+++ Ticker zum Ukraine-Konflikt +++

Ukrainische Armeekolonne streckt die Waffen

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Ein ukrainisches Kampfflugzeug kreist über den Kopfen prorussischer Separatisten in Kramatorsk.

Kiew - Der Ukraine-Konflikt spitzt sich zu: Am Mittwoch sind russisch beflaggte Panzer durch Städte im Osten des Landes gerollt. Eine ukainische Armeekolonne in der Stadt Kramatorsk hat jetzt die Waffen gestreckt.

Die Ukraine-Krise: Die Ereignisse vom Donnerstag können Sie hier in unserem aktuellen Ticker verfolgen.

+++Verletzte bei Schießerei um ukrainische Kaserne+++

In der ostukrainischen Großstadt Mariupol sind bei Auseinandersetzungen um einen Militärstützpunkt mindestens fünf Menschen verletzt worden. Örtliche Medien berichteten am Mittwochabend von Schusswechseln. Etwa 500 zum Teil maskierte prorussische Aktivisten hätten die Kaserne umstellt, hieß es. Die Angreifer forderten die Soldaten demnach auf, ihnen alle Waffen auszuhändigen. Ein Einsatzfahrzeug soll in Flammen aufgegangen sein. Schüsse hätten auch zwei nahe Wohnungen getroffen. Die Anwohner flüchteten aus Angst vor austretendem Gas.

+++Ukrainische Armeekolonne im Osten streckt die Waffen+++

Angesichts des massiven prorussischen Widerstandes hat eine ukrainische Militärkolonne im Osten des Landes am Mittwoch die Waffen gestreckt. Die Soldaten begannen in der Stadt Kramatorsk damit, vor einem uniformierten Mann ohne Abzeichen ihre Waffen unbrauchbar zu machen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Im Gegenzug erhielten sie von den Milizionären die Zusicherung, in ihren gepanzerten Fahrzeugen den Rückweg antreten zu können.

+++ Kiew gesteht Verlust von sechs Panzern ein +++

Das ukrainische Verteidigungsministerium hat den Verlust von sechs gepanzerten Fahrzeugen an prorussische Separatisten eingeräumt. Die Militärwagen seien in der östlichen Stadt Kramatorsk von Anwohnern unter Anleitung von bewaffneten Aktivisten blockiert und dann übernommen wurden, teilte das Ministerium am Mittwoch mit. Wo sich die Besatzungen aufhielten, werde noch geprüft.

+++ Nato dämpft Agressions-Vermutungen: Einsatz "rein defensiv" +++

Die von der Nato beschlossene Verstärkung der Militärpräsenz in Osteuropa ist nach Angaben des militärischen Oberkommandeurs, des US-Generals Philip Breedlove, rein defensiv. „Die Maßnahmen (...) sollen unseren Verbündeten die Sicherheit geben, dass wir unseren Verpflichtungen zur gemeinsamen Verteidigung gerecht werden“, sagte er am Mittwoch in Brüssel. „Die Maßnahmen sind keine Bedrohung Russlands.“ Die verstärkte Präsenz sei zunächst bis zum 31. Dezember dieses Jahres geplant. „Wir werden später prüfen, was wir dann tun.“

Breedlove sagte, „zahlreiche Nationen“ hätten ihm Bodentruppen zum Einsatz angeboten. Er werde dazu in Kürze konkrete Entscheidungen treffen, die er den Bündnispartnern mitteilen werde. Auf die Frage, ob es sich bei den von der Nato beschlossenen Maßnahmen um den Versuch handele, einerseits die Verbündeten zu beruhigen, andererseits aber auch Russland gegenüber nicht übermäßig aggressiv aufzutreten, sagte er: „Das ist absolut korrekt.“

+++ Fahrer der russisch beflaggten Panzer sind wohl Überläufer +++

Unter den prorussischen Aktivisten, die am Mittwoch sechs ukrainische Panzer vor der östlichen Stadt Slawjansk in ihre Gewalt gebracht haben, sind nach Angaben eines Anführers der Gruppe rund 150 Überläufer der ukrainischen Streitkräfte. Er selbst sei "ein Mitglied der Selbstverteidigungskräfte der Krim", sagte der etwa 50-jährige Mann, der sich am Mittwoch vor Journalisten als "Balu" ausgab. "Wir sind etwa zehn. Die anderen sind etwa 150 ukrainische Soldaten, die sich uns angeschlossen haben."

