Coronavirus-Lockdown

Heute öffnen Friseure endlich wieder – darum steigt der Preis für Schnitt & Styling

Das Warten und die schlechten Frisuren haben ein absehbares Ende: Friseure dürfen am 1. März wieder öffnen. Der Landesinnungsverband des niedersächsischen Friseurhandwerks hält die Entscheidung für längst überfällig. Viele Insolvenzen seien möglich.

  • Eine Verlängerung des Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie wurde beschlossen.
  • Eine Ausnahme gibt es: Ab 1. März dürfen die Friseure unter Hygieneregeln wieder öffnen.
  • Laut Landesinnungsverbandes des niedersächsischen Friseurhandwerks hätte diese Ausnahme eher kommen sollen.

Update vom 1. März: Viele haben lange drauf gewartet und heute ist es endlich wieder soweit: Die Friseure dürfen ab Montag wieder ihre Kunden bedienen. Allerdings müssen Kunden mit Preisanpassungen rechnen, da die Friseur-Betriebe für die verschärften Corona-Vorschriften etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Aber viele Friseur-Salons sind in den nächsten Wochen sowieso komplett ausgebucht. (mas)

Update vom 22. Februar, 10.31 Uhr: In einer Woche ist es soweit. Die 80.000 Friseurbetriebe in Deutschland dürfen nach monatelanger Zwangspause wieder öffnen. Für manche überraschend bekamen sie dafür von Bund und Ländern die Erlaubnis. Sie sind früher dran als der Einzelhandel. Der Ansturm auf die Friseure dürfte riesig sein. Ein Friseur in Bayreuth hat den ersten Termin nach dem Lockdown sogar für 422 Euro zu einem guten Zweck versteigert. Ein 43 Jahre alter Handwerker und Mitglied einer Hilfsorganisation, die sich für Kinder einsetzt und an die das Geld auch gehen soll, habe den Termin am 1. März auf der Plattform eBay ersteigert, sagte der Friseur Andreas Nuissl am Sonntag. (dpa)

Update vom 17. Februar, 8 Uhr: „Mit dem Re-Start am 1. März müssen die Kunden mit Preisanpassungen rechnen“, sagte der Obermeister der Friseur-Innung Leer-Wittmund, Heiner Heijen, der Ostfriesen-Zeitung. Grund seien die erneut verschärften Hygienevorschriften der Berufsgenossenschaft – zum Beispiel für medizinische Schutzmasken und Einweghandschuhe. Diesen Aufwand müssten die Friseure an die Kunden weiterreichen. Konkret bedeutet dies: Waschen, Schneiden, Föhnen für Männer kostet bei Art Frisör Heijen in Weener ab 1. März 1,50 Euro mehr. Weitere, aufwendigere Dienstleistungen dürften sich entsprechend stärker verteuern.

Update vom 13. Februar, 11:30 Uhr: Die Polizei in Delmenhorst hat einen unerlaubten Friseursalon im Keller eines Hauses geschlossen. Die Räumlichkeit sei regelrecht „konspirativ“ (geheim, verschwörerisch) eingerichtet gewesen, teilte die Polizei am Samstag mit. Laut den Corona-Bestimmungen dürfen Friseure erst ab dem 1. März wieder öffnen. Der 32 Jahre alte Inhaber sei aber bereits vor diesem Termin seinem Gewerbe nachgegangen, was die Polizei am Freitag untersagte. Sie leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. (dpa)

Update vom 11. Februar, 12:30 Uhr: Trotz der von Bund und Ländern beschlossenen Öffnung der Friseursalons ab 1. März geht der Landesinnungsverband des niedersächsischen Friseurhandwerks davon aus, dass schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Geschäfte den Lockdown nicht überstehen. „Eventuell kann sich das für manche nun noch positiv auswirken. Viele stehen aber schon mit dem Rücken zur Wand“, sagte Landesinnungsmeisterin Manuela Härtelt-Dören am Donnerstag in Göttingen.

Ab 1. März dürfen die Friseure unter strikten Hygieneregeln wieder öffnen.

Wichtig sei, dass die angekündigte Überbrückungshilfe III schnell ankäme. „Wenn das Geld erst im April oder Mai überwiesen wird, ist das für viele Friseurgeschäfte zu spät. Sie müssen jetzt ihre Fixkosten decken.“

Friseure in Niedersachsen: Freude über Wiedereröffnung groß

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch mit den Länderchefs vereinbart, dass Friseurbetriebe bei strikter Einhaltung von Hygiene-Auflagen ungeachtet der Lockdown-Verlängerung am 1. März wieder öffnen können.

Die Freude über die Entscheidung sei groß, betonte Härtelt-Dören. Die Friseure hätten bereits bewiesen, dass sie die hohen Hygiene-Standards einhalten können. „Auch Rückverfolgung ist möglich. Das ist besser, als wenn jemand in den eigenen vier Wänden Haare schneidet. Da passiert das nicht“, erklärte Härtelt-Dören.

Update vom 11. Februar, 10:00 Uhr: Die Verlängerung des Lockdowns ist beschlossen. Eine Ausnahme gibt es für Friseure, die unter strikten Hygiene-Auflagen bereits am 1. März wieder öffnen dürfen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten am Mittwoch bei ihrer Videokonferenz vereinbart und mit der Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene begründet. 

