CSU-Abgeordneter ist Bestverdiener

So viel verdienen die Parlamentarier nebenbei

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Mindestens 11,6 Millionen Euro haben die Abgeordneten seit der letzten Wahl nebenbei verdient.

Berlin - Abgeordnete der CDU und CSU verdienen durch Nebentätigkeiten am besten. Das ergaben Berechnungen der Organisation Abgeordnetenwatch. Die Dunkelziffer liegt aber hoch.

Die Abgeordneten des Bundestags haben seit der letzten Wahl mindestens 11,6 Millionen Euro durch Nebentätigkeiten verdient. Diese Berechnung veröffentlichte die Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de am Montag. Am besten verdienen demnach Parlamentarier von CDU und CSU nebenher.

Die Organisation beruft sich in ihren Berechnungen auf die Selbstauskünfte der Politiker. Allerdings müssen die Abgeordneten die Höhe ihrer Nebeneinnahmen jeden Monat nicht auf den Euro genau, sondern nur in bestimmten Stufen angeben. Die unterste umfasst etwa den Bereich von 1000 bis 3500 Euro, die zehnte und höchste Stufe Einnahmen ab 250.000 Euro - ohne Obergrenze.

Den Berechnungen von abgeordnetenwatch.de zufolge sind die Einnahmen von 11,6 Millionen Euro seit Beginn dieser Legislaturperiode vor rund zweieinhalb Jahren somit nur die untere Grenze. Tatsächlich könnten die Abgeordneten demnach bis zu 21,4 Millionen Euro zusätzlich verdient haben.

Mehrere Millionen Euro bleiben im Dunkeln

"Dass mehrere Millionen Euro im Dunkeln bleiben, ist nicht hinnehmbar", erklärte der Geschäftsführer von abgeordnetenwatch.de, Gregor Hackmack. "Die Abgeordneten müssen endlich sämtliche Nebeneinkünfte offenlegen, und zwar vom ersten Euro bis zum letzten Cent." Die Organisation kritisiert auch, dass Einkünfte von weniger als 1000 Euro monatlich oder weniger als 10.000 Euro jährlich gar nicht angegeben werden müssen. Das gelte unter bestimmten Umständen auch für Rechtsanwaltshonorare sowie für Gewinne aus Unternehmensbeteiligungen.

Abgeordnetenwatch.de hat deswegen eine Petition mit dem Titel "Verschleierung von Nebeneinkünften stoppen!" gestartet. Darin werden die Bundestagsabgeordneten aufgefordert, ein "striktes Transparenzgesetz" zu beschließen, das die Offenlegung aller Nebeneinkünfte "vom ersten Euro bis zum letzten Cent sowie die namentliche Nennung aller Geldgeber" zur Pflicht macht.

Unterstützung für mehr Transparenz bis auf "Euro und Cent" kommt von der Grünen-Fraktion. "Bürgerinnen und Bürger müssen die Möglichkeit haben, zu erfahren, welchen Nebentätigkeiten Abgeordnete nachgehen", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann. "Nur so ist nachvollziehbar, ob Abgeordnete den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit tatsächlich auf ihr Mandat legen."

CDU und CSU verdienten am besten

Den Angaben von Abgeordnetenwatch zufolge erklärten 156 der 631 Abgeordneten, seit Beginn der Legislaturperiode außer ihrem Abgeordnetengehalt weitere Einkünfte aus Nebeneinnahmen bezogen zu haben. Die ersten elf Plätze bei den Höchstverdienern belegen demnach Politiker von CDU und CSU. Bestverdiener ist der CSU-Abgeordnete und Landwirt Philipp Graf Lerchenfeld mit Mindesteinkünften in Höhe von knapp 1,15 Millionen Euro. Im Gespräch mit "Spiegel Online" gab Lerchenfeld jedoch an, dass sein tatsächlicher Gewinn "wesentlich geringer" sei, da er unter anderem Ausgaben für Düngemittel, Saatgut und Personal habe.

Erst auf dem zwölften Platz liegt mit Peer Steinbrück der erste SPD-Vertreter mit Mindesteinkünften von 189.000 Euro. Als SPD-Kanzlerkandidat war Steinbrück wegen seiner vielen Nebeneinkünfte erheblich unter Druck geraten. Er hatte hunderttausende Euro an Rednerhonoraren kassiert, ehe seine Partei ihn zum Kanzlerkandidaten machte.

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Porträt zum CSU-Mann Graf Lerchenfeld, den Topverdiener im Bundestag

Der CSU-Landtagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld verdient am meisten.

Seine Familie hat einen Ministerpräsidenten hervorgebracht, Diplomaten, Hofbeamte und Ritter. Philipp Graf von und zu Lerchenfeld ist ein Vertreter des ältesten deutschen Uradels. Seit Freitag hat der CSU-Politiker, der seit 2013 im Bundestag sitzt, noch ein zusätzliches Attribut: Nach einer Übersicht des Politikportals abgeordnetenwatch.de ist er derzeit Topverdiener im Parlament, genauer: der Abgeordnete mit den höchsten Nebeneinkünften. Der stets korrekt gekleidete, vornehm-zurückhaltende Adlige war als Seiteneinsteiger in die Berufspolitik gekommen. 2003 zog er über die Liste erstmals in den bayerischen Landtag ein. Zehn Jahre später kandidierte er, weil er keinen eigenen Stimmkreis bekam, im Wahlkreis Regensburg für den Bundestag. Dort ist er nun seit 2013 Mitglied des Haushaltsausschusses. Und er ist - das freilich ganz nebenbei - Schatzmeister des relativ neuen FC-Bayern-Fanclubs im Bundestag.

Die Familie von Philipp Graf von und zu Lerchenfeld ist seit dem Jahr 1070 urkundlich bezeugt und lebt seit bald einem halben Jahrtausend auf Schloss Köfering bei Regensburg. Über Jahrhunderte spielten die Lerchenfelds eine wichtige Rolle im bayerischen Staate, in München ist heute sogar eine Straße nach ihnen benannt. Hugo Lerchenfeld war 1921/22 als Ministerpräsident von Bayern sozusagen ein Vorgänger des heutigen Regierungschefs Horst Seehofer. „Das war ein Vetter meines Urgroßvaters und der Vater meines Patenonkels“, erklärte Lerchenfeld einmal. Ein anderer Hugo Lerchenfeld war mit Otto von Bismarck befreundet und bis 1918 letzter Gesandter Bayerns am preußischen Hof in Berlin.

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater - und vor allem: selbstständiger Landwirt. Mit seinem Betrieb vermarktet er Kartoffeln und Zuckerrüben an diverse Firmen.

AFP/dpa

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