30. Jahrestag seiner Kanzler-Wahl

Union feiert den Beginn der Ära Helmut Kohl

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Der damalige CDU-Parteivorsitzende Helmut Kohl wird am 01.10.1982 in Bonn vom damaligen Bundestagspräsident Richard Stücklen (CSU, vorn) als neuer Bundeskanzler vereidigt.

Berlin - Helmut Kohl kommt in die Unionsfraktion, die er 2002 nach der CDU-Spendenaffäre im Gram verlassen hat. Die Union feiert den 30. Jahrestag seiner ersten Kanzler-Wahl.

Zehn Jahre war er nicht mehr dort. Verabschiedet in Unfrieden mit der Partei, der er mehr als fünf Jahrzehnte gedient hatte und sie zum Schluss mit einer Spendenaffäre in ihre wohl größte Krise stürzte. Zehn Jahre ist es her, dass er den Saal seiner Unionsfraktion im Bundestag nicht mehr betreten hat.

Und nun kommt er. Der einstige Übervater der CDU, der Kanzler der Einheit, der Baumeister eines gemeinsamen Europas. An diesem Dienstag betritt er jene Räume, die er 2002 unglückselig verlassen hat. Nun feiert die Fraktion den 30. Jahrestag der ersten Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler (1. Oktober), und der heute 82-jährige kranke Mann hat seine Teilnahme zugesagt. Versöhnung?

Das war die Ära Helmut Kohl

Das war die Ära Helmut Kohl

Bereits vor der Verkündung des Abstimmungsergebnisses beglückwünschen Parteifreunde den damaligen CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl (M) am 01.10.1982 im Bundestag in Bonn zur Wahl zum Bundeskanzler.

Die höchste Hürde für eine Wiedervereinigung des Rekord-Kanzlers (16 Jahre) und Rekord-Parteivorsitzenden (25 Jahre) mit der Partei trägt diesen Namen: Angela Merkel. Kohls Erbin von Kanzleramt und Parteivorsitz war es, die der CDU 1999 als damalige Generalsekretärin auf dem Höhepunkt der Spendenaffäre mit einem legendären Aufruf in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die Loslösung von Kohl empfahl.

Kohl hatte kurz zuvor eingestanden, von 1993 bis 1998 Geld für die Partei entgegengenommen zu haben, ohne sie als Spende auszuweisen. Die Namen der Geldgeber nannte er mit der Begründung nicht, dass er ihnen sein Ehrenwort gegeben habe. Die Republik war erschüttert. Spekulationen, wer der CDU am Gesetz vorbei Bares gegeben hatte, schossen ins Kraut. Kohl wurde „Herrscher über schwarze Kassen“ genannt. 2000 gab er den CDU-Ehrenvorsitz verbittert zurück und schwieg weiter über die Namen. Bis heute.

Sie waren die Chefs der CDU

Sie waren die Chefs der CDU

Auch wenn es Kohlianer in der CDU hoffen, glauben können sie nicht, dass es nun zu einer Versöhnung von Kohl und Merkel kommen wird. Seinen 80. Geburtstag hätten manche für den richtigen Zeitpunkt gehalten. Aber auf die Frage, ob die CDU ihm den Ehrenvorsitz wieder antragen könnte, sagte Merkel 2010: „Diese Frage stellt sich nicht mehr.“ Dass sie inzwischen ihre Meinung geändert hätte, wird kaum für möglich gehalten.

Der „Bild“-Zeitung sagte Kohl 2010, wie es ihn verbittert hat, dass CDU-Mitglieder in der Spendenaffäre zu ihm auf Distanz gingen: „Wenn Sie Ihr Leben lang für eine Partei und ein Land gelaufen sind, und dann feststellen, dass auch Menschen, die zuvor nicht nahe genug heranrücken konnten, sich plötzlich abwenden, ja, sich sogar gegen Sie stellen, weil Sie einen Fehler gemacht haben, da muss ich sagen, da habe ich manches Mal gehadert, allerdings weniger mit dem Schicksal - das ist auch wahr - als vielmehr mit den Menschen.“

Merkels Frisur im Wandel der Zeit

Merkels Frisur im Wandel der Zeit

Merkel wird dabei sein, wenn ihr einstiger Ziehvater in die Fraktion kommt. Und zwei Tage später nimmt sie auch an dem Festakt der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung für Kohl teil. Wie auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er galt über fast 20 Jahre als einer von Kohls engsten Vertrauten. Die Spendenaffäre zerrüttete auch ihr persönliches Verhältnis. Trotz aller Spaltung wird aber damit gerechnet, dass Partei und Fraktion, die sich in Teilen nach Kohls klaren Freund-Feind-Mustern und konservativem Profil zurücksehnen, den 82-Jährigen überschwänglich feiern werden.

