Düsseldorfer Prozess deckt auf

Promis im Visier von Al-Kaida-Terroristen?

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Der Angeklagte Amid C. steht in Düsseldorf im Gerichtssaal des Oberlandesgericht.

Düsseldorf - Die mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen, denen in Düsseldorf der Prozess gemacht wird, sollen deutsche Prominente im Visier gehabt haben. Sie hatten sich die Namen von zwei TV-Größen vermerkt.

Prominente wie der Komiker Ingo Appelt waren möglicherweise im Visier der mutmaßlichen Düsseldorfer Al-Kaida-Terroristen. In ihren Notizen sind die Namen Appelts und vermutlich des ZDF-Moderators Markus Lanz vermerkt. Sie könnten wegen islamkritischer Äußerungen in den Blick von Al-Kaida geraten sein, sagte ein leitender Ermittler des Bundeskriminalamts am Montag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Die Namen sind mit Rechtschreibfehlern gespickt. So ist statt Lanz handschriftlich Lense notiert.

Auch der Name der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo, eines KSK-Brigadegenerals und eines Soldaten-Ausbilders der Isaf-Truppen seien dort vermerkt, außerdem der US-Truppenstandort im bayerischen Grafenwöhr.

Bauanleitung für Bombenzünder entdeckt

Die Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle soll einen Terroranschlag in Deutschland vorbereitet haben. So wurden Bauanleitungen für einen Bombenzünder bei den Angeklagten entdeckt. Der Ermittler sprach von einer „hohen Gefährdung“ der Öffentlichkeit, die von den Angeklagten ausgegangen sei. Der Gruppe habe ein Sprengstoffanschlag auf eine „große Menschenmenge“ in einer Stadt vorgeschwebt. Ein zweiter Sprengsatz sollte nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungskräften gezündet werden, um die Terrorwirkung zu verstärken. Auch der Bau eines Sprengsatzes mit Eisenteilen sei erwogen worden. Auf sichergestellten Datenträgern werden verschlüsselte Dateien vermutet. Das Ziel habe wohl noch nicht festgestanden, vermuten die Ermittler.

Auch ein Rohmanuskript für ein Bekennervideo sei sichergestellt worden. Der Hinweis auf die Zelle sei im November 2010 von Emrah E. gekommen, der sich telefonisch aus Pakistan als „Herr Schmitz“ beim BKA gemeldet habe. Gegen E. werde in anderer Sache ermittelt. Er habe auch vor einer Erstürmung des Reichstagsgebäudes mit Kriegswaffen und Sprengstoffwesten gewarnt. Daraufhin hatte die Bundesregierung Sicherheitswarnungen herausgegeben.

Verteidiger wollten Aussetzung des Prozesses erwirken

Mehrere Verteidiger hatten zuvor erneut die Aussetzung des Düsseldorfer Al-Kaida-Terrorprozesses verlangt. Einer der Angeklagten habe die Abhördateien auf dem ihm zur Verfügung gestellten Laptop aus technischen Gründen nicht anhören können, begründete einer der Anwälte am Montag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht den Antrag. Dies verletze sein Recht auf Akteneinsicht und mache eine effektive Verteidigung unmöglich.

In dem Verfahren müssen sich vier mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen verantworten. Sie sollen als „Düsseldorfer Zelle“ einen großen Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Die vier Angeklagten waren im vergangenen Jahr festgenommen worden.

dpa

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