwar seltener zur Flasche, zur Zigarette oder zum Joint. Zuletzt nahm das Rauschtrinken bei jungen Erwachsenen aber wieder zu.

Der bisherige Aktionsplan Drogen und Sucht des Bundes aus dem Jahr 2003 sah unter anderem vor, das Rauchen einzudämmen und den Alkoholkonsum pro Kopf zu senken. Laut “Jahrbuch Sucht“ lag dieser 2003 im Bundesschnitt bei 10,2 Litern. Nach den jüngsten Zahlen 2009 ging er seither leicht auf 9,7 Liter zurück. 2003 rauchten 33 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen. Zuletzt waren es 31 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen.

Experten fordern seit langem verstärkte Kontrollen und Sanktionen, wenn Händler Jugendlichen Schnaps verkaufen. Auch ein verstärkter Einsatz von jugendlichen Testkäufern kommt immer wieder ins Gespräch. Verkaufsverbote in der Nacht wie derzeit nur in Baden-Württemberg sind ebenfalls in der Diskussion. Auch über Einschränkungen bei Werbung und höhere Steuern wird seit Jahren immer wieder debattiert. Die betroffenen Branchen sind in diesen Punkten allerdings skeptisch bis ablehnend. Den neuen Aktionsplan hatte Dyckmans bereits im Oktober 2010 angekündigt.

dpa

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