Hochwasser legt Wolfenbüttel lahm

Katastrophenalarm statt Schreibtischarbeit

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Das Hochwasser beschäftigt die Einsatzkräfte in Wolfenbüttel.

Wolfenbüttel - Eigentlich hätte Guido Einem seinen Tag an einem Schreibtisch verbracht. Jetzt steht der 51-Jährige in der Innenstadt von Wolfenbüttel. Ein Schlauch läuft aus dem Feuerwehrwagen Richtung Gullydeckel. Die Stadt hat Katastrophenalarm ausgerufen.

Guido Einem ist bei der freiwilligen Feuerwehr und seit morgens um fünf im Einsatz. Er und seine Kollegen pumpen mittlerweile seit Stunden Wasser ab. Erst aus den Kellern der Häuser in der Straße und dann aus der Kanalisation. Die schlammige Brühe der Oker steht zum Teil knietief am Rande der historischen Altstadt, obwohl es gar nicht mehr regnet. Die Sonne scheint zwischendurch.

Nach den Überschwemmungen im Harz drückten die Wassermassen in die kleineren Flüsse weiter nördlich. In Wolfenbüttel stieg der Pegel der Oker rasend schnell. Eine Garage sei innerhalb von fünf Minuten so voll gelaufen, dass die Feuerwehr dem Besitzer nicht rechtzeitig habe helfen können, sagt Jörg Koglin, Leiter des Katastrophenschutzstabes.

Guido Einem im Einsatz.

Nicht helfen zu können, sei eine sehr enttäuschende und ungewöhnliche Situation für die Feuerwehrleute. „Natürlich tut uns das sehr leid für die Menschen“, erklärt Koglin am Vormittag. Man sei an die Grenzen der Kapazität gestoßen, bestätigt Thomas Pink, Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel, bei einer Pressekonferenz.

Das tagelange Hochwasser in Teilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts bedeutet für die Helfer von Technischem Hilfswerk (THW), Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz (DRK) sehr viel Arbeit und gleichzeitig wenig Schlaf. Detlev Gliese, stellvertretender Stadtbrandmeister der Stadt Wolfenbüttel, hat seinen Leuten am Freitag einen „Ruhetag“ verschafft. Teilweise waren die Helfer vor Ort zwanzig Stunden auf den Beinen.

Kay Wagener ist Zugführer bei der Feuerwehr.

„Normalerweise erwische es einen Ort“, erklärt Kay Wagener, Zugführer der Kreisfeuerwehrbereitschaft Salzgitter. Jetzt sei gleich eine ganze Region betroffen gewesen. „Zwei Stunden habe ich heute zwischendurch geschlafen“, sagt Wagener. Er und einige seiner Kollegen aus Salzgitter sind erst in Hildesheim im Einsatz gewesen, dann am Donnerstagabend noch bis 22 Uhr im Rhüden im Harz. Am Freitag dann der Alarm aus Wolfenbüttel. Auch heute wird sein Team wohl zwölf Stunden im Einsatz sein.

Damit sich die vielen Helfer auch zwischendurch ausruhen können, hat das DRK in einer Veranstaltungshalle eine Versorgungsstation eingerichtet. Vier Mahlzeiten am Tag, 150 Feldbetten. Doch nur wenige nutzen das Angebot. „Rund dreißig Helfer haben von Donnerstag auf Freitag hier geschlafen“, beschreibt DRK-Rettungssanitäterin Christiane Pottgießer. Viele Feuerwehrleute aus der Umgebung fahren zum Übernachten wieder zurück nach Hause.

Land unter an der Stadt an der Oker.

Auch die Menschen in Wolfenbüttel sorgen für Verpflegung. Statt Gulasch oder Eintopf hat die Feuerwehr in der Innenstadt zum Beispiel frisch geschmierte Brötchen und Süßigkeiten bekommen. „In den Läden in der Innenstadt hat schon jemand Pizza für uns gebacken“, erzählte Feuerwehrmann Guido Einem. Viele Menschen seien auch extra auf sie zu gekommen und hätten sich bedankt. „Eben kam jemand vorbei, der hatte einen großen Karton mit Müsliriegeln bei sich und oben drauf stand „Vielen Dank, dass ihr da seid“, beschreibt Wagener lächelnd.

Der Pegelstand in Wolfenbüttel ging am Freitag langsam zurück. Das Wasser läuft weiter Richtung Norden. Für die Feuerwehrleute ist die Arbeit dann noch lange nicht vorbei. Das Grundwasser drückt noch immer durch Kellerböden. Viele Straßen sind verschlammt. Für Guido Einem ist das Helfen allerdings selbstverständlich: „Es wäre ja schlimm, wenn es keiner machen würde.“

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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