Erneuerbare Energien

Windkraft: Niedersachsen geht bei Windrad-Bau beispielhaft voran

Der Ausbau von Windkraft in Niedersachsen geht voran, während besonders ein Bundesland hinterherhinkt, nur: Reicht die Windenergie durch Windräder aus?

Hannover – In der Debatte um erneuerbare Energien spielt die Windkraft eine entscheidende Rolle, erst heute traf sich der Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) deshalb in Bayern mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Der Ausbau in Bayern läuft besonders schleppend – anders als in Niedersachsen: Laut dem Bundesverband Windenergie und dem Fachverband VDMA Power Systems ist das Land von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Vorreiter bei der Förderung von Windenergie. Das ändert aber nichts daran, dass bundesweit die Zahl der Windräder weiterhin zu wenig ist.

Name:Stephan Weil
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt: Ministerpräsident Niedersachsen

Windenergie: Beim Bau von Windrädern ist Niedersachsen Vorreiter – auch Brandenburg fördert Windkraft und baut neue Windkraftanlagen

Gute Nachrichten für Stephan Weil (SPD): In seinem Bundesland wurden im letzten Jahr neben Brandenburg die meisten Windräder gebaut. Niedersachsen, wo die Lage in der Corona-Pandemie angespannt bleibt, errichtete im vergangenen Jahr 104 neue Windkraftanlagen, genauso viele waren es in Brandenburg. Fast dreiviertel der neuen Anlagen wurden im Jahr 2021 in nur vier verschiedenen Bundesländern gebaut, dazu gehören neben den beide Spitzenreitern beim Ausbau von Windkraft auch Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Nachdem der Zubau 2019 insgesamt eingebrochen war, ist nun das zweite Jahr in Folge ein Zubau zu verzeichnen. Im regionalen Vergleich werden große Unterschiede zwischen den Bundesländern deutlich – das flächenmäßig größte Land schneidet bei der Windenergie besonders miserabel ab. Die Zahl der neuen Windkraftanlagen in Bayern ist desaströs.

Kaum mehr als ein Windrad: Ausbau der Windkraft vor allem in Bayern schwach – Habeck trifft Söder zum Gespräch über Windenergie

Es ist kein Zufall, dass sich der Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck heute auf den Weg nach München machte, um dort mit Ministerpräsident Markus Söder über Windkraft zu reden – in seinem Bundesland wurden kaum Windräder gebaut. Bayern steht nicht gut dar, gegenüber der Kreiszeitung erklärte der energiepolitische Sprecher der Grünen im bayrischen Landtag Martin Stümpfig „Wir sind jetzt leider in Bayern nach gut sieben Jahren 10H-Regelung auf dem Nullpunkt angelangt.“. Er sieht im Ausbau der Windenergie auch Vorteile für Verbraucher beim Strompreis.

Windkraft: Niedersachsen baut mehr Windräder als die meisten Bundesländer. Auch Brandenburg ist Vorreiter bei der Windenergie.(Archivbild)

Die Zahl der neuen Windkraftanlagen liegt kaum über einem Windrad: In Bayern kamen lediglich acht neue Anlagen dazu, das ist nicht nur gemessen an der Größe des Bundeslandes ein katastrophaler Wert. Martin Stümpfig fordert im Gespräch mit der Kreiszeitung eine Vervielfachung dieser Zahl, er sagt „Zielsetzung wären in Bayern jedes Jahr 150 bis 200 Windräder“. Das wären im Bundesland von Markus Söder mindestens 142 mehr, als letztes Jahr. Neben Bayern schneiden das Saarland und Sachsen am schwächsten ab, nimmt man die Stadtstaaten heraus. Zuletzt warnte Robert Habeck vor verfehlten Klimazielen, die Politik muss reagieren.

Es fehlt an Windrädern: Ausbau der Windkraft laut dem Bundesverband Windenergie immer noch zu niedrig

Über die Gesamtsituation der Windkraft fällt der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, gegenüber der dpa ein klares Urteil: „Der Zubau steigt, allerdings nur regional und insgesamt mit zu geringem Tempo“. Mittelfristig könnte das zu Versorgungsunsicherheit führen, warnt der Geschäftsführer von VDMA-Power Systems Dennis Rendschmidt. Auch Robert Habeck hatte bei seinen Gesprächen in München erklärt, er werbe auch aus Sorge um die nationale Versorgungssicherheit für die Windkraft in Bayern. Es fehlt nicht nur an dem ein oder anderen Windrad.

Insgesamt wurden in Deutschland 484 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1925 Megawatt gebaut. Im Vergleich zum vorhergegangenen Jahr erhöhte sich der sogenannte Bruttozubau um 35 Prozent. Da allerdings auch Anlagen wieder außer Betrieb genommen werden, liegt der Nettozubau deutlich geringer, bei 1692 Watt, Niedersachsen macht dabei einen großen Anteil aus. Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck, gegen den ein Verfahren wegen Veruntreuung läuft, will den Ausbau jetzt beschleunigen.

Windkraft auf See steht vor Problemen: Ausbau von Windenergie „wird eine Herkulesaufgabe“

Auch der Ausbau von Windkraft in Nord- und Ostsee steht vor verschiedenen Problemen, die bisher noch nicht gelöst sind. Die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Karin Kammann-Klippstein sprach von einer „Herkulesaufgabe“. Der geplante Ausbau auf 70 Gigawatt (GW) kann nur schwer erreicht werden. Dabei spielen auch Nutzungskonflikte eine Rolle.

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Laut Koalitionsvertrag sollen zehn Prozent an Fläche frei sein von schädlicher Nutzung, sie sind damit für Naturschutzgebiete reserviert. Weitere Meeresflächen werden vom Militär genutzt oder aber durch die Landwirtschaft. Hinzu kommt die völkerrechtliche Verpflichtung, internationale Schifffahrtswege offenzuhalten. Laut Kammann-Klippstein sind diese Faktoren zusammengenommen Hindernisse für die Bebauung mit Windrädern, sie sagt, es müsse politisch entschieden werden, wessen Interessen das Nachsehen haben sollen. Sowohl auf dem Land als auch auf hoher See: Die Windenergie liefert auch abseits von Bayern Diskussionspotential.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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