Nach Kanzlei-Wechsel

Solidarität für Zschäpes Anwältin

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Anja Sturm wechselt zum 1. August ihre Kanzlei.

Berlin - Die Verteidigung von Beate Zschäpe ist das spektakulärste Mandat, das ein Anwalt derzeit übernehmen kann. Aber nicht ohne Nebenwirkungen. Das bekommen Zschäpes Verteidiger gerade zu spüren.

Donnerstag, 31. Verhandlungstag, der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München plätschert so vor sich hin. Ein Polizeibeamter wird zu den Ermittlungen in zwei Nürnberger Mordfällen befragt, zwischendrin wird kurz ein Zeuge aus Rostock gehört. Für Getuschel unter den Zuschauern sorgt etwas anderes: Der Artikel einer Boulevardzeitung über Zschäpes Anwälte, die in einem bekannten Münchner Hotel logieren, für angeblich 318 Euro pro Nacht. Dazu ein Foto von Wolfgang Heer und Anja Sturm auf dem Sommerfest des Hotels. Die Überschrift: „Zschäpes Anwälte auf Schampus-Party“.

Nun ist es kein Geheimnis, dass Dauergäste in Hotels in der Regel weitaus günstigere Zimmerpreise aushandeln können als den Standardpreis. Vor allem aber: Die Staatskasse zahlt allen Anwälten Übernachtungskosten von 110 bis 120 Euro; während des Oktoberfests kann es auch etwas mehr sein. Die Höchstgrenzen gelten für alle Anwälte gleich - was darüber hinausgeht, müssen sie selbst zahlen. Selbst wenn die Zschäpe-Verteidiger also in Suiten für 3000 Euro wohnen würden - dem Steuerzahler könnte das egal sein.

Sturm zieht nach Köln um

Klar ist aber auch: Je länger das Verfahren dauert, desto mehr stehen Zschäpes Anwälte im Blickpunkt. Und es ist nicht nur die positive PR, die sich die drei wahrscheinlich erhofft haben, als sie das spektakuläre Mandat übernahmen. Dabei sind Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm völlig unverdächtig, irgendwelche Sympathien für Rechtsextremisten zu hegen. Auch im Gerichtssaal haben die drei - nach einigen Scharmützeln mit dem Vorsitzenden Richter zu Anfang des Prozesses - mittlerweile ihre Rollen gefunden.

Dennoch haben sich vor allem für Anja Sturm die Dinge wohl anders entwickelt als erwartet: Die 43-Jährige verlässt ihre bisherige Berliner Kanzlei und zieht mit Mann und Kindern nach Köln. Dort wird sie künftig mit Wolfgang Heer in einer Kanzlei arbeiten.

Zu den Hintergründen des Wechsels möchte Sturm öffentlich nichts mehr sagen. Wie der „Tagesspiegel“ berichtete, hatte es in der Kanzlei rumort - der Kanzleigründer habe es als Belastung empfunden, sich immer wieder für das Zschäpe-Mandat rechtfertigen zu müssen. Kanzleigründer Axel Weimann betont allerdings, es habe keine „Anfeindungen“ innerhalb der Kanzlei gegeben.

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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Sturms Versuche, in einer anderen Berliner Kanzlei unterzukommen, blieben erfolglos. Ein Kollege habe von einem „Killermandat“ gesprochen. Auch bei den bei Vorstandswahlen der Vereinigung Berliner Strafverteidiger fiel Sturm durch. Vor diesem Hintergrund sieht der Umzug aus wie eine Flucht aus Berlin.

Am Donnerstag kam dann doch noch Unterstützung aus der Hauptstadt: Der Berliner Anwaltsverein erklärte Sturm seine „uneingeschränkte Solidarität“. Es sei „eine rechtsstaatliche Selbstverständlichkeit“, dass jeder Mensch das Recht auf professionelle Strafverteidigung habe, sagte der Vorsitzende des Anwaltsvereins, Ulrich Schellenberg. Wenn Anwälten „die professionelle Vertretung einer bestimmten Person zum Vorwurf gemacht werden könnte, würde der Rechtsstaat darunter leiden“.

Sturm sagt, sie freue sich über die Unterstützung. Aber die Entscheidung steht. An diesem Freitag zieht sie um. Die Website ist seit Donnerstag fertig. „Ich freue mich sehr auf die neue Kanzlei.“

dpa

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