"Wir haben die Kontrolle über die Panzer übernommen, mit denen die Rebellion in Slawjansk zerschlagen werden sollte", sagte der Mann weiter.

Nach Darstellung des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden die Panzer hingegen von "einer russischen Gruppe terroristischer Saboteure" gekapert. Die Panzer stammen aus einer Militärkolonne, die Kiew in die 140.000-Einwohner-Stadt schicken wollte. Die Kolonne war jedoch am Dienstag in Kramatorsk etwa 20 Kilometer vor Slawjansk von "Anwohnern" gestoppt worden, wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch weiter erklärte.

"Balu" bestritt die Angaben aus Kiew, dass in der Region um Slawjansk Spezialeinheiten der russischen Streitkräfte agierten. "Wir bleiben mit den Panzern hier, bis die Bevölkerung in einem Referendum über ihre Zukunft entscheiden kann", rief er vor einer kleinen Gruppe Anwohnern aus Slawjansk, die ihm applaudierte.

Der ukrainische Geheimdienst wiederum erklärte am Mittwoch, in der Ostukraine seien "dieselben Agenten" aus Russland im Einsatz, die mit der Besetzung des Krim-Parlaments im März die Abspaltung der Schwarzmeerhalbinsel von der Ukraine einleiteten. Dies sei durch die Überwachung ihrer Kommunikation festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Gegenspionage in Kiew.

+++ Deutschland schickt Streitkräfte +++

Deutschland wird sich zunächst mit einem Schiff und sechs Kampffliegern an der Verstärkung der Nato-Präsenz in den östlichen Bündnisstaaten beteiligen. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. Der Tender „Elbe“ mit rund 45 Soldaten Besatzung soll von Ende Mai bis Anfang ein Minenräum-Manöver in der Ostsee leiten. Bis zu sechs Kampfflieger vom Typ „Eurofighter“ sollen sich ab September für vier Monate an der Luftraumüberwachung über dem Baltikum beteiligen. Ob Deutschland darüber hinaus zur stärkeren Nato-Präsenz im Osten beitragen wird, blieb zunächst unklar.

+++ G7 sagt Treffen mit Russland ab +++

Wegen der Ukraine-Krise haben die Parlamentspräsidenten der sieben großen Industrienationen (G7) ihr alljährliches Treffen mit dem Kollegen aus Russland abgesagt. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) begründete dies am Mittwoch damit, dass das Parlament in Moskau - die Duma - eine erhebliche Mitverantwortung am russischen Vorgehen trage. Das Treffen hätte im September stattfinden sollen.

+++ NATO stockt Militärpräsenz im Osten auf +++

Die Nato verstärkt angesichts der Ukraine-Krise ihre militärische Präsenz in den östlichen Staaten des Bündnisses. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte am Mittwoch in Brüssel, es würden mehr Flugzeuge und Schiffe eingesetzt und auch Soldaten geschickt.

+++ Merkel lobt Vorgehen ukrainischer Einsatzkräfte +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft durch den Ukraine-Vierergipfel an diesem Donnerstag in Genf auf Impulse für eine Lösung am Verhandlungstisch. Das Gespräch könne ein „erster Schritt dazu (sein), wieder eine geordnete Situation in der Ukraine herzustellen“, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin. An dem Treffen nehmen die Außenminister aus Russland, der Ukraine und den USA sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teil.