„Es wurde höchste Zeit. Die Überbrückungshilfen konnten erst gestern beantragt werden. Die Salon-Inhaber hatten mehrere Monate kein Einkommen, aber laufende Kosten. Gott sei Dank dürfen sie nun wieder öffnen“, sagt Marc Ringel, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des niedersächsischen Friseurhandwerks.

„Die Hygienekonzepte funktionieren. Die Friseursalons stellen keinen Hotspot dar.“ 

Marc Ringel, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des niedersächsischen Friseurhandwerks

Doch längst nicht alle. Zu den Betrieben, die während des zweiten Lockdowns Insolvenz anmelden mussten, gebe es keine Zahlen. „Den ein oder anderen Betrieb hat es aber getroffen“, weiß Ringel.

Auch für die Bevölkerung sei die Ausnahme für Friseurbetriebe ein Gewinn: „Stichwort Psychohygiene. Viele Menschen fühlen sich unwohl und auch gerade ältere Menschen sind auf den Besuch beim Friseur angewiesen“, erklärt Ringel.

Hygiene-Auflagen in Friseurstudios: Medizinische Masken und Reservierungen

Seiner Einschätzung nach sei der Frisör-Besuch sicher: „Die Hygienekonzepte funktionieren. Die Friseursalons stellen keinen Hotspot dar.“ Die bundesweiten Infektionszahlen seien seit der Wiedereröffnung im Mai nach dem ersten Lockdown 2020 „verschwindend gering“ gewesen: „Es gab bundesweit 22 gemeldete Fälle, 14 davon mit einem positiven Testergebnis - bei 700.000 Kundenkontakten täglich“, sagt Ringel.

Die gute Nachricht ist an strikte Bedingungen geknüpft: Auflagen zur Hygiene müssen beachtet werden und der Zutritt der Kunden durch Reservierungen geregelt werden. Natürlich ist auch die Nutzung medizinischer Masken Pflicht. Die Beratungen von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie liefen seit Mittwochnachmittag.

Wann können die Friseure wieder öffnen? - Ab 1. März 2021

Die Friseur-Salons sind seit Mitte Dezember zu. In mehreren Bundesländern haben Friseure gegen die Schließung ihrer Läden im Zuge des Corona-Lockdowns geklagt - so auch ein Friseursalon in Bremerhaven.

Die Schließung sei nach Aussagen der Friseure unverhältnismäßig, da Friseure alle Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen einhielten. Die Corona-Hilfszahlungen seien zu knapp bemessen oder kämen zu spät.

Über die Zoom-Videokonferenz Plattform gibt Ümit Akbulut in Online-Seminaren Tipps zum Konturenschneiden und Zöpfeflechten.

Interview mit Ümit Akbulut (36), Inhaber der Haarwerkstatt in Delmenhorst

Nach sieben Wochen Friseur-Lockdown kann auf vielen Köpfen von Frisur nicht mehr die Rede sein. Die Ohren bedeckt, Nackenhaare überm Kragen, die Farbe verblasst, die Ansätze grau. „Wir wollen Hilfestellung geben“, sagt der Delmenhorster Friseurmeister Ümit Akbulut und gibt mit seiner Kollegin Iuliana Dascalu über Zoom in Online-Seminaren Tipps zum Konturenschneiden oder Zöpfeflechten.

Welche Auswirkungen hat der Lockdown auf Ihre Kunden?
Wir sind jetzt schon seit dem 16. Dezember im Lockdown und haben in normalen Zeiten auch Kunden, die alle zwei Wochen zum Haareschneiden kommen, und die jetzt schon drei bis vier Termine verpasst haben. Die drehen schon fast durch. Männer sind oft ein bisschen unbeholfener. Bei Frauen ist das etwas entspannter. Da geht‘s oft um Haarfarbe und die Haaransätze.
Was tun?
Nicht unbedingt gleich zur Schere greifen. Besser mit Gel, Wachs oder Styling-Creme erstmal versuchen, die Frisur zu gestalten und die Zeit bis zum Ende des Lockdowns zu überbrücken.
Was lernt man bei Ihren Online-Seminaren?
Es geht in erster Linie um Hilfestellung. Konturen nachschneiden, Nacken säubern, Bartschneiden. So was. Wir wollen aber auch Kontakt halten und einfach ein Lebenszeichen geben und zeigen: «Hey, wir sind noch da.» Wir bieten auch ein Vater-Tochter-Zopfseminar an.
Das ist genau was?
Das machen wir schon seit drei Jahren. Normalerweise gibt es dabei Waffeln. Und dann zeigen wir den Vätern, wie «Elsa und Anna»-Zöpfe geflochten werden. Jedes Mädchen weiß, was das ist. Das kommt aus dem Film «Die Eiskönigin». Jetzt machen wir das eben als Online-Seminar. Am Sonntag startet das nächste.
ZUR PERSON: Ümit Akbulut (36) betreibt mit seiner Frau Charmaine seit 2015 die Haarwerkstatt in Delmenhorst. Er ist international als Fachtrainer unterwegs. Zudem ist er Profi-Skateboarder. Sein Motto: «Ab dem Moment, wo der Beruf zur Leidenschaft wird, hat man aufgehört zu arbeiten.»
Interview: Helmut Reuter, dpa

Rubriklistenbild: © Roberto Pfeil/dpa

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