Ohne Zeit nach Ostern wird es eng

Corona-Lockdown: Wann öffnen Zoos und Tierparks?

Zoos und Tierparks warten auf das Ende des Lockdowns, die Coronakrise schadet der Branche stark. Wann und wie geht es weiter?

  • Der Corona-Lockdown wird bis zum 7. März verlängert, das trifft auch Zoos.
  • Betreiber von Zoos und Tierparks hoffen auf eine Wiedereröffnung zu Ostern.
  • Die Deutsche Tierpark Gesellschaft fordert ein verlässliches Öffnungsszenario von Zoos.

Update vom 23. Februar: Die Zoos in Deutschland wollen im März wieder öffnen. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungen der Bundesländer betonte der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), dass im Falle sinkender Infektionszahlen und angesichts des Lockdown-Stress in vielen Familien die Zoos einen sicheren Ausgleich bieten könnten.

„Im letzten Jahr haben wir gezeigt, dass wir unseren Gästen mit unserem umfassenden Hygienekonzept einen unbeschwerten Besuch im Tiergarten bieten können“, teilte VdZ-Vizepräsident und Direktor des Nürnberger Tiergartens, Dag Encke, am Dienstag mit. Zurzeit sind nach VdZ-Angaben nur die Zoos in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und dem Saarland geöffnet.

Update vom 22. Februar: Mit steigenden Temperaturen steigen sonst auch die Besucherzahlen in Tierparks und Zoos. Mit dem Lockdown müssen diese aber weiterhin - vorerst bis 7. März - geschlossen bleiben. Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft (DTG) fordert jedoch ein verlässliches Öffnungsszenario. Das gute Wetter bringt die Menschen mehr an die frische Luft zum Spaziergang. Gert Emmrich. Präsident der DTG, hatte bereits erklärt, dass er einen Zoobesuch als nicht anders zu bewerten sieht, als einen Spaziergang an der frischen Luft. „Besser noch als im Wald, wir haben funktionierende Hygienekonzepte“, sagte er.

Ursprungsmeldung vom 21. Februar: Niedersachsen -  Keine Besucher, nirgends: Die etwa 30 Zoos und Tierparks in Niedersachsen und Bremen überwintern derzeit ohne zahlende Gäste, hoffen aber, zum Ostergeschäft wieder starten zu können. „Ich gehe in meinen Planungen davon aus, dass wir bis März noch geschlossen bleiben“, sagt der Geschäftsführer des Osnabrücker Zoos, Andreas Busemann. Die Kosten laufen für die Zoos weiter: Die Tiere müssen weiterhin betreut werden, auch die Energiekosten sind im Winter hoch, sagte Busemann. Insofern tue seinem Zoo die derzeitige Schließung weh.

Bund und Ländern einigten sich, den geltenden Shutdown grundsätzlich bis zum 7. März zu verlängern. Das gilt auch für Zoos und Tierparks in Niedersachsen, aber auch wie es danach weiter geht ist - Stand Ende Februar - unklar. Der wirtschaftliche Hintergrund der Tierparks, Zoos und Wildgehege als Grundlage zum Überleben der Krise ist derzeit sehr unterschiedlich, erklärt Nils Kramer. Er leitet den Tierpark Nordhorn.

Für den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr, der die Zoos ums wichtige Geschäft an Ostern und Christi Himmelfahrt gebracht hat, habe das Land ein abgestimmtes Hilfsprogramm vorgelegt. „Das hat sehr gut und sehr fair geklappt“, sagt Kramer. Aus diesem ersten Lockdown seien die Zoos mit einem blauen Auge davongekommen. Aber die jetzige Schließung sei länger als im vergangenen Frühjahr, das sei eine große Herausforderung. Sollte die Schließung noch über Ostern hinaus andauern, könnte es für einige Einrichtungen schwer werden.

Viele Zoos und Tierparks hoffen auf ein Wiedereröffnen zu Ostern.

