Wachsende Salzvorräte keine Garantie gegen Schneechaos

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Ein Fahrzeug des Winterdienstes räumt die verschneite Fahrbahn der Bundesautobahn 2 bei Braunschweig. Bei extremem Winter müssen Autofahrer in Niedersachsen auch in Zukunft mit nur teils gestreuten Straßen rechnen.

Schneeverwehungen, spiegelglatte Straßen und ungeräumte Überholspuren: Der eisige Dezember hat Niedersachsen ausgebremst. Verkehrsminister Bode verspricht zwar größere Salzvorräte, geht bei einem extremen Winter aber erneut von Problemen auf den Straßen aus.

Für den pausenlosen Einsatz der Streudienste im Schneechaos im Dezember gab es am Donnerstag kräftigen Applaus im Landtag - uneinig waren sich die Abgeordneten in Hannover allerdings, ob das Land zur Vermeidung eines erneuten Verkehrschaos genug unternimmt.

Mangelnde Salzvorräte, Personalabbau bei den Straßenmeistereien, überaltertes Gerät und fehlende Konzepte hätten zum Stillstand auf den Straßen beigetragen, beklagte die SPD in einer dringlichen Anfrage. Das Land baue seine Salzlager bereits aus, erklärte Verkehrsminister Jörg Bode (FDP).

Bei extremen Wetterlagen werde aber auch künftig nicht auf allen Straßen der schwarze Asphalt zu sehen sein. Einigkeit gab es dagegen in der Bilanz der Winterwochen: „In der Tat hatten wir in diesem Winter Probleme mit der Befahrbarkeit unserer Straßen“, räumte Bode ein - im Rest von Deutschland und Europa sei es aber auch nicht viel besser gewesen. „Trotz des unermüdlichen Einsatzes der Räumdienste rund um die Uhr hatten wir nicht immer zufriedenstellende Verhältnisse.“

Obwohl die Salzlager aufgestockt wurden, müssten Autofahrer bei Schneechaos auch in Zukunft mit rutschigen Straßen rechnen. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es nicht vertretbar, für extreme Winter gerüstet zu sein“, sagte Bode. Allerdings habe das Land seine Lagerkapazität für Streusalz bereits auf 73.500 Tonnen erheblich erhöht, was etwa 2800 Lastzug-Ladungen entspreche. Bei extremen Wetterlagen - wie beispielsweise zu Weihnachten - würden für die 17.700 Kilometer Straßen in der Zuständigkeit des Landes täglich bis zu 6000 Tonnen Salz benötigt. Die Salzindustrie habe dem Land bislang nur 10.000 Tonnen Salz pro Woche nachliefern können, eine Erhöhung dieser Menge werde angestrebt, sagte Bode.

Bei andauerndem starken Frost und Schnee könnten daher manche Landes- und Bundesstraßen nur noch geräumt statt gestreut werden. Auch Überholspuren auf Autobahnen müssten ungeräumt bleiben, sagte Bode. Gesperrte Straßen wegen Schneechaos könne es in Zukunft erneut geben. All dies entspreche aber den gesetzlichen Vorgaben für den Winterdienst.

Ein dickes Lob gab es für die Mitarbeiter der Straßenmeistereien. „Über Weihnachten und zwischen den Feiertagen haben sie nahezu Übermenschliches geleistet“, sagte Bode. Da es im Dezember für die Arbeiter keinerlei Verschnaufpause gab, hätten die Salzlager zwischendurch auch kaum aufgefüllt werden können. „Die Wettersituation war außergewöhnlich extrem.“ Bislang seien in den Straßenmeistereien mehr als 84.000 Überstunden aufgelaufen. Dafür würden sich die meisten Arbeiter im Sommer zusätzliche freie Tage gönnen.

Noch nicht beziffern konnte das Ministerium unterdessen die Kosten für die Reparatur der frostgeschädigten Landesstraßen. Dies sei vernünftigerweise erst zum Ende des Winters möglich, sagte der Minister. Schelte gab es vom Verkehrsminister für die Streupolitik der Landeshauptstadt Hannover.

Zunächst habe die Stadt für die Bürger ein Streuverbot angeordnet. Es sei nach den strengen Winterwochen erst dann aufgehoben worden, als das Streusalz in allen Baumärkten bereits ausverkauft war.

Quelle: kreiszeitung.de

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