Zwei Futtermittelhersteller-Geschäftsführer seit April vor Gericht

Dioxin-Prozess Vechta: Verteidigung stellt Proben infrage

Vechta - Im deutschlandweit ersten Prozess nach dem Dioxin-Skandal in Futtermitteln soll jetzt ein Agrarwissenschaftler klären, ob das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) Proben nach Vorschrift genommen hat.

Die Richterin des Amtsgerichts Vechta gab am Dienstag einem entsprechenden Beweisantrag der Verteidigung statt. Zwei frühere Geschäftsführer eines Futtermittelherstellers aus Damme (Landkreis Vechta) stehen seit April wegen Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch vor Gericht. Der Prozess soll klären, ob sie wissentlich belastetes Futter verkauft haben.

Der Skandal war Ende 2010 bekanntgeworden. Eine Firma aus Schleswig-Holstein hatte verunreinigtes Futterfett verkauft - unter anderem an den Betrieb aus Damme. Wie andere Betriebe stellte dieser damit Tierfutter her und belieferte zahlreiche Höfe.

Der Skandal verunsicherte Verbraucher in ganz Deutschland. Nachdem das Laves von der Verunreinigung erfahren hatte, wurde der Betrieb in Damme kontrolliert. Bei einer Stichprobe wurden keine erhöhten Werte festgestellt. Allerdings hatte es zum Zeitpunkt der Proben keine Lieferung aus Schleswig-Holstein gegeben.

Ein Laves-Mitarbeiter sagte als Zeuge vor Gericht, dass er den 62 Jahre alten Angeklagten dennoch mündlich auf eine mögliche Belastung seines Futters hingewiesen habe. Der Angeklagte wies den Vorwurf zurück. Er habe lediglich von den unbedenklichen Proben erfahren.

Die Verteidigung äußerte sich nach der Verhandlung zufrieden. Der Zeuge habe bestätigt, dass ein Vorsatz ausscheide, sagte der Verteidiger des 62-Jährigen, Axel Dohmann. Zudem sei nicht bewiesen, dass das Dioxin in den Eiern tatsächlich aus dem Futtermittel des Dammer Betriebs stamme. Der Mitarbeiter des Landesamts hatte eingeräumt, dass die Proben nicht ordnungsgemäß genommen worden waren.

Der Verteidiger des zweiten Angeklagten bat darum, das Verfahren seines Mandanten abzutrennen. Der 48-Jährige hatte schon zu Beginn der Verhandlung darauf hingewiesen, dass er lediglich für den kaufmännischen Bereich im Unternehmen verantwortlich war. Mit der Mischfutterherstellung habe er nichts zu tun gehabt. Die Richterin lehnte dies ab.

Allerdings bestätigte auch der Laves-Mitarbeiter, dass er immer nur mit dem 62-Jährigen Kontakt gehabt hatte. Dessen Kollegen habe er persönlich noch nie kennengelernt. Der Prozess soll am 8. August fortgesetzt werden. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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