Hinter dem Tierpark Nordhorn stehen kommunale Gesellschafter, das gilt auch für den Zoo Hannover und den Zoo Bremerhaven im Bundesland Bremen. Nils Ismer hingegen betreibt in Wagenfeld (Kreis Diepholz) den Tierpark Ströhen, ein Familienunternehmen mit 30 Mitarbeitern. Daneben hat seine Familie noch eine Landwirtschaft und ein Arabergestüt. Sein Betrieb sei breit aufgestellt, das helfe durch die schwere Lage. Ansonsten aber zehre er von den Reserven, die er aufgebaut habe. Auch er hofft auf eine Öffnung zu Ostern. „Wenn es länger dauern würde, hätten wir ein Problem.“ Bereits im Dezember hatte sich Betreiber Irmer unglücklich gezeigt über die anhaltende Schließung seines Tierparks.

DTG fordert verlässliches Öffnungsszenario für Zoos

Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft (DTG) fordert derweil ein verlässliches Öffnungsszenario für Zoos. „Sehr harte Zeiten für die Zoowelt, wir haben keine Einnahmen.“ so der Präsident der DTG, Gert Emmrich. „Unser Betriebsaufwand ist hingegen hoch, oberstes Ziel ist schließlich die Gesunderhaltung von Mensch und Tier.“ Die Besuchereinnahmen stellen für die Tierparks die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle dar. Dass man nun ein halbes Jahr bereits ohne diese Einnahmen auskommen muss, stellt die Zoowelt vor riesige Herausforderungen. Insbesondere der Aufwand für die Tiere ist unverändert hoch. „Wir können unsere Tiere nicht in Homeoffice oder Kurzarbeit schicken!“ so Emmrich weiter.

Laut der Deutschen Tierpark Gesellschaft haben Zoos die nötigen Voraussetzungen, um Hygiene-Maßnahmen erfolgreich umzusetzen.

„Investitionen wurden gestoppt, Ausgaben gestrichen und geschoben, Personal in Kurzarbeit geschickt, lediglich bei der Qualität der Tierpflege mache man keine Abstriche“, so Emmrich. Dabei bieten die Tierparks nach Ansicht der DTG alle Voraussetzungen, um zeitnah eine Öffnung zu ermöglichen. „Ein Zoobesuch ist nicht anders zu bewerten, als ein Spaziergang an der frischen Luft!“ so der Präsident von über 100 verschiedenen Einrichtungen. „Besser noch als im Wald, wir haben funktionierende Hygienekonzepte. Wir sind für unsere Gäste da.“ Der Sommer habe gezeigt, dass die Hygienekonzepte der einzelnen Einrichtungen wirken.

Zoos spüren Solidarität aus der Bevölkerung

Immerhin aber spüren die Tierparks und Zoos eine große Solidarität der regionalen Bevölkerung. Die Spendenbereitschaft ist vielerorts groß, Patenschaften stehen hoch im Kurs. In Nordhorn habe sich die Zahl der Tierpatenschaften mehr als verdreifacht, die Zahl der Mitglieder im Förderverein sei um 100 gestiegen - „das ist ein irrer Rückhalt“, sagt Kramer. Auch der Zoo am Meer in Bremerhaven habe bei den Patenschaften um 200 Prozent zugenommen, sagt Zoodirektorin Heike Kück. Die Zoos versuchen derzeit, ihr Online-Marketing auszubauen und schon einmal Eintritts- und Jahreskarten zu verkaufen, auch wenn die Gäste noch nicht kommen können.

Aber am Ende sei es wichtig, dass die Zoos Ostern wieder aufmachen könnten, betonen die Zoochefs. Auch dann würden die Kassen erst nur langsam gefüllt, denn bei einer Neueröffnung dürfte die Besucherzahl wegen der Hygiene- und Abstandsregeln reduziert sein. „Wir gehen davon aus, dass wir zu Ostern öffnen können - aber mit angezogener Handbremse“, sagt Kück.

Rubriklistenbild: © dpa/Friso Gentsch

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