G8: 7,3 Milliarden Dollar für Kinder und Mütter

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US-Präsident Barack Obama (l-r), der russische Präsident Dimitri Medwedjew, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron unterhalten sich am Freitag nahe Huntsville beim G8-Gipfel.

Huntsville - Der G8-Gipfel hat wenig Konkretes beschlossen. Nun bringt Gastgeber Kanada 7,3 Milliarden US-Dollar zusammen, um die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern in armen Ländern zu verbessern.

Im Kampf gegen Mütter- und Kindersterblichkeit in armen Ländern sammeln die G8-Staaten 7,3 Milliarden US-Dollar ein. Hilfsorganisationen reagierten bitter enttäuscht, dass die führenden sieben Industriestaaten und Russland (G8) nicht mehr als die umgerechnet rund 5,9 Milliarden Euro zusammengebracht haben. Die Vereinten Nationen (UN) etwa halten 24 Milliarden US-Dollar bis 2015 für notwendig.

Der erste Tag des G8-Gipfels war von Diskussionen über den richtigen Weg aus der Wirtschaftskrise bestimmt. Die USA und Europa fanden kein gemeinsames Rezept. US-Präsident Barack Obama verteidigte seine Politik staatlicher Konjunkturpakete auch auf Pump. Die Europäer beharrten auf ihrem Weg des Schuldenabbaus.

Die Staats-und Regierungschefs trafen sich in einem Luxushotel in Huntsville etwa 220 Kilometer nördlich von Toronto. In Toronto kommt heute der G20-Gipfel zusammen. Zu der Gruppe der Acht stoßen die “Chefs“ aus aufstrebenden Volskwirtschaften wie China, Indien und Südafrika. Auch in dieser Runde werden bis Sonntag Wirtschaftsthemen die zentrale Rolle spielen.

Der Gastgeber des Gipfelmarathons, Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper, hatte die Anregung, ein Programm gegen Mütter- und Kindersterblichkeit in der Dritten Welt aufzulegen. Harper betonte, die G8 würden dabei zusätzliche Mittel bereitstellen. Alle G8-Staaten hätten etwas beigetragen. Die USA wollen 1,3 Milliarden Dollar geben, Kanada etwa 1,1. Der deutsche Anteil wurde zunächst nicht beziffert.

Mit der Initiative sollen die zwei Millenniumsziele vorangebracht werden, den Tod von Kindern unter fünf Jahren bis 2015 um zwei Drittel zu reduzieren, bei Müttern um drei Viertel. Von allen der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsvorgaben bis 2015 hinken die Staaten bei diesen beiden Punkte am meisten hinterher.

Passend zum G8- und dem anschließenden G20-Gipfel können die USA schärfere Spielregeln für die Bankenbranche vorweisen. Die Vereinigten Staaten gehen damit - im Vergleich zu den anderen führenden Wirtschaftsnationen - in Vorlage.

Nicht einmal die Europäer, die nach dem dem Fast-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems im September 2008 harte Konsequenzen angekündigt hatten, sind hier annähernd so weit.

Unter dem Eindruck einer schwachen Konjunktur nannte Obama als sein wichtigstes Ziel “dauerhaftes und robustes Wachstums“, wie US-Regierungsbeamte berichteten. Sein Finanzminister Timothy Geithner forderte, die Nachfrage weiter auch auf Pump anzukurbeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beharrte darauf, die Schulden angesichts der anziehenden Wirtschaft abzubauen. Nur so könne die Weltwirtschaft nach der schweren Rezession dauerhaft gesunden. Wir haben jetzt aber auch wieder robuste Wachstumsraten“, sagte Merkel. “Deshalb ist es jetzt auch an der Zeit, die Defizite zu reduzieren“.

Aus US-Kreisen verlautete, dass Obama den Schuldenabbau auf dem Weg aus der Krise nicht rundweg ablehnte. “Ein Teil dieser Strategie ist die Reduzierung der Haushaltsdefizite“, hieß es.

Auch Merkel war bemüht, jede Schärfe aus der Debatte zu nehmen. Sie sprach von einer guten Atmosphäre. “Die Diskussion war nicht kontrovers und sie war von gegenseitigem großen Verständnis geprägt.“ Die Kanzlerin zeigte sich enttäuscht, dass die von ihr geforderte Bankenabgabe und eine Steuer auf Spekulationsgeschäfte international nicht durchzusetzen sind. Vor allem in der Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen der Erde (G20) sei die Ablehnung stark.

Harper organisierte den Widerstand gegen die Pläne. Auf seiner Seite sind unter anderem Brasilien und Australien. Die Länder sträuben sich, weil ihre Banken glimpflich durch die Krise kamen. Im Entwurf der G20-Abschlusserklärung ist von einer Bankenabgabe auch keine Rede. Kanada lässt sich den G8- und den G20-Gipfel in Toronto nach jüngsten Schätzungen etwa 1,24 Milliarden kanadische Dollar kosten - etwa 970 Millionen Euro. Die Spitzentreffen sind die größte Sicherheitsoperation in der Geschichte des Landes. 12 000 Polizisten werden allein in Toronto zusammengezogen.

dpa

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