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Vierte Corona-Impfung auch für Jüngere: Niedersachsen befürwortet Lauterbach-Plan

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Von: Jan Knötzsch

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Der Ratschlag von Karl Lauterbach, dass auch unter 60-Jährige den 2. Booster bekommen sollen, sorgt für geteiltes Echo. Niedersachsen pflichtet Lauterbach bei.

Hannover – Er ist wieder einmal in aller Munde. So wie es in Zeiten der Corona-Pandemie eigentlich immer schon war. Auch, als Karl Lauterbach noch nicht das Amt des Bundesgesundheitsministers in der Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin innehatte, sondern als „normaler“ Politiker immer und immer wieder in Talkshows saß. Meistens in der von ZDF-Moderator Markus Lanz. Wann immer es um Corona ging: Karl Lauterbach hatte etwas zum Thema zu sagen. Genauso wie nun als Minister.

Streitbar waren die Aussagen des SPD-Politikers schon damals. Und sind es auch jetzt, wenn es darum geht, dass Karl Lauterbach die Empfehlung ausgesprochen hat, dass sich auch unter 60-Jährige bald ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen können sollen. Die Idee des Bundesgesundheitsministers findet in der Politik und in ganz Deutschland nicht überall Zustimmung. In Niedersachsen allerdings schon.

Niedersachsen unterstützt Lauterbachs Booster-Plan - Stiko-Chef gegen vierte Impfung für Menschen unter 60 Jahren

In einem Gespräch mit dem Spiegel vom Donnerstag, 14. Juli 2022, findet Karl Lauterbach, der die zweite Boosterimpfung für alle in Deutschland fordert, klarte Worte, die in Niedersachsen auf Gegenliebe treffen. Der Bundesgesundheitsminister spricht dort davon, dass er einen „schweren Corona-Herbst“ in Deutschland erwarte. Wo andere noch den Sommer genießen, legt Karl Lauterbach also wieder mal den Finger in die Wunde und spricht offen eine unbequeme Wahrheit an, die nicht nur Bremen und Niedersachsen, sondern eben ganz Deutschland übermannen könnte. „Wenn jemand den Sommer genießen will und kein Risiko eingehen will zu erkranken, dann würde ich – in Absprache natürlich mit dem Hausarzt – auch Jüngeren die Impfung empfehlen“, sagte Lauterbach dem Spiegel.

Ein Impfpass, Corona-Impfstoff und eine Spritze sowie die Worte Covid-19 und 4. Impfung.
Zustimmung zur vierten Corona-Impfung für unter 60-Jährige: Niedersachsen hält den Vorschlag von Gesundheitsminister Karl Lauterbach für richtig. © Bihlmayerfotografie/imago

Mit der zweiten Boosterimpfung, also der vierten Impfung gegen das Coronavirus, so erklärt es der Gesundheitsminister, hätten die Geimpften „eine ganz andere Sicherheit“. Nach Ansicht von Karl Lauterbach würde sich durch die zweite Boosterimpfung das Risiko von Long Covid und entsprechenden Symptomen für ein paar Monate deutlich reduzieren. So weit, so gut. Oder eben nicht. Denn es gibt auch ganz andere Meinungen zur vierten Corona-Impfung und dem zweiten Booster auch für die unter 60-Jährigen. Als vehementer Gegner des Bundesgesundheitsministers schwingt sich dabei ausgerechnet der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) auf.

Vierte Corona-Impfung: Warum Niedersachsens Gesundheitsministerium zweiten Booster für angebracht hält

Denn ganz anders als das Bundesland Niedersachsen, das sich auf die Seite von Karl Lauterbach stellt, positioniert sich derweil Thomas Mertens gegen Lauterbach. Der Stiko-Chef hat gegenüber der Welt am Sonntag klargemacht, dass er sich gegen eine sofortige vierte Impfung für Jüngere ausspricht. Er kenne keine Daten, die den Ratschlag von Karl Lauterbach rechtfertigen. „Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ,Viel hilft viel´ auszusprechen“, erklärt der Stiko-Chef der Welt am Sonntag. Mertens hält an der Stiko-Empfehlung, dass Menschen über 70 Jahre, Vorerkrankte und Pflegepersonal eine vierte Dosis bekommen, fest.

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Das wiederum sieht das Land Niedersachsen beziehungsweise dessen Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) anders. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums betonte, es wäre wichtig, dass die Stiko die Auffrischung demnächst auch für jüngere Altersgruppen empfiehlt. Der Impfstoff sei da, die Impfung schütze nachhaltig, so die Sprecherin. Gesundheitsministerin Behrens sei dafür, in einem ersten Schritt die vierte Impfung ab 60 Jahren zu ermöglichen. Dafür hatte sich kürzlich auch die EU ausgesprochen.

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