ZDF-Talk

„Markus Lanz“: Manfred Weber mit emotionalem Auftritt – Publikum tröstet ihn mit Geste

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Manfred Weber zu Markus Lanz: „Es schmerzt.“

„Markus Lanz“: EU-Kommissionspräsident ist er nicht geworden. Jetzt geht Manfred Weber die Sache nochmal durch – und spricht von einem „großen Schaden“ für die Wähler.

Hamburg - Manfred Weber wirkt gefasst, reflektiert – und immer noch enttäuscht. In seinem ZDF-Talk führt Moderator Markus Lanz (50) den CSU-Politiker als Gast ein, „der gerade erfahren musste, wie brutal Politik sein kann, der nur einen Atemzug von einem der mächtigsten Ämter der Welt entfernt war“. Es gibt den Standard-Applaus, den es bei Lanz immer gibt, wenn der Moderator den Gast vorstellt.

Möglicherweise ist das aber auch der „Opfer-Applaus”, wie Manfred Weber mit einem Lächeln vermutet. Der 47-jährige Bayer wollte Kommissionschef werden, erhielt aber nach der Europawahl im Mai weder im EU-Parlament noch im Europäischen Rat eine Mehrheit. Jetzt wird die ehemalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Job ab November machen.

Manfred Weber (CSU) bei Markus Lanz (ZDF): „Es schmerzt“

„Es schmerzt. Es tut absolut persönlich weh. Ich habe heute vor einem Jahr ungefähr entschieden, diese Kandidatur anzustreben, bin durch Europa gefahren mit der Frage: Schadet ein deutscher Kandidat?“, sagt Weber. Das sei ja so die Frage gewesen, fährt er fort, wenn er eine Partei für ganz Europa vertreten wolle. Viele hätten ihn dann ermutigt: “Nein, Manfred, wir wollen für Personen werben”, berichtet er.

Nach der Europawahl habe es laut Weber bei vielen Menschen das Gefühl gegeben, dass das, was da abgelaufen war, nichts damit zu tun hatte, was vor der Wahl besprochen war. „Also vor der Europawahl den Menschen zu sagen, wer dann Europa führen soll“, konkretisiert der 47-Jährige. Wieder Applaus, der dürfte ihn ein wenig trösten. „Dieses Prinzip ist nicht umgesetzt worden und daher würde ich auch so weit gehen, dass Schaden verursacht worden ist.“

Lanz fragt im ZDF: Ist Macron Weber in die Parade gefahren?

Ein Einspieler zeigt später Manfred Webers „Lanz“-Besuch vom Februar. „Im Europäischen Parlament sind sich die Mehrheit der Fraktionen einig, dass keiner gewählt wird, der nicht vorher bei den Menschen sein Gesicht gezeigt hat”, sagte der CSU-Politiker damals und vollführte eine Geste vor seinem Gesicht. Jetzt hat Ursula von der Leyen den Posten, bemerkt Lanz spitz. „Das ist genau der Schaden, der entstanden ist, keine Frage“, sagt Weber – offenbar froh, dass Lanz sein Problem versteht.

Das war aber bei der Sache nicht das einzige Problem für Manfred Weber. Er hatte auch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron gegen sich. Der opponierte gegen die Einschränkung, dass nur einer der Spitzenkandidaten Kommissionspräsident werden kann – und hielt Weber offenbar nicht für qualifiziert. „Sie haben nie daran gedacht, dass Macron Ihnen irgendwann in die Parade fahren wird?“, fragt Lanz Weber. Beim Gipfel im rumänischen Sibiu habe Macron zum ersten Mal vor Journalisten argumentiert, dass es einen „erfahrenen“ Kommissionspräsidenten brauche, antwortet Weber. „Das wurde natürlich gegen mich adressiert.“ 

CSU-Politiker zu Lanz (ZDF): „Unheilige Allianz“ von Macron und Orban

Dann habe es eine „unheilige Allianz“ zwischen Macron, der das Konzept stoppen wollte, und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gegeben, „der von einem anderen Europa träumt“. Eva Quadbeck, Redakteurin der Rheinischen Post und ebenfalls in der Runde, lobt Weber: „Er ist einen Marathon gelaufen, hat ihn gewonnen, und am Ende bekommt Ursula von der Leyen die Medaille umgehängt“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe zeigen wollen, „wer die Hosen anhat“.

Doch Weber gilt als Mann der eher leisen Töne. So endet der Talk mit Markus Lanz dann auch versöhnlich. Er müsse sich eben selbst sagen, „okay, da gibt es jetzt Kräfte, die stärker sind als meine Ideen. Und deshalb muss ich damit auch leben, muss es akzeptieren - ohne dass ich meine Ideen dafür verrate”, sagt er. Er werde weiterhin für ein demokratisches Europa kämpfen.

Bei Markus Lanz (ZDF) erntet Gesine Schwan Kritik für ihre Kandidatur um den SPD-Vorsitz. Auch in der Partei ist sie umstritten.

frs

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