Nach einem Telefonat Merkels mit Russlands Präsident Wladimir Putin lobte die Bundesregierung ausdrücklich das Vorgehen der ukrainischen Führung gegen prorussische Kräfte im Osten des Landes. „Aus unserer Sicht hat sich die ukrainische Regierung in dieser Krise bisher sehr besonnen und zurückhaltend verhalten“, sagte Streiter. „Klar ist, dass die ukrainische Führung natürlich die gewaltsame Übernahme von Polizeistationen oder andere Infrastruktur durch Gewalttäter nicht hinnehmen kann.“

Reaktionen zur Ukraine-Krise

"Russland exportiert Terror": Reaktionen zur Ukraine-Krise

+++ EU will "unzweideutige Reaktionen" ihrerseits abwarten +++

Die EU warnt vor einer Eskalation in der Ostukraine und setzt auf die vierseitigen Gespräche am Donnerstag in Genf, um die Lage zu beruhigen. „Die Entwicklung der nächsten Tage wird zeigen, was Russland tun wird, und dies könnte unzweideutige Reaktionen unserer Seite notwendig machen“, sagte am Mittwoch in Straßburg der Erweiterungskommissar Stefan Füle vor dem Europaparlament. Die Vierparteiengespräche (der Außenminister Russlands, der Ukraine und der USA sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton) seien „der bevorzugte Rahmen der EU“, um eine friedliche Lösung zu erreichen.

+++ Kiew: Zwei ukrainische Soldaten im Osten als "Geiseln" genommen +++

In der ostukrainischen Region Lugansk sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew zwei ukrainische Soldaten von prorussischen Aktivisten als "Geiseln" genommen worden. Ein Offizier und ein Soldat seien am Dienstag von "Extremisten" gefangen genommen und an einen unbekannten Ort gebracht worden, erklärte das Ministerium am Mittwoch. Mehrere Einheiten der ukrainischen Streitkräfte seien an der Suche nach den beiden Militärs beteiligt.

Kiew kündigte eine "harte Reaktion" auf derlei Angriffe auf ukrainische Soldaten an. Die Lage im Osten der Ukraine ist unübersichtlich und höchst angespannt. Seit Wochen halten prorussische Aktivisten in mehreren Städten Verwaltungsgebäude besetzt. Russland hat an der Grenze nach Angaben der NATO zehntausende Soldaten stationiert.

+++ Ukrainischer Geheimdienst: Russische Saboteure sollen "Schießen, um zu töten" +++

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hat Russland vorgeworfen, in Europa eine "neue Berliner Mauer" zu errichten. Was sich derzeit abspiele, sei eine "Gefahr für Europa und die Europäische Union", sagte er am Mittwoch in Kiew. Es sei "klar", dass die russischen Nachbarn eine "Rückkehr zum Kalten Krieg" wollten.

Jazenjuk äußerte sich am Tag vor den geplanten Vierer-Gesprächen in Genf zur Ukraine-Krise. Daran sollen die Außenminister der Ukraine, Russlands und der USA sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teilnehmen.

Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte seinerseits, die bewaffneten prorussischen Gruppen im Osten des Landes hätten den Befehl erhalten, auf ukrainische Soldaten zu schießen. In abgefangenen Gesprächen zwischen "russischen Saboteuren" sei deutlich geworden, dass die Aktionen vom "russischen Militärgeheimdienst" gesteuert würden. Beamte hätten den Befehl erteilt, zu "schießen, um zu töten".

+++ Ukrainische Regierungstruppen laufen mit Panzern zu Separatisten über +++

In der Ostukraine sind nach Medienberichten Regierungseinheiten mit mindestens zehn gepanzerten Fahrzeugen zu den prorussischen Separatisten übergelaufen. Ein Video des Portals espreso.tv zeigte am Mittwoch, wie die Truppen mit russischen Flaggen durch die Großstadt Kramatorsk rund 80 Kilometer nördlich von Donezk fuhren. Das russische Staatsfernsehen berichtete von ähnlichen Szenen im nahen Slawjansk.

