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Wegen Überlastung: Viele Ärzte in Niedersachsen erwägen Berufswechsel

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Von: Yannick Hanke

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Ärzte am Rande ihrer Belastungsgrenze: Leider auch 2022 immer noch Realität. Laut einer Umfrage würden viele der Überlasteten einen Berufswechsel nicht ausschließen.

Hannover – Völlig übermüdet, total gestresst – die Arbeit als Klinikarzt ist nicht immer einfach. Das zeigt die Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Ob Frust, Überlastung oder Schlafstörungen, die Klinikärzte in Niedersachsen sehen sich immer wieder mit großen Problemen konfrontiert, welche die Arbeit natürlich auch beeinträchtigen können. Die Ergebnisse im Überblick.

Klinikärzte in Niedersachsen laut Umfrage überlastet – 40 Prozent würden Berufswechsel erwägen

Für seine Umfrage hat der Marburger Bund vom 20. Mai bis zum 19. Juni 2022 angestellte Ärzte in Niedersachsen online befragt. Ausgewertet wurden landesweit rund 1300 Antworten. Die Befragung hatte das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) übernommen. Die Fragen lauteten beispielsweise „Wie beurteilen Sie Ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen?“ oder „Erwägen Sie, Ihre ärztliche Tätigkeit ganz aufzugeben?“.

Ein Arzt guckt erschöpft aus dem Fenster.
Viele Ärzte in Niedersachsen erwägen einen Berufswechsel, da ihnen die Belastung zu viel wird. © imago/Symbolbild

Laut den Ergebnissen der Umfrage würden circa 40 Prozent der Befragten einen Berufswechsel grundsätzlich nicht ausschließen. Das hätte die am Dienstag, 13. September 2022, vorgestellte Erhebung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund ergeben. 67 Prozent der Befragten würden demnach die Arbeitsbedingungen bemängeln. Knapp die Hälfte von ihnen würde mehr als 49 Stunden pro Woche arbeiten und fast ein Drittel hätte angegeben, vom Arbeitgeber keine Möglichkeit der Zeiterfassung zu erhalten.

Arbeiten am Limit: Klinikärzte in Niedersachsen häufig überlastet – „frustrierender und zermürbender Zustand“

„Das Gesundheitssystem muss grundlegend reformiert werden“, fordert deshalb Hans Martin Wollenberg, Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen. Verändert hat sich seit 2020, als die Umfrage erstmals durchgeführt wurde, augenscheinlich also nicht viel. Davon zeugen die verschiedenen Antworten:

Für mich ist es ein frustrierender und zermürbender Zustand, wenn ich mich in meiner Arbeit als Ärztin zwischen meinem und dem Gesundheitszustand des Patienten entscheiden muss.

Aus einer Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund

Schon 2020 musste bilanziert werden, dass viele Klinikärzte in Niedersachsen am Limit arbeiten. Ihnen machten demnach Arbeitsbelastung, Zeitdruck sowie bürokratische Aufgaben zu schaffen. Damals erklärten 45 Prozent der Befragten, häufig überlastet zu sein. Neun Prozent wären damals ständig über die eigenen Grenzen hinaus gegangen.

Auf ganz Deutschland bezogen: 25 Prozent der Klinikärzte ziehen Berufswechsel in Betracht

Aktuelle, bundesweite Ergebnisse der Befragung wurden erst im August 2022 vorgestellt. Im Bundesdurchschnitt würde es etwa ein Viertel der circa 8500 befragten Klinikärzte in Betracht ziehen, den Beruf zu wechseln. Laut Umfrage würde deren faktische Wochenarbeitszeit im Schnitt bei deutlich über 50 Stunden liegen. Ein Fünftel der Befragten hätte gar von 60-Stunden-Wochen berichtet.

„Man schuftet nur noch und wird irgendwann krank, weil man dem ganzen Druck nicht mehr standhalten kann“, hieß es in diesem Kontext von einer Medizinerin. Oder aber: „Man arbeitet für zwei Personen. Man hat nie Pause. Man hetzt von einer zur nächsten Aufgabe und priorisiert ständig neu, da laufend neue Tätigkeiten zur To-do-Liste hinzukommen“. (mit Material der dpa)

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