Wehmut und Spaß bei Weihnachtsfeier im Kinderheim

+
Die Heimbewohner Julia (v.l.), Robert, Steven und Jasmin sitzen vor einem Adventskranz im Kinder- und Jugendheim Limmer in Hannover. Während die meisten Kinder der Bescherung unter dem Weihnachtbaum zu Hause mit Eltern und Geschwistern entgegenfiebern, müssen einige das Fest im Kinderheim feiern.

Hannover - Während die meisten Kinder der Bescherung unter dem Weihnachtbaum zu Hause mit Eltern und Geschwistern entgegenfiebern, müssen einige das Fest im Kinderheim feiern.

Traurigkeit erwischt fast alle im Kinder- und Jugendheim Limmer in Hannover irgendwann in diesen Tagen - die gute Stimmung in der Gruppe und die liebevolle Vorbereitung der Feier lassen schlechte Stimmung aber schnell verfliegen. Gewalt, Missbrauch, suchtkranke Eltern oder Schulverweigerung - das sind Gründe, warum Jasmin, Steven, Sanna und Jelena Weihnachten 2009 nicht daheim feiern können. „Unsere Kinder mussten schon viele Verletzungen ertragen“, sagt Heimleiterin Silvia Schröder.

„Einige Kinder gehen tagsüber nach Hause und abends wird im Kinderheim gemeinsam Abendbrot gegessen“, sagt Lehrer Martin Schlegel. Diejenigen, die im Heim bleiben, gehen morgens in die Kirche. Abends feiern fast alle gemeinsam unterm Baum, singen Weihnachtslieder, packen Geschenke aus - eben wie in einer ganz normalen Familie. Der Unterschied zu „draußen“: „Wir müssen hier nicht wie zu Hause bis zu einer späten Uhrzeit auf die Geschenke warten“, sagt die 15-jährige Jasmin. „Die bekommen wir hier früher.“

„Vor allem bei Neuankömmlingen herrscht Traurigkeit zu Weihnachten“, sagt Schlegel. Aber nicht nur bei denen schwingt Wehmut mit. „Klar sind die Kinder auch ein wenig traurig, dass sie nicht in der Familie sind“, sagt die 15-jährige Sanna. Aber sie zieht das Heim der Familie vor. „Ich hatte Stress mit meinen Eltern. Es war ganz hohes Konfliktpotenzial da und es gab auch andere Vorgeschichten“, erzählt die 15-jährige Jelena. Zurück nach Hause, das kommt für sie nicht infrage.

„Die Vorweihnachtszeit finde ich hier viel schöner als zu Hause. Es wird schon am 1. Dezember alles dekoriert, zu Hause haben wir eine Woche vor Heiligabend angefangen zu schmücken“, sagt Jelena. Es herrsche eine gute Stimmung im Heim. Außerdem sei es lockerer und entspannter als zu Hause. „Es ist wie eine ganz normale Familie hier, nur das alles viel größer ist“, sagt sie. „Der Nikolaus war zum Beispiel hier mit lustigen Gedichten“, sagt der 14-jährige Steven. Er wohnt seit elf Monaten mit 20 anderen Kindern unter dem Dach des Kinderheims Limmer.

Dieses Weihnachten erlebt Steven eine Premiere. „Ich bin Buddhist und meine Familie hat bisher kein Weihnachten gefeiert“, sagt der 14-Jährige. „Ich freue mich auf alles und über die Geschenke.“ Ein Kartenspiel mit Monstern steht bei ihm auf der Wunschliste ganz oben. Was zu Weihnachten aufgetischt wird, das dürfen die Kinder auch bestimmen. „Wir können auf einer Liste unsere Wünsche eintragen“, sagt Sanna. Dieses Jahr gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen.

Wenn ihre Mitschüler hören, dass die vier im Heim leben, sind sie erstaunt darüber. „Die fragen dann, “du wohnst im Heim?““, sagt Jasmin und äfft die Fragenden nach. „Die denken, wir bekommen nichts zu essen und haben nichts.“ Das einzige was schlimm sei, sei das frühe Zubettgehen, sagt Steven. Die Uhrzeit sei altersabhängig. Steven muss sich um 21.30 Uhr aufs Ohr legen. „Meine Freunde sagen, “oh mein Gott, diese Zeiten“. Die gehen um 23 Uhr ins Bett.“

Wie es bei den Mitschülern an Weihnachten zugeht, wissen sie nicht genau. „Hauptsächlich sind muslimische Kinder in der Klasse. Aber ein paar von ihnen feiern auch Weihnachten mit Baum und Geschenken“, sagt Jelena.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare