China: Ist Politiker-Frau in einen Mord verwickelt

+
Bo Xilai mit seiner unter Mordverdacht stehenden Frau Gu Kailai.

Peking - Diese Affäre erschüttert China: Die Frau eines Spitzenpolitikers soll in den Mord an einem britischen Unternehmensberater verwickelt sein. Hier erfahren Sie mehr:

Mord, Macht und Korruption - im Skandal um Chinas Spitzenpolitiker Bo Xilai und seine Frau tun sich Abgründe auf. Für die Partei wird die Affäre vor dem geplanten Führungswechsel zur Belastungsprobe.

Der Skandal um den Spitzenpolitiker Bo Xilai hat die chinesische Parteiführung in ihre schwerste Krise seit mehr als zwei Jahrzehnten gestürzt. Der “dringende Mordverdacht“ gegen seine prominente Frau Gu Kailai, die schon als “Chinas Jackie Kennedy“ beschrieben wurde, eröffnet ein weiteres, düsteres Kapitel in dem Polit-Thriller, der das Milliardenvolk seit zwei Monaten in Atem hält. “Wir warten jetzt auf die zweite Staffel“, sagt der bekannte chinesische Blogger Michael Anti. “Ich glaube nicht, dass sich die Leute in Hollywood eine solch dramatische Serie ausdenken können.“

Politiker und ihre Affären

Politiker und ihre Affären

Die 52-Jährige frühere Anwältin soll in den Mord an dem britischen Unternehmensberater Neil Heywood verwickelt sein. Sein Tod im November in einem Hotel in Chongqing war erst als Folge übermäßigen Alkoholkonsums vertuscht worden. Der 41-Jährige war ein enger Freund der Familie und hatte den Sohn Bo Guagua mit seinen Beziehungen nach England auf eine britische Eliteschule gebracht. Gerüchte in Hongkonger Medien, nach denen er das Vermögen der Familie ins Ausland geschleust oder sogar ein Verhältnis mit der Politikerfrau gehabt haben soll, wurden aber nicht bestätigt.

Seit Beginn des Skandals - schon im März wurde Bo Xilai wegen Korruptionsverdachts vom Amt des Parteichefs der Metropole Chongqing entbunden - wollen Beobachter aber wiederholt gezielte Indiskretionen entdeckt haben, die immer wieder neue Details der Affäre ans Licht brachten. Selbst die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb, Gu Kailai und ihr Sohn hätten “ein gutes Verhältnis“ zu Heywood gehabt. “Sie hatten aber einen Konflikt über wirtschaftliche Interessen, der sich verschärft hat.“ Ermittlungen hätten ergeben, dass der Brite ermordet worden sei. Die Politikerfrau und ein Mitarbeiter der Familie wurden unter Mordverdacht in Haft genommen. Vermutet werde ein Giftmord, heißt es.

Der schillernde Kriminalfall und der spektakuläre Sturz des 62-jährigen Bo Xilai, der jetzt wegen “ernster Disziplinarverstöße“ alle Parteiämter verlor, erweist sich als schwere Belastung für die Führung. Seit dem Machtkampf im Vorfeld der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 hat die kommunistische Führung wohl nicht mehr in solchen Schwierigkeiten gesteckt, sagen selbst chinesische Beobachter. Die sorgfältigen Vorbereitungen für den im Herbst geplanten, nur alle zehn Jahre stattfindende Generationswechsel an der Spitze der Partei wurden kräftig durcheinandergewirbelt.

Es ist vor allem ein schwerer Schlag für die “neue Linke“ in der Kommunistischen Partei. Wegen seiner “roten“ Kampagne und seiner linken Sozialpolitik in der 30-Millionen-Metropole Chongqing war Bo Xilai zur Galionsfigur der linkskonservativen Kräfte geworden, die mit seiner Hilfe ihren Einfluss ausweiten und sich gegen den marktorientierten Kurs der Reformer stemmen wollten.

“Die Versuche der Linken sind komplett fehlgeschlagen“, sagte der Politikprofessor Zhang Ming von der Volksuniversität in Peking am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. “Das Scheitern ist so dramatisch, dass ich davon ausgehe, dass unter den neuen Führern niemand wie Bo Xilai sein wird.“ Das Tauziehen um den Skandal hat nach seiner Ansicht zu einer Verschiebung zwischen den Lagern geführt: “Der Trend zur Reform wurde gestärkt“, glaubt Zhang Ming.

Wie ernst die Parteiführung die linken Unterstützer des populistischen Aufsteigers nimmt, demonstrierten das Parteiorgan “Volkszeitung“ und die Staatsmedien. In einem konzertierten Aufruf mahnten sie Einheit und Unterstützung für die “korrekte Entscheidung“ des Zentralkomitees an, ihn aus dem mächtigen Politbüro zu entfernen. Mit den Enthüllungen tritt die Partei die Flucht nach vorn an, um die Affäre möglichst schnell hinter sich zu bringen. Eile ist geboten: Bis zum Parteitag im Herbst, der den Generationswechsel besiegeln soll, “bleibt nicht viel Zeit“, sagte ein chinesischer Beobachter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare