Weil Mitarbeiter an Streik teilnahmen

Weihnachtsgeld: Edeka und Primark kürzen Bonus für Angestellte

In den Ästen eines Christbaumes liegen verschiedene Euro-Scheine. Über ihnen hängt eine rote Christbaumkugel.
+
Weil sie an einem Streik teilnahmen, wurde Mitarbeitern von Edeka und Primark das Weihnachtsgeld gestrichen.

Wegen der Teilnahme an Streikaktionen haben Edeka und Primark in Niedersachsen nach Gewerkschaftsangaben zahlreichen Angestellten das Weihnachtsgeld gekürzt.

Hannover – Wegen der Teilnahme an Streikaktionen haben zwei Handelsketten in Niedersachsen nach Gewerkschaftsangaben zahlreichen Angestellten das Weihnachtsgeld gekürzt. Und das in Zeiten, in denen im Bundesland eine Art Corona-Chaos herrscht und niemand mehr so genau weiß, welche Corona-Regeln in Niedersachsen eigentlich noch gelten und dennoch 2G-Plus beinahe flächendeckend die Norm ist. Betroffen seien etwa 150 Mitarbeitende des Unternehmens Edeka Minden-Hannover und des Textilhändlers Primark in Hannover, teilte die Gewerkschaft Verdi am Montag mit. Die Kürzungen beliefen sich demnach auf bis zu 300 Euro brutto.

Unternehmen: EdekaPrimark
Hauptsitz:HamburgBoston, Massachusetts, Vereinigte Staaten
Umsatz:67,1 Milliarden USD (2019)7,79 Milliarden GBP (2019)
CEO: Markus Mosa (1. Mai 2008–)Paul Marchant (13. Sept. 2009–)
Anzahl der Beschäftigten:381.000 (2019)73.000 (2017)

Edeka und Primark kürzen Weihnachtsgeld: „Strafmaßnahme umgehend zurücknehmen“

„Wir fordern die Unternehmen auf, diese Strafmaßnahme umgehend zurückzunehmen“, sagte Sabine Gatz, die Landesfachbereichsleiterin Handel von Verdi in Niedersachsen und Bremen. Die Belegschaften hätten sich bei ihren Streiks in der Tarifrunde im Sommer wegen Corona noch zurückgehalten. Es dürften nicht einzelne für ihren Einsatz für die Kollegen bestraft werden. Während Kunden sich bei Discountern und Supermärkten wie Aldi, Lidl, Penny oder Rewe fragen, ob 5D eine neue Corona-Regel ist, sich auf einen möglichen Teil-Lockdown mit verschärften Kontaktbeschränkungen einstellen müssen oder sich besondere Gedanken machen, wie man die Weihnachten möglichst sicher gestalten kann, schlagen sich einige Edeka- und Primark-Angestellte mit ganz anderen Problemen herum.

Edeka und Primark kürzen Weihnachtsgeld: Verdi soll Ausgleichsgeld bezahlen

Eine Unternehmenssprecherin von Edeka Minden-Hannover bestätigte die Angaben nicht, verwies aber auf den Tarifvertrag mit Verdi. Danach werde Weihnachtsgeld nur für jeden vollen Monat der Beschäftigung bezahlt. Streiktage zählten wie andere unbezahlte Fehltage nicht als Arbeitszeit. Deshalb erlösche für diese Monate der Anspruch auf Weihnachtsgeld. Noch drastischer fällt die Forderung aus, dass ungeimpftes Pflegepersonal keinen Corona-Bonus erhalten sollen, während andere Arbeitnehmer für eben so einen Corona-Bonus vorgesehen sind.

Die Gewerkschaften seien verpflichtet, Streikausfallgeld zu zahlen, sagte die Edeka-Sprecherin. „Von daher gehen wir davon aus, dass auch beim entfallenen Anteil des Weihnachtsgelds die Gewerkschaften das Ausfallgeld zahlen.“

Eine Sprecherin von Primark sagte, das Unternehmen zahle seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Sonderzahlung für jeden vollen Monat, den sie im Betrieb tätig waren. „Zeiten, für die kein Anspruch auf Arbeitsentgelt besteht, werden nicht angerechnet.“ Aussagen, die bei der aktuellen Corona-Lage im Bundesland und den Irrwegen der Politik in der Hoffnung einen sichern Kurs durch die vierte und fünfte Welle mit Omikron anzusteuern.

Weihnachtsgeld gekürzt: Weg von der Corona-Lage hoffen Angestellte von Edeka und Primark auf Gewerkschaft Verdi

Die neue Omikron-Virusvariante ist bereits in Niedersachsen „angekommen“ und eine der Hauptursachen dafür, dass der Landkreis Verden sich in einem rasanten Tempo zu Niedersachsens Corona-Hotspot entwickelt hat. Da hilft an Weihnachten nur noch Testen, während die Hoffnungen bei den Primark und Edeka-Angestellten wohl nur auf der Gewerkschaft Verdi ruhen dürften.

Edeka und Primark kürzen Weihnachtsgeld: „Formulierungslücke“ – Regelung existiert nur in Niedersachsen

Verdi gestand ein, dass es im Tarifvertrag für Niedersachsen eine – wie es hieß – „Formulierungslücke“ gebe. Sie ermögliche es, die Kürzungen für Zeiten von unbezahltem Urlaub oder Langzeiterkrankungen auch auf eine Streikteilnahme anzuwenden. Allerdings hätten die Seiten in den Tarifverhandlungen mündlich vereinbart, dies nicht so zu handhaben. Die Regelung existiere im Einzelhandel bundesweit ausschließlich in Niedersachsen, teilte Verdi mit.

Eine Regelung, die deutlich aufzeigt, dass niedersächsische Arbeitnehmer vor Weihnachten sich nicht nur mit der angekündigten Weihnachtsruhe inklusive Warnstufe 3, dem Wirrwarr um 2G im Einzelhandel und dem gekippten Corona-Urteil mit 2G bei Friseuren auseinandersetzen müssen, sondern abseits von Öffnungszeiten an Weihnachten im Supermarkt und dem falschen Gericht als Festtagsschmaus noch einiges unerfreuliches auf dem Weihnachtszettel haben. (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Kommentare