+++ Prorussische Bewaffnete stürmen Rathaus im ostukrainischen Donezk +++

Rund 20 prorussische Bewaffnete haben am Mittwoch das Rathaus der ostukrainischen Stadt Donezk gestürmt. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, erklärten die vermummten Aktivisten, ihre einzige Forderung sei die Organisation eines Referendums über die Bildung einer "föderalistischen" Ukraine. In Donezk wird seit dem 6. April bereits der Sitz der Regionalregierung besetzt gehalten.

Die prorussischen Aufständischen in Donezk waren mit Schnellfeuergewehren vom Typ Kalaschnikow bewaffnet. Das Sicherheitspersonal leistete keinen Widerstand gegen die Besetzung. Die Angestellten des Rathauses wurden von den Bewaffneten nicht am Zutritt zu dem Gebäude gehindert.

+++ Russisch beflaggte Panzer in Kramatorsk +++

Drei gepanzerte Fahrzeuge mit russischen Flaggen sind am Mittwochmorgen durch die Stadt Kramatorsk im Osten der Ukraine gefahren. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, standen auf den Panzerfahrzeugen bewaffnete Männer in Uniformen ohne Abzeichen. Der Konvoi, zu dem auch ein Lastwagen gehörte, fuhr in Richtung der Stadt Slawjansk, die einige Kilometer weiter nördlich liegt.

Die Zuordnung der bewaffneten Einheit in Kramatorsk war zunächst unklar. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge soll es sich um ukrainische Fahrzeuge handeln, die von der Regierung in Kiew in den Kampf gegen prorussische Aufständische geschickt worden waren. Diese seien dann am Weiterfahren gehindert und von prorussischen Kräften besetzt worden. Das Verteidigungsministerium in Kiew erklärte allerdings auf Anfrage, ukrainische Panzerfahrzeuge seien nicht erobert worden. Das Innenministerium hatte zunächst keine Erklärung für die Vorgänge.

Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr: NATO hat versagt

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hat der Nato Versagen in der Ukraine-Krise vorgehalten. Das Bündnis habe vor der Krim-Krise „überhaupt keinen Beitrag zur Deeskalation“  geleistet, sagte der ehemalige Vorsitzende des Nato-Militärausschusses im Sender Bayern2 (radioWelt am Morgen).

„Die Nato hätte von Anfang an mit Russland verhandeln müssen, denn sie hat eine strategische Partnerschaft mit Russland“, sagte Kujat. Nach dem Grundlagenvertrag hätte der Nato-Russland-Rat einberufen werden müssen. Das sei nicht geschehen.

+++ NATO berät über Truppen-Aufstockung im Osten +++

Die Botschafter der 28 Nato-Staaten beraten angesichts der Ukraine-Krise über eine Verstärkung der Militärpräsenz des Bündnisses in den östlichen Nato-Staaten. Der Nato-Rat begann nach Angaben von Diplomaten am Mittwoch in Brüssel Gespräche über eine Reihe von Vorschlägen des militärischen Oberbefehlshabers, US-General Philip Breedlove.

Einzelheiten über diese Vorschläge sind bisher nicht bekannt. Diplomaten sagen, vor allem sei die zeitweilige Verlegung von Flugzeugen sowie eine Verstärkung der Manöveraktivität im Gespräch.

+++ Bürgerwehren formieren sich +++

In der krisengeschüttelten Ostukraine halten schwer bewaffnete prorussische Uniformierte weiter die Stellung in vielen Teilen des Gebietes Donezk. Nach dem Beginn einer sogenannten Anti-Terror-Operation blieb es am Mittwoch zunächst weitgehend ruhig in der Region, nach dem Regierungstruppen am Vortag in Kramatorsk einen Flugplatz zurückerobert hatten.

