Traditionelles Politiker-Derblecken

Nockherberg: Kinseher spottet über Seehofer und Söder - und überrascht mit Rückzug

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Die Schauspielerin Luise Kinseher trinkt beim traditionellen "Politiker-Derblecken" am Münchner Nockherberg als Bavaria während ihrer Fastenpredigt aus einem Bierkrug.

Natürlich dreht sich beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg diesmal fast alles um die CSU-Doppelspitze. Und einer gewinnt.

München - Auf dem Münchner Nockherberg ist der bayerische Machtwechsel mit diesem Mittwochabend vollzogen. Endgültig. Im Singspiel beim traditionellen Starkbieranstich steht nicht mehr Noch-Ministerpräsident Horst Seehofer im Zentrum, sondern Bald-Regent Markus Söder. „El Marco“ stiehlt Seehofer die Show. Und wie.

Den Ohrwurm des Abends darf Söder-Double Stephan Zinner singen: „Sieh es ein, alter Horst, du musst jetzt gehen. Du durftest viel erreichen, nun solltest du dich schleichen.“ Oder dann: „Alter Held, sei endlich wacker, und mach Dich brav vom Acker.“ Und am Ende des Songs: „Wir ham dich schon noch gerne, doch bitte aus der Ferne.“

Doch so schnell gibt sich Bundesinnenminister in spe Seehofer (Christoph Zrenner) nicht geschlagen. „Ja, ich habe verstanden“, entgegnet er, verkündet aber dann, es komme irgendwann der Moment, wo man sich sagen müsse, dass man „noch mal neu durchstarten“ könne.

Söder als Anführer der „glorreichen Sieben“

Söder aber ist der unangefochtene Anführer der „glorreichen Sieben“ (so der Titel des Singspiels, für das diesmal ein neues Autorenduo aus dem Musiker Richard Oehmann und dem Drehbuchautor Stefan Betz verantwortlich ist). Er sammelt Gefährten und Gefährtinnen (darunter die bayerische SPD-Vorsitzende und SPD-Bundesvize Natascha Kohnen) um sich, um die Stadt im Wilden Westen gegen Indianer zu verteidigen - in der Szene hat übrigens auch Uschi Glas einen Gastauftritt.

In einer anderen Szene verteilt Söder Originalmäntel „der letzten glorreichen Sieben“ an drei Claqueure: darunter ein Mantel von Joachim Herrmann („guter Kerl, aber ein Schneller war er net“), einer von Alexander Dobrindt („Die Straße war letztendlich sein Verhängnis“), einer von Manfred Weber („einer unserer großen Hoffnungsträger, aber dem ist irgendwas dazwischengekommen“), einer von Karl-Theodor zu Guttenberg („zusammengedoktert, kein Original“).

Am Ende übergibt Seehofer im Wilden Westen die Macht: „Marco, du bist jetzt die glorreiche Sieben“, sagt er. „Du musst jetzt nur bis Oktober der größte und beliebteste Revolverheld in ganz Texas werden.“ In der Realität ist im Oktober die Landtagswahl, bei der es für die CSU um alles geht. Ansonsten? Die Claqueure, inzwischen mit Waffen ausgestattet, drohen schon - während das Double von Angela Merkel Seehofer zuruft: „Wir müssen! To the Hauptstadt! Let's go.“

Nicht nur im Singspiel dreht sich alles um Seehofer und Söder. Auch Luise Kinseher hat als „Mama Bavaria“ die CSU-Doppelspitze im Visier. Es herrsche ja nun Friede in der CSU, sagt sie, und spottet: „Friede in der CSU: Das klingt für mich noch unheimlicher wie das Schweigen der Lämmer.“ Über Söder sagt sie: „Wie er langsam zum Ministerpräsidenten mutiert - die angegrauten Schläfen, das mild durchwehte Lächeln, der gütige Blick, leichtes Übergewicht: Es wird nicht mehr lang dauern, dann werden wir ihn drollig finden!“ Und über Seehofer sagt sie, man habe sich ja in ganz Deutschland nichts sehnlicher gewünscht als den 68-Jährigen als Heimatminister. „Ich frag mich nur: Wie geht es da einem Oberlausitzer? Der Oberlausitzer denkt sich doch: Kaum ist der Russe weg, kommt der Bayer!“

Am Ende geht es aber wenigstens bei „Mama Bavaria“ unentschieden zwischen den beiden Dauerrivalen aus. Kinsehers Urteil: „Diejenigen, die sagen, jetzt können wir endlich wieder nach Bayern in den Urlaub fahren, weil der Seehofer weg ist, halten sich exakt die Waage mit denen, die nicht mehr kommen, weil jetzt der Söder da ist.“

Kinseher kündigt Rückzug an

Sie selbst wartet am Ende ihrer Ansprache noch mit einer Überraschung auf - und verkündet, dass es ihre letzte Rede war. Acht Jahre lang habe sie nun „ermahnt, getröstet, geschimpft“. Doch „gute Eltern“ wüssten, wann es Zeit sei, loszulassen. In den vergangenen Jahren war sie teilweise sehr umstritten gewesen und viel kritisiert worden. Diesmal gibt es Applaus im Stehen. Und Lob von Seehofer und Söder.

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dpa

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