Bundestagswahl steht an

Münchner Direktkandidaten im Porträt - Die Senkrechtstarterin: Jamila Schäfer (Grüne)

Jamila Schäfer (Grüne) will in den Bundestag.
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Jamila Schäfer (Grüne) will in den Bundestag.

Die Münchner Grünen-Kandidatin Jamila Schäfer hat es schon in jungen Jahren zu einer steilen Karriere in ihrer Partei gebracht. Das Kandidatinnen-Portrait.

München - Heute eine Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gestern über Bürgerräte, vorgestern ein klimapolitischer Spaziergang an der Isar – Jamila Schäfer ist aktuell ständig auf Achse. In der Taktung geht es weiter, als sie an diesem Spätvormittag zwischen zwei Terminen zum Interview eilt. Schnell wird bei dem Gespräch klar: Es gibt eigentlich kein Thema, zu dem die junge Frau nichts zu sagen hätte. Jamila Schäfer – einmal in Fahrt – redet wie ein Buch. Aber nicht ohne Punkt und Komma, sondern wohl überlegt.

Bundestagswahl: Jamila Schäfer: „Man braucht Ausdauer, um etwas zu erreichen“

Für ihr Alter wirkt Jamila Schäfer reichlich abgeklärt – und hat es mit 28 Jahren bei den Grünen schon weit gebracht: Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei und wird aufgrund ihres vorderen Listenplatzes mit Sicherheit ins Parlament einziehen. Doch da gibt es ja noch einen ganz besonderen Anspruch: „Es hat mich schon als Kind gewurmt, dass unser Wahlkreis von einem CSU-Hardliner vertreten wird. Nun besteht erstmals seit langer Zeit die Option, diese Vorherrschaft im Münchner Süden* zu beenden“, sagt Schäfer. Sie selbst oder Sebastian Roloff von der SPD könnten der CSU das Direktmandat abjagen, das von 2002 bis 2013 viermal in Folge Peter Gauweiler und zuletzt 2017 Michael Kuffer holte.

Bundestagswahl: Münchnerin Jamila Schäfer hat bei den Grünen eine steile Karriere hingelegt

Ihr Karriereweg bei den Grünen verlief schon in jungen Jahren steil. Sie hat am Wahlprogramm mitgeschrieben, ist als stellvertretende Bundeschefin häufig in Berlin und nicht selten zu Gast in Talkshows. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Europa- und Entwicklungspolitik, der Bekämpfung von Rechtsextremismus sowie auf den Themen Flucht und Migration. „Aber ich hatte bislang noch nicht Gelegenheit, konkret Politik im Parlament mitzugestalten“, erklärt Schäfer. Dies sei für sie die Triebfeder gewesen, im Süden zu kandidieren. „Ich wollte in meinem Zuhause antreten, um konkret für die Leute vor Ort als politische Stimme in Berlin ansprechbar zu sein. Das ist für mich das Lebenselixier unserer Demokratie.“

Jamila Schäfer ist in Hadern aufgewachsen, dort zur Grundschule gegangen und lebt noch immer in dem Bezirk. Im Wahlkampf ist sie in Bürgersprechstunden präsent und tingelt – so weit es die Corona-Bestimmungen zulassen – mit Biergartentouren durch ihr Heimatviertel. Die Isar in Thalkirchen rund um den Flaucher ist ihr ans Herz gewachsen. Bei der Umweltpolitik und den Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel stellen, will die junge Kandidatin nicht locker lassen. Auch gegen den Widerstand von Lobbyisten, „die kein Interesse am Klimaschutz haben und unbedingt verhindern wollen, dass die Grünen an die Macht kommen“. Schäfer sagt: „Wir brauchen bei der Energiepolitik und bei der Mobilität die Veränderung, um unser Gemeinwesen langfristig zu stabilisieren.“

Bundestagswahl: Jamila Schäfer will sich für mehr Gestaltungsspielraum bei der Verkehrspolitik einsetzen

Wenn es um das Thema Menschenrechte geht, kann sich die 28-Jährige schon mal in Rage reden. Die Bundesregierung habe bei der Rettung vieler hoch gefährdeter Menschen in Afghanistan versagt, kritisiert Jamila Schäfer. „Da geht es um Menschenleben.“ Man sehe in Afghanistan, „wohin es führt, wenn die Prioritäten auf Abschiebequoten und nicht auf Menschenrechten liegen“. Diese Politik sei grausam und realitätsfern. Schäfer hat selbst Kontakt zu Menschen in Afghanistan und sagt, sie nerve das Auswärtige Amt ständig, damit festsitzenden Familien geholfen werde.

Im Berliner Bundestag will sie sich überdies dafür einsetzen, dass Kommunen mehr Gestaltungsspielraum bei der Verkehrspolitik und für eine gerechte Wohnungspolitik bekommen. Jamila Schäfer ist so sehr mit ihrer politischen Arbeit beschäftigt, dass bislang die Zeit fehlte, ihr Studium der Philosophie und Soziologie zu beenden. Ein kleines Ärgernis, das nach der Bundestagswahl* aber behoben werden soll. Dann wolle sie ihre Abschlussarbeit fertigstellen, sagt Schäfer. KLAUS VICK - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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