Messer-Angriff in Trappes

Attacke bei Paris mit schrecklicher Wendung: So soll der Täter Mutter und Schwester getötet haben

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Messerattacke in Frankreich.

Bei Paris hat es eine tödliche Messerattacke gegeben. Zwei Opfer überlebten den Vorfall nicht, eine weitere Person wurde schwer verletzt. Die bitteren Details.

Trappes - Ein 36-Jähriger hat in Frankreich mit einem Messer zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Er sei von der Polizei „neutralisiert“ worden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag - also von der Polizei getötet.

Bei den Opfern handelt es sich um die Mutter und die Schwester des Angreifers. Die beiden seien die Todesopfer, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen.

Paris: Motiv der Messerattacke noch unklar

Der Mann habe die Opfer am Donnerstagvormittag auf der Straße angegriffen und sich anschließend in einem Haus verschanzt, sei aber später wieder herausgekommen, sagte die Sprecherin kurz nach der Tat. Daraufhin griff die Polizei ein.

Ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hat, ist nach den neuen Erkenntnissen unklar. Der Pariser Staatsanwalt habe die Tat aber vorerst nicht als Terrorfall eingestuft, sagte Innenminister Gérard Collomb am Donnerstag. Die Untersuchungen gingen aber weiter. Der Täter habe wohl große psychische Probleme gehabt. Collomb schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Behörden bemühten sich, „die Umstände dieses Dramas aufzuklären“.

IS reklamiert Tat bei Paris für sich

Zunächst verkündete der IS über sein Sprachrohr Amak im Internet, ein IS-Kämpfer habe die Tat begangen. Die Echtheit der Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. Der Sender BFMTV berichtete ohne klare Quellenangabe, der Mann sei den Behörden als radikalisiert bekannt gewesen und habe beim Eingreifen der Polizei „Gott ist groß“ auf Arabisch gerufen. Nach mehreren Stunden dann die Wendung: Die Ermittler tendierten zu einem Familienstreit.

Messerattacke in Frankreich.

Messerattacke in Paris: Familienstreit als Motiv?

Laut übereinstimmenden französischen Medienberichten schließen Ermittler einen Familienstreit als Motiv nicht aus. Collomb sagte vor Journalisten, nach Untersuchung seiner Wohnung und seines Telefons werde man mehr wissen über den möglichen Konflikt in der Familie. 

Das Profil des Mannes sei eher das eines Gestörten mit psychiatrischer Vorgeschichte als das von jemandem, der den Anweisungen einer Terrororganisation folgt, teilte der Minister auf Twitter mit. Er berichtete, dass der Täter den Behörden wegen Verteidigung von Terrorismus bekannt gewesen sei - laut Staatsanwaltschaft wurde ein entsprechendes Verfahren allerdings 2016 eingestellt. Die Behörde bestätigte laut „Ouest-France“ aber, dass der Täter den Polizisten am Donnerstag „Gott ist groß“ auf Arabisch zugerufen habe.

Messerattacke in Paris: So könnte es abgelaufen sein

Die Polizei sei wegen eines Streits auf der Straße zum Tatort gerufen worden und habe zwei am Boden liegende Opfer gefunden. Der Täter sei unterdessen ins Haus seiner Mutter gegangen, wo er sie getötet habe. Er sei mit dem Messer wieder herausgekommen und trotz Aufforderungen nicht stehengeblieben - daraufhin hätten die Polizisten geschossen. Das schwer verletzte dritte Opfer gehörte nicht zur Familie des Täters.

Französische Medien berichteten übereinstimmend, dass es sich bei dem zweiten Todesopfer um die Schwester des Angreifers handelte. Collomb sagte, dass es sich bei dem Täter um „Sohn und Bruder“ der beiden Getöteten handelte. 

Messerattacke in Frankreich.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von islamistischen Terroranschlägen. Im Mai hatte ein Angreifer im Zentrum von Paris Passanten mit einem Messer angegriffen - er tötete einen Menschen und verletzte vier weitere, bevor die Polizei ihn erschoss. Anti-Terror-Experten übernahmen die Ermittlungen, der IS hatte auch diese Attacke für sich reklamiert.

Messerattacke in Paris: War es wirklich der IS?

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass der IS eine Gewalttat für sich beansprucht, bei denen Ermittler keine Verbindung zu der Terrororganisation sehen. So war es etwa bei einer Messerattacke in Hamburg im Oktober 2016 und beim Attentat von Las Vegas, wo ein Mann im Oktober 2017 auf Gäste eines Festivals geschossen hatte. Am Vorabend des Messerangriffs von Trappes hatte der IS angeblich die erste Audiobotschaft seines Anführers Abu Bakr al-Bagdadi nach fast einem Jahr veröffentlicht.

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dpa, afp

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