NDR-Moderator sorgt sich um Zukunft

Bewegender Brief an Merkel geht viral: „Seien Sie bitte auch meine Bundeskanzlerin“

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Michel Abdollahi verfasste einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Angesichts der aktuellen politischen Ereignissen in Deutschland hat der NDR-Moderator Michel Abdollahi einen Brief an die Bundeskanzlerin verfasst. Er veröffentlichte ihn daraufhin auf Facebook.

Berlin - Der NDR-Moderator und Journalist Michel Abdollahi hat Angst um die politische Lage in Deutschland. Mit einem emotionalen Brief, den er am 8. September auf Facebook veröffentlichte, richtet er sich persönlich an die Bundeskanzlerin und beschreibt Situationen, Menschen und Gefühle, die ihn besonders nach den Ereignissen in Chemnitz beschäftigen. Schnell wird klar: Zahlreiche Menschen haben derzeit Angst um ihre Heimat. Und deshalb hat er eine große Bitte an die Bundesregierung.

„Verehrte Bundeskanzlerin, sehr geehrte Bundesregierung, ich bin in großer Sorge um das Land und die Bevölkerung.“ Mit diesen Worten beginnt Michel Abdollahi seinen Brief an Angela Merkel und die Regierung. Er erzählt zunächst von Menschen, die in Deutschland täglich mit Rassismus zu kämpfen haben und ihm davon berichten. Sie schreiben ihm demnach, dass sie aufgrund einer anderen Hautfarbe „auf der Straße beleidigt“ oder „bei Behörden schikaniert“ werden. Er selbst habe das ganze meistens als „Spinnerei oder Überempfindlichkeit“ abgetan - bis jetzt.

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Aktuelle Ereignisse öffneten Michel Abdollahi die Augen

Besonders die letzten Ereignisse hätten dem Moderator schließlich die Augen geöffnet: „Aber seit den Ereignissen der letzten Zeit, seit der Enthemmung von Teilen der Bevölkerung, seitdem öffentlich ‚Absaufen! Absaufen!‘ skandiert wird, LKA-Mitarbeiter bei Pegida mitlaufen, KSK-Einheiten der Bundeswehr den Hitlergruß zeigen, Journalisten durch die Polizei an ihrer Arbeit gehindert werden, der Präsident des Verfassungsschutzes sich zu Verschwörungstheorien hinreißen lässt und der Bundesinnenminister die Migration als Problem bezeichnet, ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen mit Migrationshintergrund auch in ihrem Alltag diese Erfahrungen machen.“

Michel Abdollahi, der in Teheran geboren wurde, ist im Kindesalter mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Er erzählt von einem schönen Leben im Iran, das seine Familie aus großer Not heraus verlassen musste. „Wir kamen nicht hier her, um Deutschland kaputt zu machen. Wir kamen hierher, weil unsere Heimat kaputt gemacht wurde“, schreibt er ebenfalls in seinem Brief. Er erzählt, wie sie sich in Deutschland ein Leben aufgebaut, gearbeitet und Steuern gezahlt haben wie jeder andere auch. 

Die Worte des Bundesinnenministers seien wie ein Schlag ins Gesicht

Besonders deshalb appelliert der Journalist an die Bundeskanzlerin und macht deutlich: Die Regierung müsse aktiv handeln. Und genau das Gegenteil wirft er Bundesregierung vor. „Der Bundesinnenminister macht uns Menschen mit Migrationshintergrund zum generellen Problem. Er nennt uns die Mutter aller Probleme.“ Das wäre für alle Migranten, die sich in Deutschland ein Leben aufgebaut haben, wie ein Schlag ins Gesicht. Besonders diese Menschen hätten in der aktuellen Zeit Angst. Bei jedem Anschlag und jeder Straftat bete er bei der Meldung, dass es „kein Ausländer ist, damit der Hass sich am nächsten Tag nicht wieder gegen uns richtet“. Schließlich könne er nichts dafür, dass „sich einige Migranten in Deutschland nicht benehmen“ und ihren Ruf in den Dreck ziehen. 

In seinem Brief auf Facebook, der bis zum späten Montagnachmittag fast 8.000 Mal geteilt wurde, erklärt Michel Abdollahi weiter, warum er so enttäuscht von der Regierung ist. Es müsse sich dringend was ändern. „Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft und ob ich in diesem Land überhaupt noch eine Zukunft habe.“ Unter anderem teilt er mit, dass der Rechtsstaat in Deutschland seiner Meinung nach in Teilen gescheitert sei. Dass der Rechtsradikalismus unter anderem von „Zuständigen wie Justizbeamten“ unterstützt werde. Deshalb formuliert er in seinem Brief unter anderem eine wichtige Bitte an Angela Merkel: „Frau Bundeskanzlerin, seien Sie bitte auch meine Bundeskanzlerin, die Bundeskanzlerin aller Migranten in Deutschland, aller Menschen, die diesen Hass nicht wollen.“

Die Bundestagsabgeordneten von FDP, Linken und Grünen klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gemeinsam gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz.

Lesen Sie hier den News-Ticker aus dem Bundestag.

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