In einigen Städten bildeten sich Bürgerwehren. Sie wollen die Sicherheitskräfte der prowestlichen Führung in Kiew unterstützen und sich gegen die nach Russland orientierten Separatisten verteidigen.

Wirtschaft alarmiert über mögliche Folgen für Deutschland

+++ Vor Ostern: Deutsche Produzenten fürchten ukrainische Billig-Eier +++

Die Sorge um den Konflikt in der Ukraine treibt auch kuriose Blüten: Die deutschen Ei-Produzenten befürchten wegen niedrigerer Zölle eine "Schwemme von Billig-Eiern" aus der Ukraine. Eine Importwelle könne zu weiter sinkenden Preisen führen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsches Ei (BDE), Günter Scheper, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Dadurch würden die einheimischen Produzenten weiter unter Druck geraten, warnte er. In der Ukraine sei - anders als in Deutschland - weiterhin die konventionelle Käfighaltung von Legehennen erlaubt.

DIW-Chef Marcel Fratzscher hält Konjunkturrückschläge in Europa für möglich, sollten gegen Russland Wirtschaftssanktionen verhängt werden. „Ein größeres Risiko sind mögliche Verwerfungen in Finanzmärkten - vor allem durch Turbulenzen und Verluste für die noch immer angeschlagenen Banken in Europa“, sagte Fratzscher am Mittwoch „Handelsblatt Online“. Dies würde die schwache Konjunkturerholung in der Euro-Zone gefährden.

+++ Putin sieht Ukraine "am Rand des Bürgerkriegs" +++

Russland hat nach dem Beginn der Offensive gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine vor einer gefährlichen Zuspitzung der Krise gewarnt. Die scharfe Eskalation des Konflikts habe das Land an den Rand eines Bürgerkrieges gebracht, sagte Präsident Wladimir Putin nach Angaben der Regierung in Moskau am Dienstagabend in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch in einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte der Kremlchef den zuvor gestarteten Einsatz ukrainischer Truppen. Moskau warnte vor einem Scheitern der für Donnerstag geplanten Krisengespräche in Genf.

Der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow hatte den Beginn des sogenannten „Anti-Terror-Einsatzes“ am Dienstag im Parlament in Kiew verkündet. Ziel des Vorrückens sei der „Schutz der Bürger vor Terroristen, die das Land zerreißen wollen“. Russland hatte vor solch einem Schritt gewarnt. Die USA verteidigten das Vorgehen der Kiewer Regierung.

In mehreren Orten der Ostukraine halten moskautreue Separatisten seit Tagen Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet.

Bilder: Tote und Verletzte bei "Anti-Terror-Einsatz" in der Ukraine

Bilder: Tote und Verletzte bei "Anti-Terror-Einsatz" in der Ukraine

China zeigte sich über die Eskalation besorgt und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Vizeaußenminister Li Baodong sprach am Mittwoch von einer „unglückliche Entwicklung“. China setze sich für einen internationalen Kooperationsmechanismus ein, sagte Li Baodong mit Blick auf den Genfer Krisengipfel. Er sprach am Mittwoch in Peking mit dem Vorsitzenden der Unionsfraktion, Volker Kauder.

Aus dem Bundespresseamt hieß es zu dem Gespräch zwischen Putin und Merkel, die Situation in der Ukraine sei ausführlich erörtert worden. Bei aller unterschiedlichen Bewertung der Ereignisse habe die Vorbereitung des Treffens in Genf im Mittelpunkt gestanden. Dort wollen die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine zusammen mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton über Möglichkeiten einer diplomatischen Lösung der Krise beraten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an die Teilnehmer, das Treffen zu nutzen. „Ein Scheitern ist nicht erlaubt“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

+++ Prorussische Separatisten: Verletzter bei Schusswechsel +++

Zu Schusswechseln zwischen ukrainischen Einheiten und moskautreuen Aktivisten kam es in der Nähe der Städte Kramatorsk und Slawjansk im Verwaltungsgebiet Donezk. Nach schweren Gefechten hätten Regierungseinheiten den Flugplatz von Kramatorsk unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Turtschinow. Das russische Staatsfernsehen berichtete von mindestens vier Toten. Die moskautreuen Aktivisten sprachen von einem Verletzten in ihren Reihen. Eine offizielle Bestätigung für die Opferzahlen gab es zunächst nicht.

