Von Japan

Ehemalige Sex-Sklavinnen fordern Entschuldigung

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Estelita Basbano Dy von den Philippinen spricht am 02.06.2014 auf der asiatischen Solidaritätskonferenz zum Thema "Sexuelle Versklavung durch das Militä"" in Tokio (Japan).

Tokio - Japan will seine historische Verantwortung für das Leid von Zwangsprostituierten im Zweiten Weltkrieg nicht anerkennen. Doch die Opfer verstummen nicht: Sie wollen eine Entschuldigung.

Sri Sukanti war neun Jahre alt, als zwei bewaffnete japanische Soldaten vor ihrer Haustür auftauchten. Mit vorgehaltenen Waffen bedrohten sie ihre Eltern und entführten das Kind. Dann begann ihr Alptraum: Die Militärs brachten Sri in ein Haus im Zentrum der indonesischen Insel Java - wo sie von einem japanischen Soldaten vergewaltigt wurde. „Ein Militäroffizier namens Ogawa hat mich in ein Zimmer gesperrt und mehrmals vergewaltigt“, erinnert sich die heute 79 Jahre alte Frau.

Sri war eine von Japans sogenannten „Trostfrauen“. Historiker schätzen, dass etwa 200 000 Frauen aus Korea, China und anderen Ländern vom japanischen Militär vor und nach dem Zweiten Weltkrieg als Sex-Sklavinnen ausgebeutet wurden. Auf einer Konferenz in Tokio im Juni berichteten die Opfer von den Gräueltaten und fordern eine Entschuldigung der Regierung.

Doch die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe sieht keinen Anlass für eine Entschuldigung. Abe wies in der Vergangenheit wiederholt eine direkte Verantwortung des Militärs für angebliche Gräueltaten zurück. 1993 entschuldigte sich Regierungssprecher Yohei Kono erstmals für die Praxis. Zuletzt kündigte Japan jedoch an, man wolle prüfen, wie es zu Konos Entschuldigung gekommen sei. Kritiker werfen Japan vor, die eigene Kriegsgeschichte weißzuwaschen.

„Ich hatte vaginale Blutungen und meine Scheide war angeschwollen und so groß die Faust eines Erwachsenen. Ich habe geweint und geweint und nach meiner Mutter gerufen“, erzählt Sri. „Ich wollte sterben.“ Nach vier Tagen ließen sie die Soldaten gehen. In der Schule wurde sie von Lehrern und Klassenkameraden verspottet - als Mädchen, das mit einem „Affen“ geschlafen hatte. Damit war ihr Peiniger gemeint. Zur Schule ging sie seither nicht mehr.

„Diese Erfahrung hat mein Leben zerstört, mir Bildungschancen geraubt und mich in die Armut stürzen lassen“, sagt Sri. Heute wäscht sie Leichen, verdient aber nicht mal genug, um ihre Arztkosten zu zahlen. Zudem hätten die Vergewaltigungen sie so schwer verletzt, dass sie keine Kinder habe bekommen können.

Ende Juli teilte der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen der japanischen Regierung mit, dass solche gegen den Willen der Opfer begangenen Taten als Menschenrechtsverletzungen gewertet würden und Japan direkt verantwortlich sei. Der Ausschuss drängte Tokio, eine „öffentliche Entschuldigung und offizielle Anerkennung der Verantwortung“ auszusprechen.

Doch selbst einige führende Medien in Japan wollen von Verfehlungen der damals vom Militär dominierten Regierung und der Armee nichts wissen. Die angeprangerten Gräueltaten werden heruntergespielt oder ignoriert. „Die Regierung konnte keine Beweisen dafür finden, dass die Armee oder die Regierungsbehörden gewaltsam Trostfrauen rekrutiert haben“, berichtete Japans führende Tageszeitung Yomiuri in einem Leitartikel im August 2012.

„Ich bin ein lebender Beweis“, sagt hingegen Estelita Basbano Dy aus den Philippinen unter Tränen. 1942 hätten japanische Soldaten die damals 12-Jährige an den Haaren auf einen Laster gezogen und mit anderen Mädchen in eine Kaserne gebracht. „Sie haben mich in ein Zimmer geworfen. Dann hat mich ein Soldat vergewaltigt. Und dann noch einer. Ich habe geweint, aber sie haben nicht aufgehört.“

Beweise gibt es auch aus der Wissenschaft: Yoshiaki Yoshimi, Professor für moderne Geschichte an der Chuo Universität, und weitere Historiker haben seit 1993 mehr als 500 Dokumente gesammelt - 186 davon aus den Archiven des Verteidigungsministeriums. Sie belegten die direkte Verantwortung der damaligen Regierung oder des Militärs dafür, dass Frauen in Bordelle in ganz Asien verschleppt wurden, sagt Yoshimi.

Dy ist überzeugt: „Das japanische Militär hat Kriegsverbrechen begangen. Japan muss eine offizielle Entschuldigung abgeben, die Gräueltaten des Krieges in Lehrbüchern festhalten und Entschädigungen leisten.“

dpa

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