Klage wegen Cheeseburger-Werbung

Zum Fastenbrechen verführt: Frau zieht vor Gericht – gegen McDonald‘s

Fast-Food-Riese McDonald‘s wird der Prozess gemacht. Grund dafür: Eine Cheeseburger-Werbung habe eine Russin dazu verführt, ihr religiöses Fasten zu brechen. 

Sibirien – Das bei den Cheeseburger-Werbeplakaten von McDonald‘s dem ein oder anderen das Wasser im Munde zusammenläuft, dürfte niemanden überraschen. Nun zog eine Frau aus Sibirien in Russland wegen eben dieser Plakate gegen die Fast-Food-Kette vor Gericht. Der Vorwurf: McDonald‘s habe sie zum Fastenbrechen verführt und ihr dadurch einen „moralischen Schaden“ zugefügt.

Restaurant:McDonald’s
Gründung:15. April 1955, San Bernardino, Kalifornien, Vereinigte Staaten
CEO:Chris Kempczinski (4. Nov. 2019–)
Gründer:Richard James McDonald, Maurice McDonald
Umsatz:21,08 Milliarden USD (2019)

McDonalds vor Gericht: Russin klagt – Zum Fastenbrechen verführt und „moralischen Schaden“ zugefügt: Russin zieht gegen McDonald‘s vor Gericht

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von unserem Hunger.“ So oder so ähnlich klingt die Geschichte von Ksenia Ovchinnikova aus Sibirien, die jetzt wegen Cheeseburger-Werbung gegen McDonald‘s vor Gericht zieht. Als sie im sibirischen Omsk spazieren war, fiel ihr ein Werbebanner für Chicken Nuggets und Cheeseburger auf. Prompt würde die Russin auf den sündigen Fleischpfad gelockt – was wohl für die Effizienz der Werbung spricht. Während man bei McDonald‘s allerdings noch für den fleischigen Genuss zahlen muss, bekommen vollständig geimpfte Kunden bei Peter Pane ein Menü*, bestehend aus Burger, Fritten und einem Getränk, geschenkt.

Das Werbeplakat von McDonald‘s habe „ihre religiösen Gefühle verletzt“ und sie gezwungen, die nächste Filiale aufzusuchen. „Ich habe einen Monat lang gefastet, aber nachdem ich die Werbung gesehen hatte, konnte ich nicht mehr anders. Ich besuchte einen McDonald‘s und kaufte einen Cheeseburger. Ich bitte das Gericht, dies zu untersuchen, und, falls ein Verstoß gegen den Verbraucherschutz vorliegt, zu verlangen, dass McDonald‘s mich für meine moralische Kränkung entschädigt“, heißt es laut „The Times“ in der Beschwerde. Die Forderung: 1000 Rubel, was umgerechnet etwa 11,50 Euro entspricht.

Eine Russin zieht gegen McDonald‘s vor Gericht, da deren Werbung sie zum Fastenbrechen verführt haben soll. (24hamburg.de-Montage)

Ksenia Ovchinnikova, die nach Angaben der „Times“ zur Glaubensgemeinschaft der Russisch-Orthodoxen-Kirche, deren Anhänger 40 Tage im Jahr fasten, gehört, beruft sich dabei auf das Gesetz zur Kriminalisierung von Handlungen, die „die religiösen Gefühle von Gläubigen beleidigen“. 

Allerdings ist dies nicht der erste Skandal rund um Fast-Food-Gigant McDonald‘s. In den USA warfen 52 schwarze, ehemalige Franchisenehmer dem Unternehmen Rassismus vor und verklagten die Burger-Kette auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz*. In Großbritannien hingegen kündigten alle Mitarbeiter mitten in ihrer Schicht.

Verbot von Fast-Food-Werbung: Großbritannien zeigt wie‘s geht

Während die Fast-Food-Kette selbst zu den Vorwürfen schweigt, nutzen zahlreiche russische Politiker den Fall, um sich für das seit langem gefordertes Verbot von Fast-Food-Werbung einzusetzen. So sagte Vitali Milonov, ein konservativer Abgeordneter des russischen Unterhauses, der Nachrichtenagentur Moskva, dass „Fast Food im Hinblick auf den Schaden, den die Menschheit sich selbst zufügt“, nicht weniger schädlich sei als Zigaretten. 

Ein Unterfangen, das auch in Großbritannien und Deutschland nach dem Werbeverbot für Tabak immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Im Rahmen einer Kampagne gegen Übergewicht soll in Großbritannien Fernsehwerbung für ungesundes Essen wie Süßigkeiten, Limo oder Burger ab 2022/23 nur noch zwischen 21:00 Uhr und 05:30 Uhr gezeigt werden. Der Grund: Kinder sollen so vor „ungesunder Werbung“ geschützt werden.

Ein Vorstoß, der auch bei „Foodwatch“ auf Begeisterung trifft. „Unternehmen wie McDonald‘s, Coca-Cola und Nestlé machen mit bunten Verpackungen, TV-Werbespots und beliebten Social-Media-Influencern gezielt Marketing an Kinder“, so Saskia Reinbeck. Damit werden die Bemühungen zahlreicher Eltern, ihren Kindern eine ausgewogene Ernährung beizubringen, torpediert. In Harburg hingegen wird das beliebte ungesunde Essen als Impfanreiz verwendet: Dort gibt es ein Gratis-McMenü zum Impfen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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