Putin forderte laut Kreml von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Vereinten Nationen müssten das „verfassungswidrige Vorgehen“ der Machthaber in Kiew verurteilen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach bei einem Besuch in Peking von einer „Verletzung ukrainischer Rechtsnormen und des Völkerrechts“.

UN-Generalsekretär Ban schließt Blauhelmeinsatz in Ukraine aus

Ban Ki Moon sprach sich gegen den Einsatz von Blauhelmsoldaten in der Ukraine aus. „Die Entsendung von Friedenstruppen erscheint mir im Moment nicht durchführbar“, sagte Ban in einem Interview der mexikanischen Zeitung „Reforma“ vom Dienstag. „Ohne ein klares Mandat des Sicherheitsrates können wir keinen Einsatz einleiten.“ Angesichts des russischen Vetorechts im Weltsicherheitsrat ist ein solches Mandat allerdings äußerst unwahrscheinlich. Laut „Reforma“ hatte der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow am Montag in einem Telefongespräch mit Ban um die Entsendung von Blauhelmsoldaten in den Osten des Landes gebeten.

US-Regierungssprecher Jay Carney sagte hingegen: „Die ukrainische Regierung hat die Verantwortung, Recht und Ordnung herzustellen.“ Die „Provokationen“ prorussischer Kräfte „schaffen eine Situation, in der die Regierung handeln muss“. Er bezeichnete die Eskalation als „sehr gefährlich“.

Die USA haben Russland mehrfach beschuldigt, in dessen Nachbarland politische Unruhen zu befeuern. Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch), die gute Organisation und Ausrüstung der Milizen in den Städten deuteten auf russische Herkunft hin.

Vor einer Entscheidung über mögliche weitere Sanktionen gegen Russland wollen die USA zunächst die Genfer Gespräche abwarten. Die „New York Times“ berichtete, Washington prüfe unter anderem, einen engen Putin-Vertrauten auf die Sanktionsliste zu setzen. Es handele sich um Igor Setschin, Chef der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft.

+++ Uneinigkeit bei der Effektivität von Sanktionen +++

Nach Ansicht des luxemburgischen Europapolitikers Jean-Claude Juncker zeigen die bislang von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen Wirkung. „Man weiß ja jetzt schon, was es an Kapitalabfluss aus Russland in den vergangenen Wochen und Tagen gegeben hat. Das geht nicht wirkungslos an Russland vorbei“, sagte Juncker der Nachrichtenagentur dpa in Straßburg. Der frühere luxemburgische Ministerpräsident ist Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl Ende Mai.

Bisher verhängte die EU wegen der Annexion der Krim durch Russland Kontensperrungen und Einreiseverbote gegen Einzelpersonen. Über neue Wirtschaftssanktionen wurde noch nicht entschieden.

BASF-Chef Kurt Bock hingegen hält weitere Sanktionen für bedenklich. Bock sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, wer Boykott-Maßnahmen gegen Russland beschließe, müsse die Kosten und den Nutzen eines solchen Beschlusses abwägen und die Frage stellen, wer am meisten leide. Man müsse auch wissen, „wie man von Sanktionen wieder herunterkommt“, sagte der BASF-Vorstandschef der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). Er bezweifle zudem, dass ein Boykott zu einem Wandel in der Politik von Russlands Präsidenten führe.

dpa

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