Russland: Harte Strafen gegen Demos

Moskau -  Einen Monat nach der Rückkehr von Wladimir Putin als Kremlchef werden die schlimmsten Alpträume seiner Gegner wohl ganz schnell wahr.

Immer wieder hatte Moskaus Opposition vor einem härteren Kurs gewarnt, sollte der 59-Jährige erneut Präsident werden. Die Kremlpartei Geeintes Russland hat nach den beispiellosen Protesten gegen Putin, der seit mehr als zwölf Jahren an der Macht ist, nun das Versammlungsgesetz drastisch verschärft. Wer gegen Putin demonstrieren will, dem drohen künftig drakonische Geldstrafen oder gemeinnützige Arbeit bis zu 200 Stunden.

Zwar ließ Putin über seinen Sprecher mitteilen, dass er das im Parlament mit 241 der 450 Stimmen verabschiedete Gesetz noch prüfen wolle. Die Opposition macht sich allerdings keine Hoffnung, dass der Präsident das Gesetz kippt. Der frühere Geheimdienstchef hatte schon bei einem Treffen mit der EU-Spitze Anfang dieser Woche betont, dass es zivilisiertere Wege der Meinungsäußerung gebe. Er meinte damit etwa die neuen politischen Parteien. Die EU zeigte sich besorgt wegen des Gesetzes.

Gerade die Opposition klagt seit langem über Druck und den fehlenden Zugang zu dem vom Kreml kontrollierten Fernsehen. Vor allem deshalb sind für viele unzufriedene Russen die Straßenproteste so wichtig. Nach einer Umfrage des Moskauer Meinungsforschungsinstituts Lewada sehen 38 Prozent der befragten Russen den Zweck des Gesetzes nur darin, neue Anti-Putin-Proteste zu verhindern.

Das verschärfte Gesetz schränke das in der Verfassung garantierte Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit ein, sagt der Chef des Menschenrechtsrats im Kreml, Michail Fedotow. Er fordert den Präsidenten zu einem Veto auf. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Russland Verstöße gegen internationale Verpflichtungen und Grundfreiheiten vor.

Die Moskauer Zeitung “Nesawissimaja Gaseta“ schreibt, dies sei der endgültige Schritt zum Polizeistaat. Es bestehe die Gefahr, dass einfache Bürger nur wegen Kritik an der Regierung wie Kriminelle behandelt würden. Auch Putins Freund, der frühere Finanzminister Alexej Kudrin, meint, dass das Recht der Bürger auf freie und friedliche Versammlung nun verletzt werde.

Vor einer Radikalisierung des Protestes im Untergrund warnt der Dumaabgeordnete Gennadi Gudkow von der Partei Gerechtes Russland. Putin habe den Kurs der Repression eingeschlagen. “Der Weg eines Anziehens der Daumenschrauben hat immer wieder zu Blut in Russland geführt. Das ist der Weg zu massenhaften Unruhen, zu einem Bürgerkrieg“, tönt Gudkow in der entscheidenden Dumasitzung.

Beobachter sehen angesichts der in Russland berüchtigten Willkür und Korruption bei Polizei und Justiz das Risiko, dass die neuen Regeln gegen Alles und Jeden nach Gutdünken angewendet werden können. Behinderung im Straßenverkehr, Schäden an Grünflächen oder das Tragen von Masken - vieles kann nun geahndet werden. Die Opposition befürchtet, dass sich die Proteststimmung vieler Bürger aus Angst vor den Geldstrafen abkühlen könnte.

Bisher drohten vor allem Bußen bis 2000 Rubel (50 Euro) und bis 15 Tage Arrest. Mit 300 000 Rubel liegt nun die höchste Geldstrafe für Privatpersonen 150 Mal so hoch wie bisher. Der Betrag übersteigt sogar das vergleichsweise gute Jahreseinkommen vieler Hauptstädter bei weitem - und bedroht deren Existenz, wie Experten meinen. Organisationen drohen Strafen bis zu einer Million Rubel.

Die Befürworter verteidigen das Gesetz als Beitrag zur Ordnung und Sicherheit in Russland. Es seien auch viele Garantien für Demonstranten enthalten, betont Initiator Alexander Sidjakin von Geeintes Russland. Als wichtig gilt aber vor allem auch das Ziel, neue Bilder von Massenfestnahmen und prügelnden Polizisten zu vermeiden. Diese Gewalt, fürchtet die Machtelite, könne die dringend nötigen Investoren verschrecken.

dpa

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