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„Sind kampfbereit“: Finnischer General macht Ansage an den Kreml

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Von: Franziska Schwarz

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Russlands Nachbar Finnland sendet im Ukraine-Krieg und im Streit um einen Nato-Beitritt eine Warnung an Kremlchef Wladimir Putin.

Helsinki - „ Die wichtigste Verteidigungslinie befindet sich im Kopf, das beweist uns der Ukraine-Krieg“: Das bekräftigt der General Timo Kivinen laut der Nachrichtenagentur Reuters. Soll heißen: die Finnen wären im Falle eines russischen Angriffs wie in der Ukraine seiner Meinung nach „kampfbereit“.

Unter Verweis auf Russlands Invasion in die Ukraine sagte Kivinen: „Wir haben unsere militärische Abwehr auf exakt diese Art von Kriegsführung entwickelt - auf eine Kriegsführung mit massivem Einsatz von Feuerkraft, Streifkräften und Luftwaffen.“ Militärisch sei Finnland für die Abwehr gerüstet.

Umfrage in Finnland: Mehrheit im Falle eines Krieges „kampfbereit“

Finnland mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern kann im Fall eines Krieges auf 280.000 Soldaten und weitere 600.000 Reservisten zurückgreifen. Anfang April kündigte Helsinki an, seine Militärausgaben in den nächsten vier Jahren um mehr als zwei Milliarden Euro zu erhöhen. Für 2022 ist ein Verteidigungshaushalt von 5,1 Milliarden Euro vorgesehen.

Gut 82 Prozent der Befragten einer Umfrage des Verteidigungsministeriums vom Mai sprachen sich für eine Landesverteidigung ausgesprochen. „Die Ukraine ist ein harter Brocken für Moskau, und Finnland wäre es auch“, so Kivinen.

Der finnische Präsident Sauli Niinistö und der finnische General Timo Kivinen bei einer Parade in Helsinki im Juni 2022.
Der finnische Präsident Sauli Niinistö (vorne links) und der finnische General Timo Kivinen (vorne rechts) bei einer Parade in Helsinki © Alessandro Rampazzo/AFP

Ukraine-News aus Finnland: General begrüßt Antrag für Nato-Beitritt

Finnland wurde 1939 von der Sowjetunion überfallen. Die Finnen leisteten erbitterten Widerstand. Am Ende waren sie dennoch gezwungen, in einem Friedensvertrag mit Moskau einen großen Teil der östlichen Region Karelien abzutreten. In einem „Freundschaftsvertrag“ von 1948 sicherte Moskau zu, den Nachbarn nicht anzugreifen, solange sich dieser aus der westlichen Verteidigungszusammenarbeit heraushält. Die erzwungene Neutralität des Landes prägte den Begriff der „Finnlandisierung“.

Schweden und Finnland hatten Mitte Mai die Nato-Aufnahme beantragt. Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan  blockiert dies als einziges Mitglied des Verteidigungsbündnisses aktuell - Erdogan sprach nach Verhandlungen ein Machtwort. Ankara begründet seine Haltung mit der angeblichen Unterstützung Finnlands und Schwedens von „Terrororganisationen“ wie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Möglicher Nato-Beitritt Finnlands: Für den Kreml ein „schwerer Fehler“

Auch der Kreml unter Machthaber Wladimir Putin bezeichnet die Nato-Beitrittspläne Finnlands und Schwedens als „schweren Fehler“. Die Sicherheit beider Länder werde dadurch „nicht gestärkt“, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach mit Blick Finnland von einer „eindeutigen“ Bedrohung für Russland.

Der finnische Präsident Sauli Niinistö zweifelt indes daran, dass der Streit mit der Türkei noch vor dem Nato-Gipfel in Madrid gelöst wird. Auch wenn die Türkei nicht von ihrer Position abgerückt sei, sei es dennoch ein Fortschritt, dass die Länder miteinander verhandelten, sagte er laut der finnischen Nachrichtenagentur STT am 21. Juni. (frs mit AFP und dpa)

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