Oma lernt skypen - Volkshochschulen liegen im Trend

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Herbert Pianta (63) an seinem Laptop

Hannover - Volkshochschulen haben sich längst vom Origami-Image verabschiedet. Heute bauen die Kursteilnehmer Legoroboter, pauken Urlaubsvokabeln, bekämpfen Hüftspeck oder lernen Lesen und Schreiben. Trotz Online-Konkurrenz ist die Erwachsenenbildung nicht abgeschrieben.

Ob Yogakurse, Wintermützen-Häkeln für Männer oder Skypen mit Oma: Volkshochschulen orientieren sich längst am Puls der Zeit. Mit pfiffigen Programmen wollen sie der großen Konkurrenz durch virtuelle Lernplattformen trotzen. Allein die 60 Volkshochschulen (VHS) in Niedersachsen bieten pro Jahr rund 62 000 Kurse, die mehr als 500 000 Menschen besuchen. In diesem Herbst erleben Fitness und Wohlbefinden, Kochkurse und i-Pad-Stunden großen Zulauf, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Rund zwei Drittel der VHS-Klientel ist weiblich.

„Der Gesundheitsbereich brummt, gerade die Bewegungsangebote“, sagt Dr. Renate Gall von der Kreis-VHS Wesermarsch. Obwohl die Krankenkassen die Förderung zurückgefahren hätten, sei das Bewusstsein in der Bevölkerung deutlich gewachsen. Die Zumba-Kurse seien voll, beim Aqua-Jogging werde die Warteliste immer länger. „Männerkochkurse werden auch gerne genommen.“ In Göttingen sind „alle Arten von Yoga“ angesagt, freut sich Carola Piechota.

Deutlich gewandelt hat sich der Fachbereich EDV. Der Bedarf an allgemeinen Computer-Kursen sei in den letzten Jahren eingebrochen, sagt Reinhard Rubarth von der VHS Cuxhaven. Gefragt seien „praktische Sachen für den Alltag“, etwa der Umgang mit i-phone oder Tablet-PC. Ungebrochen sei das Interesse an Fremdsprachen. Viele begnügten sich aber mit gezielten Angeboten rund um den Urlaubswortschatz.

Gut 14 Prozent der VHS-Kunden sind älter als 65 Jahre. Die Institutionen reagieren mit speziellen Senioren-Angeboten. Vechta bietet „Stadtbus-Training für Senioren“ und Internettelefonie. „Die Leute kommen, um mit ihren Enkeln und Kindern zu skypen“, erzählt Sabina Hagl.

Die Wünsche der Bürger fließen in die VHS-Programme ein. „Wir hören sehr genau hin, was die Leute haben möchten“, sagt Renate Gall. „Aber man kann nicht jeden Quatsch anbieten“, warnt Veronika Jäger, Direktorin des Landesverbandes der VHS Niedersachsen. In diesem Herbst reicht die Kurspalette vom „Bauen für Jedermann“(Göttingen) über Testamentgestaltung (Lilienthal) und Fußreflexzonenmassage (Hannover) bis hin zu Schüßler-Salzen für Vierbeiner (Wesermarsch). Auch Handarbeitstechniken wie das Häkeln erleben unter dem Motto „My Boshi“ (meine Häkelmütze) vielerorts eine Renaissance.

Nicht nur die Inhalte werden bunter. „Wir erproben neue Lernkulturen“, sagt Veronika Jäger. Im Kommen sei die Mischung aus webgestütztem Lernen und Präsenzlernen. Das Internet könne den Austausch verstärken, sei aber kein Ersatz. „Lernen passiert über den sozialen Austausch“, sagt Jäger. „Nur dann bleibt was hängen.“ Geändert hat sich zudem die Kursform, Kompaktkurse sind auf dem Vormarsch.

An den niedersächsischen VHS arbeiten mehr als 20 000 Honorarkräfte. „Was einst mit Abendkursen begann, ist mittlerweile viel breiter aufgestellt“, sagt Peter Schulz-Oberschelp vom verdi-Netzwerk Weiterbildung. Ursprünglich seien viele Kurse nebenberuflich geleitet worden. Mittlerweile gebe es viele hauptberufliche Dozenten. Denn für Segmente wie Weiterbildung, Deutsch als Fremdsprache oder Alphabetisierung seien qualifizierte Fachleute nötig.

Die hohen Qualitätsansprüche spiegelten sich nicht in den Honorarordnungen wider, bedauert Schulz-Oberschelp. Dort werde nicht zwischen haupt- und nebenberuflichen Dozenten unterschieden. Laut Schulz-Oberschelp liegen die durchschnittlichen Honorare derzeit zwischen 15 und 22 Euro pro Unterrichtsstunde. Das Netzwerk Weiterbildung fordert mindestens 30 Euro für hauptberufliche, freie Dozenten.

Quelle: kreiszeitung.de

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