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Wie 007: Mit dem Smartphone das Auto einparken – dank 6G

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Von: Andree Wächter

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Funklöcher gehören irgendwie zu Deutschland. Will man aber die Leistung des Mobilfunkstandards 6G ausnutzen, müssen sie geschlossen werden.

Wie man ein Auto per Mobiltelefon steuert, das wissen alle James-Bond-Fans seit 1997. In „Der Morgen stirbt nie“ steuert der Agent des MI6 in einem Hamburger Parkhaus seinen BWM per Telefon – inklusive diverser Waffensysteme. Rund 35 Jahre später könnte diese Fiktion Realität werden. Autosteuerung und autonomes Fahren sind Anwendungsbeispiele für den geplanten Mobilfunkstandard 6G. Der große Unterschied zu 5G: Eine bessere Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

Geschwindigkeit 6G1 Terabit/s
5G150 Mbit/s. bis ca. 10 Gbit/s
4G21,6 bis 500 Mbit/s
3G7,2 bis 42,2 Mbit/s (HSDPA)

Bis der Mobilfunkstandard 6G flächendeckend ausgerollt sein wird, wird es noch dauern – zumindest in Deutschland. Hier wird aktuell mit dem Mobilfunkstandard 5G gekämpft. In vielen (ländlichen) Regionen ist er immer noch nicht verfügbar. Die aktuellen Smartphones von Apple, Samsung und Huawei haben den 5G-Standard aber schon serienmäßig an Bord. Pikant: In der 6G-Forschung sind deutsche Institute gut aufgestellt. Experten rechnen ab 2030 mit einem flächendeckenden 6G-Netz – ob Deutschland dabei sein wird, ist noch unklar.

Bei 6G geht um eine möglichst schnelle Kommunikation zwischen Mensch und Maschine – ohne Verzögerung, so sicher und nachhaltig wie möglich: „Das vor allem wird beim Mobilfunkstandard 6G wichtig sein“, sagt Frank Fitzek, Professor und der Leiter des „Deutschen Telekom-Lehrstuhls für Kommunikationsnetze“ an der TU Dresden im Juni 2021. Schon lang forscht Fitzek zum Mobilfunkstandard 5G. Bald kommt eine neue Aufgabe dazu: An den Technischen Universitäten in Dresden und München soll unter seiner Leitung ein neues Zentrum zur Erforschung der 6. Mobilfunkgeneration entstehen. Der Name: „6G-life“.

Mobilfunkstandard 6G: Forschung in Thüringen

Die Forschung am kommenden Mobilfunkstandard 6G findet auch in Thüringen statt. An der Technischen Universität (TU) in Ilmenau wird derzeit etwa zu einer möglichen Strahlenbelastung geforscht. Die Entwicklung einer keramischen Natrium-Batterie als umweltschonendem stationären Energiespeicher soll in Hermsdorf vorangetrieben werden. Dort eröffnete Ende September ein neues Forschungszentrum des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme.

Auch das Thema autonomes Fahren bewegte die Thüringer Forschungslandschaft. In Gera fuhr im Spätsommer der autonome Kleinbus „Emma“ durch die Innenstadt und beförderte rund 1700 Fahrgäste. Auch in Ilmenau wurde ein ähnliches Projekt vorbereitet, das durch die Technische Universität vor Ort begleitet werden sollte.

Ein Auszubildender arbeitet im Daimler-Ausbildungszentrum in einem neuen Industrie-4.0-Labor an einer virtuellen Schweißmaschine.
Ein Auszubildender arbeitet im Daimler-Ausbildungszentrum in einem neuen Industrie-4.0-Labor an einer virtuellen Schweißmaschine. © Foto: Christoph Schmidt/dpa

Für alle Speedjunkies wird 6G ein wahres Fest. 6G soll rund 100-mal schneller sein als 5G, mit Downloadraten von bis zu 1 Terabit pro Sekunde – also schneller als herkömmliche Glasfaserkabel. Vor allem die Verzögerung soll ein Zehntel der bisherigen Zeit betragen, was wichtig wäre für selbstfahrende Autos, Drohnentaxis, Computerspiele, Operationen oder Virtual-Reality-Anwendungen. Die Experten sind sich einig: 6G muss mehr werden als ein 5G-Plus. Und 6G ist deutlich mehr als ein reiner Handy-Standard.

Mit 6G wird ein nie da gewesenes Verschmelzen von realer und virtueller Welt ermöglicht, schreibt Spiegel-Online. So könnten Arbeiter in einer Fabrik demonstrieren, wie man ein Bauteil montiert; ein Sensor würde ihre Bewegungen über 6G exakt aufzeichnen und in Bruchteilen von Sekunden zu einem Roboter auf einem anderen Kontinent übertragen, der dort die Montage wiederholt. „Digital Twin“ wird dieses Konzept genannt, digitaler Zwilling. Chirurgen könnten mit einem derartigen Doppelgänger zum Beispiel Fernoperationen am anderen Ende der Welt durchführen.

Thema auf der MWC: Mobilfunkstandard 6G

6G ist auch eines der Themen auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona. Sie läuft noch bis zum 3. März. Laut Spiegel-Online soll dort über die nächste Mobilfunkgeneration verhandelt werden. Im gleichen Artikel sagt Sławomir Stańczak: „6G existiert noch nicht, aber es wird auf jeden Fall kommen.“ Er ist Professor für Informationstheorie am Heinrich-Hertz-Instituts (HHI) in Berlin.

Bis die ersten 6G-Masten stehen, müssen noch einige technische Hürden übersprungen werden. Die hochfrequenten Wellen haben nur eine geringe Reichweite. Für ein flächendeckendes Netz würden viele Funkmasten benötigt. Mit seinem Team arbeitet Stańczak deshalb an technischen Tricks, um das zu vermeiden. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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