Mursi ist kein Muslimbruder mehr 

+
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi

Kairo - Nach dem Sieg ihres Kandidaten Mohammed Mursi bei der Präsidentenwahl in Ägypten hat die konservativ-religiöse Muslimbruderschaft die Mitgliedschaft Mursis für beendet erklärt.

Dies gelte auch für das Verhältnis des gewählten Präsidenten zu der von der Bruderschaft gegründeten Partei Freiheit und Gerechtigkeit (FJP), erklärte der Generalsekretär der Muslimbruderschaft, Mahmud Hussein, nach ägyptischen Medienberichten vom Montag. „Wir haben damit unser Versprechen erfüllt, das wir für den Fall des Siegs unseres Kandidaten abgegeben hatten“, wurde Hussein zitiert.

Bereits am Sonntag hatte Mursi formell auf den Vorsitz in der FJP verzichtet, den er bis dahin innehatte. Die Wahlkommission hatte Mursi am selben Tag zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt.

Präsidentenwahl: Ägypter feiern Mursi

Präsidentenwahl: Ägypter feiern Mursi

In seiner ersten Rede als neu gewählter ägyptischer Präsident hatte Mursi mit einer „Botschaft des Friedens“ die Achtung aller internationaler Abkommen zugesichert. Er sei „ein Präsident für alle Ägypter“, sagte Mursi in der am Sonntagabend (Ortszeit) im Fernsehen übertragenen Rede. Als Geste an die Aktivisten des Volksaufstands gegen Ex-Machthaber Husni Mubarak im vergangenen Jahr würdigte der 60-Jährige die fast 900 Demonstranten, die seinerzeit getötet wurden. Ohne „das Blut, die Tränen und Opfer der Märtyrer“ hätte er es nicht bis zur Präsidentschaft gebracht, sagte Mursi.

Am Montag bezog Mursi das Büro des gestürzten Machthabers Mubarak in der Regierungszentrale in Kairo. Geplant seien Treffen und Konsultationen zur Regierungsbildung, sagte der Sprecher von Mursis Wahlkampfteam, Jasser Ali.

Knapper Sieg

Die ägyptische Wahlkommission hatte Mursi am Sonntag zum Sieger der ersten freien Präsidentschaftswahl in der Geschichte des Landes erklärt. Nach Angaben der Wahlkommission konnte sich der Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft bei der Stichwahl um das Präsidentenamt mit 51,7 Prozent der Stimmen knapp gegen seinen Herausforderer, den früheren Ministerpräsidenten Ahmed Schafik, durchsetzen. Die Zeitung der Muslimbruderschaft, „Freiheit und Gerechtigkeit“, titelte am Montag: „Das Volk schreibt Geschichte: Mursi Präsident von Ägypten“.

Auf die Bekanntgabe des Wahlsiegers folgten Glückwünsche für den neuen Präsidenten. Die USA bezeichneten die Wahl Mursis als Meilenstein auf dem Weg Ägyptens zur Demokratie. US-Präsident Barack Obama gratulierte Mursi in einem Telefongespräch zu dessen Sieg und stellte weitere Unterstützung für den ägyptischen Übergang zur Demokratie in Aussicht, wie das Weiße Haus mitteilte. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton würdigte in einer Erklärung den friedlichen Verlauf der Wahl und gratulierte Mursi. Sie sprach von einem historischen Moment für das Land und die Region.

Glückwünsche auch aus Deutschland

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle gratulierte Mursi zum Wahlsieg. In einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes über den Kurznachrichtendienst Twitter betonte er aber gleichzeitig, dass der Weg zu echten demokratischen Verhältnissen noch weit sei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung, dass Mursi „keine Mühen dabei scheuen wird sicherzustellen, dass das Volk Ägyptens seine Hoffnungen auf mehr Demokratie verwirklicht“, wie UN-Sprecher Martin Nesirky am Sonntag mitteilte.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, er hoffe, dass Ägypten nach der Wahl Mursis am Friedensvertrag mit Israel festhalten werde. Der Friedensnobelpreisträger und einer der Führer der ägyptischen Demokratiebewegung, Mohammed ElBaradei, drängte sein Land nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zur Einheit und zur gemeinsamen Arbeit an der Zukunft Ägyptens. Bewohner des von der islamistischen Hamas regierten Gazastreifens reagierten mit Freudenkundgebungen auf den Wahlsieg Mursis. 

Auf den neuen Präsidenten warten Herausforderungen

Auf Mursi warten in seiner Rolle als künftiger Staatschef mehrere große Herausforderungen, unter anderem muss er die angeschlagene Wirtschaft des Landes wieder in Gang bringen. Viele Ägypter haben sich hinter Mursi gestellt, weil sie in ihm den Mann sehen, der das Land endgültig vom alten System des gestürzten Machthabers Mubarak befreien könne. Mursi muss nun allerdings Befürchtungen entgegentreten, er wolle Ägypten zu einem islamistischen Staat machen, und beweisen, dass er die Öffentlichkeit über die Bruderschaft hinaus vertritt.

Mursi droht zudem eine neue Konfrontation mit dem weiterhin mächtigen Militärrat, der erst kürzlich die Machtbefugnisse des Präsidenten beschnitten hatte. Demnach ernennt der neue Präsident unter anderem nicht den Verteidigungsminister und muss auf den Titel „Oberbefehlshaber der Streitkräfte“ verzichten. Ein Wahlkampfsprecher Mursis sagte im Staatsfernsehen, der Vorsitzende des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi habe Mursi zu dessen Wahlsieg gratuliert. Beide wollten am (heutigen) Montag zu einem Treffen zusammenkommen, sagte der Sprecher Ahmed Abdel Attie.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare