„Drei Menschen sterben jeden Tag ...“

Spahn verteidigt Organspende-Plan - nun äußert sich Angela Merkel zum Vorhaben

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Jens Spahn verteidigt seinen Organspende-Plan gegen jede Kritik.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Kritik an seinem Vorstoß zur Organspende zurückgewiesen. Nun äußert sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Update 06.09.2018: Angela Merkel äußert sich zu Organspende

Kanzlerin Angela Merkel befürwortet neue Regeln für eine automatische Einwilligung in Organspenden außer bei erklärtem Widerspruch. „Ich persönlich habe große Sympathie für die doppelte Widerspruchslösung, weil ich dann doch aktiv einmal im Leben darüber nachdenken muss, ob ich das möchte oder nicht“, sagte die CDU-Chefin am Donnerstag im RTL-Sommerinterview.

 „Das beraubt mich keiner Freiheit, aber ich muss mich mit dieser Frage auseinandersetzen und tue damit, glaube ich, für andere Menschen etwas sehr Wichtiges.“ Es sei richtig, dass es dazu eine Debatte im Bundestag geben solle, bei der jeder Abgeordnete ohne Fraktionszwang für sich entscheide.

Update 05.09.2018: Markus Söder äußert sich zu Organspende

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Neuregelung der Organspende sollte nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht einfach per Gesetz erfolgen. „Die Widerspruchslösung wäre die einfachste und beste Lösung, aber sie muss im gesellschaftlichen Konsens erfolgen“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München. Aus diesem Grund müsse es im Bundestag darüber eine Abstimmung ohne Fraktions- und Parteizwänge, sondern nach freiem Gewissen geben. Immerhin sei dies ein weitreichender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

Jens Spahn äußert sich in ARD-“Morgenmagazin“

Die von ihm vorgeschlagene Widerspruchslösung sei zwar "ein starker Eingriff in die Freiheit", sagte Spahn am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspender zu erhöhen, seien aber erfolglos geblieben. "Drei Menschen sterben jeden Tag, weil das Organ, das sie sehnsüchtig erwartet haben, nicht kam", sagte Spahn.

Bisher muss ein potenzieller Spender noch zu Lebzeiten in die Organspende eingewilligt haben, oder seine Angehörigen stimmen dem im Todesfall zu. Mit einer Widerspruchslösung, wie Spahn sie vorgeschlagen hat, wäre jeder automatisch Spender, wenn nicht er oder seine Angehörigen ausdrücklich widersprechen.

Video: Organspende soll bald Pflicht sein

Jens Spahn: „Aber viel, viel weniger haben einen Organspendeausweis“

84 Prozent der Deutschen stünden der Organspende positiv gegenüber, sagte Spahn. "Aber viel, viel weniger haben einen Organspendeausweis." Die "abstrakte Bereitschaft" zur Organspende helfe den 10.000 Menschen, die in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan warteten, jedoch nicht weiter.

Das Thema Organspende sei mit vielen Ängsten, Sorgen und Fragen verbunden, räumte Spahn ein. "Aber man bearbeitet Ängste am besten, indem man die Dinge bespricht, und indem wir eine ausführliche, breite Debatte führen." Die durch seinen Vorstoß hervorgerufene Debatte sei aus seiner Sicht daher schon "ein Wert an sich".

Jens Spahn. 

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery befürwortet die (CDU) vorgeschlagene Neuregelung. Die von Spahn geplante Widerspruchslösung sei "eine sehr gute Idee", sagte der Präsident der Bundesärztekammer der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag. Die Ärzteschaft habe sich immer für eine solche Regelung ausgesprochen. Zugleich räumte Montgomery ein, die Widerspruchslösung sei "rechtlich nur sehr schwierig umzusetzen".

Kritik aus Reihen der Union: „Löst kein Problem“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, reagierte im Gespräch mit „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ (Dienstag) verärgert. „So geht es nicht. Wir machen unseren eigenen Gesetzentwurf mit einer Debatte kaputt, die viel zu früh kommt.“ Die CDU-Politikerin warnte, so könnten noch mehr Ängste geweckt und das Vertrauen in die Organspende gemindert werden.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger kritisierte Spahn ebenfalls. „Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, sagte er den Zeitungen. Die Widerspruchsregelung treffe auf „enorme Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung, löst aber kein Problem“.

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