Sexistisches Botschaft geht viral

Video schockt: „Nach der Geburt nicht abnehmen ist ein Scheidungsgrund“

  • VonUlrike Hagen
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Ein ungarischer Fitnessguru provoziert: Frauen verdienten die Scheidung, wenn sie nach der Geburt nicht wieder in Form kommen. Die Videobotschaft geht viral.

Leányfalu/Ungarn – Sexismus ist in der Gesellschaft nach wie vor tief verankert. Das zeigten zuletzt die von einer Richterin bei der Jungen Union eingeführte Sexismus-Kontrolle gegen Macho-Gehabe und die Sexismus-Vorwürfe, die sich die WHO wegen des geforderten Alkoholverbots für gebärfähige Frauen gefallen lassen musste. Den Vogel schießt nun allerdings der ungarische Top-Fitness-Guru Norbert Schobert ab. Er behauptet, Frauen seien schuld an Scheidungen, weil sie es nicht schaffen, nach der Geburt wieder in Form zu kommen.

Land in Europa:Ungarn
Hauptstadt:Budapest
Einwohner:9,773 Millionen (2019)
Währung:Forint
Größe:93.030 km²

„Frauen, die nach der Geburt nicht abnehmen, sind ein Scheidungsgrund“: Video von Fitness-Guru geht viral

Wie der englische „Mirror“ berichtet, poltert Schober in einem Live-Video in den sozialen Medien in feinster Bodyshaming-Manier, Frauen würden nach der Geburt „alles vermasseln“. Ein Mann leide, „wenn eine Frau, die früher 58 Kilo wog und jetzt 78 oder 88 Kilo wiegt, mit dröhnenden Tritten ins Zimmer stapft“. Man solle Männer nicht dafür verantwortlich machen, dass sie keine Lust mehr auf ihre Frauen haben, wenn diese sich nicht die Mühe machen, nach der Geburt eines Kindes 20 bis 30 Kilo abzunehmen.

Frauen sind in den meisten Fällen für die Scheidung verantwortlich, meint der ungarische Fitnessguru Norbert Schober

„Frauen vermasseln nach der Geburt alles“: Bodyshaming-Video inzwischen über 750.000-mal aufgerufen

Der verheiratete, dreifache Vater äußert in dem Facebook-Clip, der inzwischen über 750.000-mal aufgerufen wurde, dass Männer darunter leiden, wenn ihre einst 58 kg schwere Frau „mit ihrer Nachgeburtshaut ins Zimmer stapft“. Der Fitness-Macho fügte hinzu, dass die Haut von Frauen nach der Geburt „ekelhaft“ sei und fordert, so die britische Tageszeitung, dass Mütter zu ihrem Gewicht vor der Geburt zurückkehren sollten, um eine glückliche Beziehung zu führen.

Sexismus-Vorwürfe, Shitstorm – und genialer Konter von IKEA und Coca-Cola für den Fitness-Macho

Der landesweite Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten: Nicht nur die User, sondern zahlreiche Politiker, Schriftstellerinnen und Celebrities empören sich – und forderten Schobert sogar mehrfach auf, sich zu entschuldigen. IKEA veröffentlichte einen Post, in dem es hieß, seine Möbel seien „in jeder Form liebenswert“. Coca-Cola Ungarn konterte auf die sexistischen Äußerungen genial und postete ein Foto mit verschiedenen Flaschenformen und der Zeile: „Wenn du sie liebst, begehrst du sie in jeder Form. #loveyourbody“. Die süßeste Reaktion kam jedoch vom Budapester Zoo, der ein Foto seiner Elefantenfamilie samt Mama Angele mit ihrem wenigen Monate alten Elefantenbaby postete: „Ich liebe dich, Angele, obwohl du so groß bist wie ein Elefant.“

„Wenn du sie liebst, begehrst du sie in jeder Form. #loveyourbody.“ Coca-Cola genialer Konter auf die sexistischen Äußerungen Schoberts.

Sexismus? Fitness-Macho prahlt mit „Kommunikations-Atombombe“

An dem Fitness-Macho perlt jedoch jede Kritik ab. Er besteht weiter auf seine sexistischen Thesen – und äußerte, er würde sich bei niemandem entschuldigen. Er wolle, dass seine „Rede“ eine „Kommunikations-Atombombe“ werde, so der „Mirror“, Ein Mann könne nicht „nach seiner Frau gieren“ – und gleichzeitig sie sei diejenige, die Probleme verursache, die Beziehungen ruiniere und Kinder „halb verwaist“ zurücklassen würde. 

Gender Inequality Index – Ungarn auf dem vorletzten Platz in Europa

Trotz des Shitstorms, den Norbert Schobert über sich ergehen lassen muss, ist in Ungarn das Thema Sexismus an der Tagesordnung. Während in Deutschland Annalena Baerbock (Grüne) schon eine feministische Regierung fordert, sieht es in Ungarn in Sachen Gleichberechtigung eher düster aus: Beim „Gender Inequality Index“, dem Index der Geschlechterungleichheit der Vereinten Nationen, die die Schieflage zwischen Männern und Frauen misst, liegt Ungarn abgeschlagen auf dem vorletzten Platz der 28 erfassten Länder, nur Griechenland schneidet noch schlechter ab.

Zuletzt hatte das ungarische Parlament ein Anti-LGBTI-Gesetz verabschiedet, welches bei der EM für weltweite Proteste sorgte. Zwar verbot die UEFA das Regenbogen-Stadion bei EM – doch die Bundesliga bekannte Farbe. Anlässlich des „Christopher Street Day“ wurde die Allianz Arena als Zeichen gegen die diskriminierenden ungarischen Beschlüsse bunt erleuchtet.

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Rubriklistenbild: © Facebook/Norbi Update

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