„Waller Babymord“: Mutter gesteht Tötung ihres Kindes

+
Im Prozess um den sogenannten Babymord vom Waller See hat die wegen Totschlags angeklagte Mutter ein Geständnis abgelegt.

Braunschweig/Stade - Im Prozess um den sogenannten Babymord vom Waller See hat die wegen Totschlags angeklagte Mutter ein Geständnis abgelegt. Sie habe 2005 ihrem neugeborenen Kind mit einem Messer den Hals durchgeschnitten, sagte die 36-Jährige am Montag zum Verhandlungsbeginn vor dem Braunschweiger Landgericht.

Die Leiche habe sie in eine Plastiktüte getan und an einem Badesee bei Braunschweig verscharrt. Im Prozess gegen eine Frau, die ihre beiden Töchter im Schlaf getötet haben soll, sagte die Beschuldigte unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Landgericht Stade aus. Zuschauer waren auf Antrag der Verteidigung nicht zugelassen. „Der Beschuldigten geht es sehr schlecht“, sagte der Verteidiger.

Die 41-Jährige soll ihren drei und fünf Jahre alten Töchtern im Juni ein Schlafmittel gegeben und sie danach erwürgt und erstochen haben. Man könne hier davon sprechen, dass Täter gleich Opfer sei, sagte der Anwalt. Seine Mandantin habe getötet, was ihr das Liebste war. Ein Gutachter und der behandelnde Arzt beschrieben die Frau als akut selbstmordgefährdet.

In dem Sicherungsverfahren soll geklärt werden, ob sie dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird. Zu der Tat vom Waller See trugen wohl viele Faktoren bei. Das Kind stammte aus der Beziehung der Beschuldigten zu einem verheirateten Mann. Die Frau hatte ihre Schwangerschaft verheimlicht und anscheinend auch verdrängt. Bei der Geburt im Badezimmer der Angeklagten war es zu schweren Komplikationen gekommen. „Ich hatte Schmerzen, nur Schmerzen“, berichtete die 36-Jährige. Als das Kind schließlich auf die Welt gekommen war, habe sie den Eindruck gehabt, „dass es kein Teil von mir ist. Es schrie so laut. Ich wollte nur Ruhe“, erklärte sie in teilnahmslosem Tonfall.

Problematisch ist nach ihren Schilderungen auch ihr Lebensweg verlaufen. Als Tochter sehr strenggläubiger kurdischer Eltern habe sie Angst vor einer Zwangsheirat gehabt und sei deshalb als 18-Jährige geflohen. Es sei auch die Flucht vor Schikane und Misshandlungen gewesen. „Bei uns gab es keine Liebe“, sagte sie. Der Fund des toten Säuglings hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Fast sechs Jahre lang blieb die Suche nach der Mutter ergebnislos.

Erst im Frühjahr 2011 enthüllte eine in einem anderem Fall sichergestellte Gen-Spur die Identität der Angeklagten. Nach der Festnahme führte die Frau die Beamten zu einem Müllcontainer. Dort hatte sie kurz zuvor die Leiche eines anderen Babys versteckt. Das Mädchen sei während der Geburt in ihrer Badewanne ertrunken, versicherte die 36-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft wertet aber auch diesen Fall als Totschlag, weil die Beschuldigte keine Vorkehrungen für die Geburt getroffen und somit den Tod des Kindes in Kauf genommen habe. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare