Zeugnistelefon: Schlechte Noten halten wir aus

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„Mein Eindruck ist, dass die gesellschaftliche Bedeutung vor allem des Abschlusszeugnisses zugenommen hat“, sagte Lutz Kruse, Psychologe der Niedersächsischen Landesschulbehörde in Lüneburg.

Lüneburg - In der Schule zu versagen ist für viele Kinder die größte Angst. Besorgte Schüler und ratlose Eltern können zum Ferienstart das Zeugnistelefon der niedersächsischen Landesschulbehörde anrufen. Auch schlechte Noten haben ihr Gutes, sagt Psychologe Kruse.

Der Leistungsdruck in der Gesellschaft und die Bedeutung des Zeugnisses sind nach Auffassung von Psychologen in den vergangenen Jahren gewachsen. „Mein Eindruck ist, dass die gesellschaftliche Bedeutung vor allem des Abschlusszeugnisses zugenommen hat“, sagte Lutz Kruse, Psychologe der Niedersächsischen Landesschulbehörde in Lüneburg, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der 39-Jährige ist auch für das Zeugnistelefon seiner Behörde zuständig. Dort können besorgte Eltern und Schüler anrufen. „Vor allem Erziehungsberechtigte rufen an, seltener die Schüler selbst. Die Zeugnisse sind dabei oft nur der Einstieg in allgemeinere Fragen: Wie geht es weiter? Wie kann ich ein Sitzenbleiben verhindern? Muss mein Kind die Schule wechseln?“

Auch bei den Anrufen von Schülern ginge es oft um allgemeinere Fragen, sagte Kruse. Beliebt sei aber unverändert: Wie soll ich es meinen Eltern sagen? „Ich würde mir einen guten Zeitpunkt aussuchen, wann ich es den Eltern sagen kann“, riet Kruse. Eltern sollten vor allem gut zuhören, betonte der ausgebildete Familientherapeut. „Wichtig ist auch, das Positive in den Vordergrund zu stellen, etwa eine gute Note oder die geleistete Arbeit, auch wenn diese nicht den gewünschten Erfolg hatte. Dann sollte man konstruktiv nach Lösungsmöglichkeiten und realistischen Zielen suchen.“

„Nächstes Mal wird es besser, daran arbeiten wir gemeinsam - auch mit der Schule“, das sollten die Eltern signalisieren. „Dann gilt es, Lösungspläne zu erstellen und zu schauen: Was passt zu meinem Kind?“ Wichtig für konzentriertes Arbeiten sei auch, einen ungestörten Ort zum Lernen zu schaffen, in kleinen Lernschritten vorzugehen und Verständnis für die Rückschläge des Kindes zu haben. „In der Regel ist es sinnvoll, zum neuen Schuljahr gemeinsam mit den verantwortlichen Lehrern nach Stärken und Schwächen des Kindes zu suchen und welche Möglichkeiten es gibt, die Leistungen zu verbessern.“

Eltern müssten sich dabei ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. „Was ich lerne und wie ich lerne hat ganz viel mit den fürs Kind wichtigen Personen zu tun“, sagte Kruse. „Neben einer guten Beziehung zum Kind ist auch ein konsequentes Erziehungsverhalten wichtig. Schule ist nicht nur ein Spaß, da geht es auch um Disziplin.“ Das Kind dürfe aber nicht überfordert werden, die eigene Motivation müsse erhalten bleiben.

Aus einem schlechten Zeugnis könne sogar Positives erwachsen, sagte Kruse. „Das ist eine Gelegenheit für Zuwendung. Jetzt gilt es Vertrauen aufzubauen und zu signalisieren: Das halten wir aus, wir halten auch in schwierigen Zeiten zusammen - das ist doch eine tolle Botschaft!“ dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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