Die Spendenaffäre nimmt Kohl nicht seinen Platz in der Geschichte. Da ist sein Anteil an der Gründung der Europäischen Union 1991. Sein Besuch auf dem Soldatenfriedhof in Verdun - Hand in Hand mit Frankreichs Präsident François Mitterrand. Und die deutsche Einheit.

Kohl hatte immer auf sie gehofft und die historische Chance dann gegen Widerstände im In- und Ausland ergriffen. Gekrönt wurde sein Lebenswerk am 3. Oktober 1990, als die Einheit vollzogen wurde. Sein Versprechen der „blühenden Landschaften“ im vereinten Deutschland konnte er aber nicht in dem Maße einlösen, in dem er Hoffnungen vor allem vieler DDR-Bürger geweckt hatte. Schnell war klar, dass alles viel langsamer wachsen und zusammenwachsen würde.

Merkel 10 Jahre CDU-Chefin - ein Rückblick

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1947 hat Kohl die Junge Union in Ludwigshafen mitgegründet. Mehr als 40 Jahre war er Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und seit 1976 im Bundestag. Sieben Jahre war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Als erster deutscher Kanzler kam er durch ein konstruktives Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 an die Macht. Die sozial-liberale Koalition von Helmut Schmidt (SPD) war am Ende.

Mit einer „geistig-moralischen Wende“ wollte Kohl eine neue Epoche in Deutschland einleiten. Dass er 1990 wiedergewählt wurde, hatte er Analysten zufolge der Wiedervereinigung zu verdanken. 1998 verlor er gegen Gerhard Schröder (SPD). Bis dahin hatte fast eine ganze Generation in Deutschland nur Kohl als Kanzler erlebt.

Kohl kann Menschen mit Wärme, Fürsorge und Protektion für sich einnehmen, aber er kennt eigentlich nur Freund oder Feind, sagen Menschen, die ihn von früher kennen. Sein langer Arm als Kanzler und Parteichef beförderte Karrieren - und vernichtete sie. Wen er als Talent ansah, stieg auf. So Angela Merkel (sein „Mädchen“), die er 1991 zur Bundesfrauenministerin machte.

Die schönsten Staatsoberhäupter der Welt

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Kohl ordnete der Politik alles unter. Sein Sohn Walter schreibt in einem 2011 erschienenen Buch, die wahre Familie seines Vaters seien nicht Frau und Kinder, sondern sei die CDU gewesen. Als Vater hat er für ihn versagt. Die düsterste Stunde der Familie Kohl war der Freitod von Hannelore Kohl. 2001 nahm sich Kohls Frau wegen einer unheilbaren Lichtallergie in ihrem Wohnhaus in Ludwigshafen- Oggersheim mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.

Von der zweiten Ehe des Vaters mit der 34 Jahre jüngeren Maike Richter 2008 erfuhr der Sohn durch ein Telegramm, Details aus der Zeitung. Seine Bilanz: „Er bleibt mein Vater, aber er ist weit weg.“ Zu einem Gedenkkonzert zum zehnten Todestag von Hannelore Kohl kam Helmut Kohl nicht. 41 Jahre waren sie verheiratet.

2008 stürzte Kohl nach einer Knie-Operation und verletzte sich am Kopf. Seither sitzt er im Rollstuhl und kann nur schwer sprechen. Im Februar dieses Jahres bekam er einen Herzschrittmacher und eine neue Herzklappe. Mittlerweile habe er sich gut erholt, teilte sein Büro in Berlin jüngst mit. Er freue sich auf seinen Besuch in der Hauptstadt.

dpa

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