Osnabrücker Zoo erlebt Höhenflug

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Für dieses Jahr rechnen die Verantwortlichen mit einem Plus von 100 000 Besuchern

Osnabrück - In der aktuellen Wirtschaftskrise gibt es auch Gewinner. Die Zoos etwa können derzeit über Besuchermangel nicht klagen. Statt zum Urlaub ins Ausland zu fahren, machen viele Deutsche lieber im eigenen Land Tages- oder Wochenendausflüge.

„Den Leuten sitzt vielleicht das Geld nicht mehr so locker in der Tasche, andererseits ist ein Zoobesuch allemal billiger als ein Flug nach Mallorca oder in die Karibik - und das Schweinegrippe-Risiko ist auch kleiner“, heißt es vom Verband Deutscher Zoodirektoren.

Ein deutscher Tierpark verzeichnet besonders hohe Zuwächse: der Osnabrücker Zoo. Gerade erst haben die Niedersachsen mit der Eröffnung eines „unterirdischen Zoos“ für Aufsehen im In- und Ausland gesorgt, schon laufen die Arbeiten für den nächsten Coup: Um ein Drittel soll der Tierpark vergrößert werden und damit in die erste Liga der deutschen Zoos aufsteigen.

Für dieses Jahr rechnen die Verantwortlichen mit einem Plus von 100 000 Besuchern

Laut Geschäftsführer Andreas Busemann hat der Osnabrücker Zoo seine Besucherzahl seit 1998 bereits von 400 000 auf 750 000 steigern können. Für dieses Jahr rechnet Busemann noch einmal mit einem Plus von über 100 000. Damit würde der Osnabrücker Zoo nur noch knapp hinter den Großzoos in Münster und Hamburg liegen.

In den nächsten Jahren will man in Osnabrück 15 Millionen Euro in die Hand nehmen, um den Zoo um- und auszubauen. Zehn Millionen Euro entfallen allein auf „Takamanda“, eine Afrika-Landschaft, die derzeit südlich vom bisherigen Zooareal entsteht. „Das ist das größte Bauprojekt in unserer 70-jährigen Geschichte“, sagt Direktorin Susanne Klomburg.

Bei einem Rundgang über die Baustelle für Takamanda wirkt Klomburg sichtlich zufrieden. Die Arbeiten lägen voll im Zeitplan, erfährt sie vom Bauleiter. Gerade ziehen die 40 Arbeiter auf der Baustelle die Wände für das neue Schimpansenhaus hoch. Überall wird gehämmert und geschweißt. Zwischen Ostern und Pfingsten kommendes Jahr soll Takamanda eröffnen.

Die Osnabrücker Schimpansen wissen noch nicht, dass sie von den 5,5 Hektar Afrika in Niedersachsen den Löwenanteil bekommen. Noch müssen sich die neun Menschenaffen einen rund 100 Quadratmeter großen Gitterbau aus den 60er Jahren teilen, der so manchen Besucher an ein Gefängnis erinnert. Ab 2010 können sich die Schimpansen dann auf 2700 Quadratmeter naturnah gestaltetem Gelände austoben.

Dieses Erdmännchen könnte bald in der Afrika-Landschaft eine neue Heimat finden.

Die Tiergehege in der Afrika-„Erlebniswelt“ sollen laut Klomburg beinahe gitterfrei sein. Die Abgrenzung von den Besuchern erfolge durch Wasser, Hecken und versteckte Barrieren. Betreten werden die Besucher die Anlage über einen Baumkronenpfad in mehr als vier Metern Höhe. Der weitere Weg soll wie bei einer Safari durch eine afrikanische Savanne führen, vorbei an Wasserläufen und Bambussträuchern. Links und rechts sollen die Besucher die Tiere an Wasserlöchern, in einer Graslandschaft oder auf einem Hügel entdecken können - so das Konzept.

Außer den Schimpansen wird Takamanda noch knapp einem Dutzend weiterer afrikanischer Arten ein neues zu Hause bieten. Besonders großen Raum soll auf dem Gelände ein Baumhausdorf einnehmen. „So etwas gibt es bislang in keinem anderen Zoo“, sagt Geschäftsführer Busemann. Geplant sind mehrere Hütten, die durch oberirdische Röhren verbunden sind und anderem ein Restaurant beherbergen. Ein zwischen den Hütten gespanntes Höhentrampolin und ein Streichelzoo mit afrikanischen Haustierrassen soll Kindern Spielspaß bieten.

Während der Bau in vollem Gang ist, laufen in der Verwaltung schon die Planungen für das übernächste Großprojekt - eine Taiga-Landschaft für die nordeuropäischen Tierarten. Ähnliches plant derzeit auch der größte Tierpark Niedersachsens, der Zoo Hannover. Dieser wurde in den vergangenen Jahren ebenfalls mit Millionenaufwand umgestaltet. Auch in Hannover geht der Trend zu naturnah gestalteten „Erlebniswelten“. 2010 ist die Eröffnung der kanadischen Themenwelt „Yukon Bay“ vorgesehen.

Von Guido Heisner, dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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