Warnstreik: Lokführer bremsen den Norden aus

+
Ein bundesweiter Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL hat den morgendlichen Zugverkehr in Deutschland am Dienstagmorgen stark behindert.

Hannover/Bremen - Sie lassen ihre Reisenden im Kalten stehen und ernten trotzdem Zuspruch: Der Warnstreik der Lokführer hat Tausende im Norden getroffen, viele haben aber Verständnis für den Wunsch nach einheitlicher Bezahlung bei Staatsbahn und privater Konkurrenz.

Frierende Menschen auf dem Bahnsteig, lange Schlangen vor den Info-Schaltern und unzählige Handy-Telefonate mit der Arbeit: Der Warnstreik der Lokführer sorgt am Dienstagmorgen für identische Szenen in Göttingen, Hannover, Osnabrück oder Bremen. Andere erwischt die zweistündige Aktion der Lokführer unterwegs, weil Züge ihre Fahrt unterbrechen.

Bis zum Abend müssen Reisende bei der Deutschen Bahn und privaten Regionalzügen Verspätungen in Kauf nehmen, auch Güterzüge bleiben stehen. Ziel der Aktion der Gewerkschaft der Lokführer (GDL): Gleiches Geld für gleiche Arbeit bei der Staatsbahn sowie den privaten Wettbewerbern.

Verständnis zeigt ein 34 Jahre alter Elektriker, der täglich von Hannover aus zu seiner Arbeit pendelt: „Ich kann die Lokführer gut verstehen. In meiner Branche gibt es die gleichen Probleme. Wer die gleiche Arbeit macht, muss auch das gleiche Geld bekommen.“Auch eine 73 Jahr alte Rentnerin kann die Streikenden verstehen, allerdings nicht die Informationspolitik der Bahnmitarbeiter: „Ich will von Hannover auf die Insel Rügen fahren. Ich bekomme so gut wie keine Informationen von den Mitarbeitern der Bahn, wann mein Zug fährt und ob er überhaupt fährt. Das empfinde ich als empörend“.

Allerdings schenken die Servicekräfte der Bahn heißen Kaffee und Tee an die Wartenden aus. „Die können ja mal den Güterverkehr bestreiken“, empört sich ein 45-Jähriger in der Bahnhofshalle in Hannover, der nicht weiß, das auch etliche Frachttransporte im Bahnhof stehengeblieben sind. „Ich glaube, da würde die Wirtschaft ganz schnell einlenken. Die Ausfälle sind dann doch noch von einer anderen Dimension und wir im Personenverkehr wären mal nicht betroffen.“

Außerdem sollten sich die streikenden Lokführer den Kunden stellen und sich nicht in eine Ecke des Bahnhofs verdrücken. Unverständnis zeigt auch ein Beschäftigter der Sicherheitsbranche. „Wenn bei uns Tarifverhandlungen anstehen, bekommt das so gut wie keiner mit. Ich wünschte mir, dass die Gewerkschaften nicht nur in Branchen streiken, die der Gesellschaft nahestehen.“

Längere Verhandlungen und nicht so schnell ein Warnstreik, das fordert ein 51-Jähriger, der noch nicht weiß, wann sich sein Zug nach Mannheim endlich in Bewegung setzt. „Hätte man nicht damals schon gleiches Geld für gleiche Arbeit fordern können“, erinnert sich ein 52 Jahre alter Mann an den letzten Streik der Lokführer 2007/2008.

Verständnis für die Streikenden aber viel Wut wegen mangelnder Informationen hat ein Berufsreisender, der nach Berlin muss. „Nach dem Chaos im Winter bekommen die es jetzt auch nicht hin, uns vernünftig zu informieren. Das nervt mich tierisch.“ „Die Deutsche Bahn verdient so viel mit den Bahntickets, da kann ich verstehen, wenn die Lokführer auch mehr Geld haben wollen und streiken“, sagt eine Studentin, die im Bremer Hauptbahnhof auf ihren Zug wartet, der 40 Minuten Verspätung hat.

Auch zwei Freundinnen, die auf dem Weg nach Vechta sind, müssen bei der klirrenden Kälte am Hauptbahnhof auf ihre Bahn warten. Für sie ist das Wetter der Grund der schlechten Laune. „Wenn es nicht so kalt wäre, wäre das Warten auch nicht so schlimm“, sagt eine der jungen Frauen. Einen Fahrgast, der beruflich nach Frankfurt muss, trifft es da schlimmer: Er muss 100 Minuten auf seinen verspäteten Zug warten. Der Psychotherapeut ringt sich ein Lächeln ab. Er hat Verständnis für den Streik der Lokführer - denn ohne Protest gibt es nicht mehr Geld, meint er. „Wie soll man sonst mehr bekommen?“

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare