Hasselfeldt fordert Wulff-Erklärung

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Der Mensch: Gerda Hasselfeldt (61) leitet seit zehn Monaten die Landesgruppe – ist also Chefin der 44 CSU-Bundestagsabgeordneten. Die Oberbayerin hat damit ein Schlüsselamt in der Koalition, sitzt in allen wichtigen internen Runden dabei und bestimmt die Regierungspolitik mit. Hasselfeldt, von 1989 bis 1992 Bundesministerin, tritt eher leise auf, meidet Gepolter. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

München - Die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt fordert eine Erklärung von Bundespräsident Christian Wulff. "Zu all den Vorwürfen kann der Bundespräsident nur persönlich Stellung nehmen. Ich bin mir sicher, dass er das auch tut."

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Heute startet die CSU-Klausur in Kreuth. Drei Tage berät die Landesgruppe intern über die wichtigsten Fragen der Bundespolitik. Gäste sind unter anderem Verfassungsgerichtspräsident Voßkuhle, Top-Manager und der niederländische Regierungschef Rutte. Erstmals leitet Gerda Hasselfeldt die Klausur.

Wulffs politisches Leben in Bildern

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Der Bundespräsident steht im Feuer. Fanden Sie Wulffs drei Anrufe im Verlagshaus Springer klug?

Zu all den Vorwürfen kann der Bundespräsident nur persönlich Stellung nehmen. Ich bin mir sicher, dass er das auch tut.

Hätten Sie in vergleichbarer Lage auch zum Hörer gegriffen?

Ich will das nicht bewerten.

Politiker haben eine Vorbildfunktion. Was umschließt das?

Jeder Politiker, egal an welcher Stelle, wird von der Bevölkerung in die Verantwortung genommen. Dieser Verantwortung muss man nicht nur inhaltlich, sondern auch charakterlich gerecht werden. Darüber muss sich jeder Politiker im Klaren sein.

Wie lang noch hält die Unterstützung der Union?

Ich sehe hier kein Problem. Aber ich bleibe dabei: Der Bundespräsident muss zu allen Vorwürfen selbst Stellung nehmen.

Sie fahren nun weiter nach Kreuth. Einer der Gäste dort ist Parteichef Horst Seehofer. Er bleibt die ganzen drei Tage – weil er auf Sie aufpassen will?

Das ist nicht notwendig.

2011 hat es häufiger geknirscht zwischen Horst Seehofer und Ihrer Landesgruppe. Muss das Verhältnis repariert werden?

Wir sind eine eigenständige Gruppe innerhalb der Partei, auch innerhalb der Regierungskoalition. Unsere 44 Abgeordneten sind alle direkt gewählt und ihren Wählern gegenüber verantwortlich...

...nicht dem Parteivorsitzenden?

Er genießt große Akzeptanz bei allen. Das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Das wird dann eben ausgetragen.

Seehofer will Gauweiler und Guttenberg zurück in die erste Reihe holen. Teilen Sie die Sehnsucht nach Guttenberg?

Es kommt nicht darauf an, was ich gern hätte. Momentan ist nicht mal sicher, ob er zurückkehren will. Das kann er nur selbst entscheiden.

Tritt ihm die Landesgruppe die Spitzenkandidatur 2013 freudig ab?

Das steht momentan überhaupt nicht zur Debatte.

Für Seehofer schon.

Das entscheiden wir dann, wenn es ansteht. Die Liste stellen wir voraussichtlich im Frühjahr 2013 zusammen.

Braucht die CSU auch mehr Gauweiler?

Ich schätze seine Arbeit sehr. Es ist aber nicht so, dass nur er die bayerische Seele verkörpern würde. Die breite Vielfalt der Talente in der Landesgruppe ist der Reichtum der CSU.

Also würde es schon reichen, wenn er öfter zu den Sitzungen käme?

Das würde ich mir in der Tat wünschen.

Manchmal wird über Ihren engen Kontakt zur Kanzlerin gelästert. Sind Sie zu nah an Merkel, um ihr mal Contra zu geben?

Ich habe ein gutes Verhältnis zur Kanzlerin. Wir haben im Kabinett schon vor 20 Jahren zusammengearbeitet. Wenn wir unterschiedliche Meinungen haben, besprechen wir die in angenehmer Atmosphäre.

Sie, dazu Annette Schavan, Ilse Aigner – die Kanzlerin und eine kleine Schar Vertrauter regieren als engster Zirkel das Land. Ist es ein Vorteil, dass uns einflussreiche Frauen durch die Krise führen?

Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Es gibt auch eine ganze Menge männlicher Kollegen, die gut mit Angela Merkel und auch mit mir zusammenarbeiten. Meines Erachtens tut es jedem Gremium gut, wenn Frauen und Männer gemeinsam beraten und entscheiden. Die Kanzlerin hat gerade bei den Verhandlungen in Europa durch ihre uneitle, aber fachlich sehr fundierte Art starken Einfluss. Sie weiß, wovon sie redet, sie durchschaut schwierigste wirtschaftliche Fragen. Vor einem Jahr hat Europa noch über Schuldenbremse und automatische Sanktionen kontrovers beraten. Durch ihre Hartnäckigkeit hat Angela Merkel das jetzt erreicht.

Legen Sie die Hand dafür ins Feuer, dass es beim Veto der CSU gegen Eurobonds bleibt?

Ja. Eurobonds würden Länder mit hoher Bonität wie Deutschland durch höhere Zinsen bestrafen. Und jeder Spar-Anreiz für Schuldenmacher würde ausgehöhlt. Deshalb sind wir dagegen.

Sie waren als Landesgruppen-Chefin eine Joker-Lösung. Haben Sie Spaß am Amt gefunden?

Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen, das ist richtig. Und ich mache es sehr gern.

Über 2013 hinaus...?

Ich entwerfe keine Planungen für mich selbst in Bezug auf gewisse Ämter. Das habe ich nie gemacht.

Aber 2013 auszuscheiden aus der Politik...

...habe ich nicht vor.

Zusammengefasst von Christian Deutschländer

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