Weihrauch, Rosenwasser und Vanille: Ehepaar Wulff im Oman

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Das Ehepaar Wulff im Soug von Nizwa.

Nizwa -  Der Bundespräsident und seine Frau wollen im Oman Kultur und Menschen besser verstehen lernen. Das Land ist für Wulff ein wichtiger Vermittler im brodelnden Nahostkonflikt.

Bettina Wulff wirkt wie ein bunter Tupfer neben dem Weiß der Dishdashs, der traditionellen Männergewänder, und dem Schwarz der Umhänge der osmanischen Offiziellen. Im lilafarbenen Seidenkleid, die Knie in dem islamischen Land gut bedeckt, mit offenem blonden Haar und goldenen Ohrringen zieht die Präsidenten-Gattin im traditionellen Souq (Markt) von Nizwa die Blicke auf sich. Gemeinsam mit ihrem Mann Christian informiert sie sich über das Fort der alten Handelsstadt im omanischen Landesinnern, das Angebot der Markthändler und ihre Erfahrungen mit den Touristen.

Nachdem am Vorabend beim offiziellen Staatsbankett von Sultan Kabus zu Ehren der Gäste aus Deutschland noch Smoking angesagt war, ist der Bundespräsident leger gekleidet: Sakko, hellblaues Hemd, hellbraune Cordhose, die Krawatte passend zum Kleid seiner Frau. Das ist auch gut an diesem Ort: Im Sommer wird es in Nizwa leicht 50 Grad warm. Am Besuchstag zeigt das Thermometer Richtung 30 Grad - und das im omanischen Winter. Selbst die Sommerferien richten sich hier nach der Hitze: Ist es besonders unerträglich, beginnt die zehnwöchige schulfreie Zeit in dem Land einfach früher.

Sehr eindrucksvoll sei das Bankett gewesen, berichtet der Bundespräsident beim Eintreffen vor dem Fort von Nizwa, das für die Touristen professionell hergerichtet ist. Neben omanischer Musik seien viele deutsche Komponisten gespielt worden, Beethoven, Mozart und Schubert. Dazu habe es deutsches Liedgut gegeben - eine Referenz des Sultans an den Staatsgast aus Berlin. Teilnehmer berichten, es sei auch der Gassenhauer “Muss ich denn aus dem Städele hinaus“ gespielt worden, genauso wie polnische Polka, österreichische Märsche und schottische Dudelsackmusik.

Die Wulffs im Oman - Bilder von einer Reise wie in 1001 Nacht

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Sehr viel habe er an dem Abend über die Länder der Region und den Islam gelernt, sagt Wulff. “Oman ist vorbildhaft, wie man hier harmonisch lebt und in Frieden mit all seinen Nachbarn lebt. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Noch einmal würdigt er Sultan Kabus, der das Land seit 41 Jahren führt: Weil dieser so gute Verbindungen in den Nahen Osten, aber auch Richtung Pakistan und Afghanistan habe, sei es “sehr wichtig, (...) Einschätzungen zu erleben, insbesondere von einem so weisen Staatsmann, der über 40 Jahre vielfältige Kontakte pflegt und als Gesprächspartner geschätzt wird“.

Doch in Nizwa stehen für Wulff und seine Frau der Kontakt zum Volk und die Landessitten im Mittelpunkt. “Wir sind hier, um die Landeskultur kennenzulernen“, sagt der Bundespräsident und zieht seine Frau mit dem Pulk der Delegation und der Berichterstatter in das enge Museum des Forts. Ins Gästebuch schreibt er später: “Es ist ein sehr faszinierender Ort. Alles Gute.“

Eine Szene auf dem Platz vor der alten Festung dürfte Wulff gut gefallen haben. Vom örtlichen Fremdenführer will er wissen, für was sich die deutschen Touristen - sie stellen nach den Briten das zweitgrößte Besucher-Kontingent - so interessieren. “Für das kulturelle Erbe“, übersetzt Wulffs Führerin. Und vom 13-jährigen Ahmed will er wissen, wie lange er denn noch zur Schule gehe. In der neunten Klasse sei er, antwortet der Junge selbstbewusst, vier Jahre habe er noch vor sich. Aber sein Berufsziel steht schon fest: Pilot will er werden.

Wulff will Sternenhimmel genießen

Im alten Markt - er galt früher als der bedeutendste Silber- und Goldmarkt des südöstlichen Teils der Arabischen Halbinsel - haben die Wulffs dann eine Begegnung, die ganz in das Credo des Präsidenten von Entwicklung durch Bildung und Wirtschaftskontakte passt. Ein Händler und seine Söhne sprechen das Ehepaar auf Deutsch an, auch seine Karte hat der Mann mit deutschen Sätzen bedrucken lassen. Die Familie nehme wegen der Touristen aus der Bundesrepublik extra Kurse im Goethe-Institut, erklärt eine Begleiterin Wulffs. Safran bekommen die Wulffs geschenkt, Vanilleschoten, Rosenwasser und Weihrauch hätten sie bei dem Mann außerdem noch gekauft, sagt die Präsidenten-Gattin.

Für den Abend stand ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm: In einem Camp in der Wüste wollte das Paar auf Einladung des Sultans in einem Beduinenzelt übernachten. Schon auf der Anreise hatte Wulff von dem Abend geschwärmt - bei absoluter Dunkelheit wolle er unter dem Sternenhimmel den Tieren lauschen und die Stille genießen.

Immer wieder habe er bei seinen Gesprächen am Golf gehört, “dass man das Leben hier und die Einstellungen zur Natur und zum Leben nur verstehen könne, wenn man mal mit beiden Füßen am Boden die unmittelbare Naturerfahrung in der Wüste gemacht hat“, sagt Wulff. Und vergisst die romantische Seite nicht: “Es wird sehr kalt im Zelt - ich muss meine Frau wärmen.“ Die zeigt sich von der pragmatischen Seite: “Ich habe meine Wollsocken mit.“

dpa

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