Droht Ägypten blutiger Freitag?

Muslimbruderschaft ruft zu „Tag des Zorns“ auf

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"Tag des Zorns": In Ägypten droht ein blutiger Freitag.

Kairo - Die Muslimbruderschaft hat zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen, im Sinai greifen Militante Sicherheitsposten an. Das Militär versichert seine politische Neutralität.

Angesichts des von der Muslimbruderschaft ausgerufenenen „Tag des Zorns“ haben die ägyptische Streitkräfte alle Konfliktparteien des Machtkampfes aufgefordert, ihre Proteste friedlich vorzutragen. Auch die Muslimbruderschaft rief ihre Anhänger auf, friedlich gegen die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi zu demonstrieren. Auf der Sinai-Halbinsel griffen in der Nacht zum Freitag Militante Militär- und Polizeiposten an, ein Soldat wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen getötet.

In einer im Internet veröffentlichten Erklärung betonten die Streitkräfte ihre politische Neutralität. Es werde keine außergewöhnlichen oder willkürlichen Maßnahmen gegen irgendeine politische Gruppe geben, teilte Oberst Ahmed Mohammed Ali auf seiner offiziellen Facebook-Seite mit. Nach der Absetzung Mursis am Mittwochabend sind mehrere führende Mitglieder seiner Muslimbruderschaft festgenommen worden, auch Mursi selbst steht unter Hausarrest. Den Islamisten nahestehende Medien wurden geschlossen.

Ali betonte, die Streitkräfte und die Sicherheitsbehörden wollten sicherstellen, dass es zu einer „nationalen Versöhnung, konstruktiven Gerechtigkeit und Toleranz“ kommt. Er sagte nicht, wie dieses Ziel erreicht werden solle, betonte aber, dass nur friedliche Proteste geduldet würden. Er rief die Anhänger der Bewegung gegen Mursi auf, Angriffe auf Einrichtungen der Muslimbruderschaft zu unterlassen und einen „endlosen Kreislauf der Rache“ zu vermeiden.

Die Muslimbruderschaft rief zum (heutigen) Freitag zu einem „Tag des Zorns“ auf, um gegen die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi zu protestieren. Das Vorgehen der Streitkräfte sei ein Putsch gegen die Demokratie, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Mit dem am Donnerstag vereidigten Übergangspräsidenten Adli Mansur werde sie nicht zusammenarbeiten.

Mehrere Führungsmitglieder der Muslimbruderschaft riefen ihre Anhänger auf, die Proteste friedlich zu halten. „Wir erklären die völlige Ablehnung des Militärputschs gegen den gewählten Präsidenten und den Willen unserer Nation“, hieß es in der von dem Geistlichen Abdel Rahman el Barr vor einer Kairoer Moschee verlesenen Erklärung. „Wir lehnen es ab, an jeglichen Aktivitäten der umstürzenden Behörden teilzunehmen.“

Die Muslimbruderschaft verurteilte die Schließung ihr nahestehender Medien durch die Behörden als Praktiken „der dunklen, repressiven, diktatorischen und korrupten Zeiten“. Tausende seit Tagen vor der Moschee Rabia al Adawija versammelten Mursi-Anhänger wollten am Freitag zum Verteidigungsministerium marschieren.

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Die Muslimbruderschaft und ihr nahestehende islamistische Organisationen haben angekündigt, die Proteste zu intensivieren, sollte das Militär nicht einlenken. Zudem haben einige ehemalige militante Extremisten bereits geschworen, den Kampf aufzunehmen.

Bei Angriffen mutmaßlicher militanter Extremisten ist in der Nacht zum Freitag im Norden der Sinai-Halbinsel ein ägyptischer Soldat getötet worden. Drei weitere seien verwundet worden, verlautete aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Ihren Angaben zufolge wurden zwei Kontrollposten der Streitkräfte, eine Polizeiwache und der Flughafen El Arisch beschossen, auf dem Flugzeuge der Luftwaffe stationiert sind. Soldaten und Polizisten hätten das Feuer erwidert.

AP

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